Statue beschädigt Tourist droht Haftstrafe für Ohrläppchenraub auf Osterinsel

Sein Mitbringsel von der Osterinsel könnte für einen finnischen Touristen einen sehr langen Aufenthalt in Chile nach sich ziehen: Der 26-Jährige soll ein Ohrläppchen von einer der berühmten Moai-Statuen abgebrochen haben. Ihm drohen sieben Jahre Haft.


Santiago de Chile - Behörden auf der Osterinsel haben am Wochenende den finnischen Touristen Marko Kulju festgenommen. Er soll das rechte Ohrläppchen einer vier Meter hohen Moai-Statue abgebrochen haben. Die Figur gehört zu den zahlreichen Monumenten aus Vulkangestein, die seit 400 bis 1000 Jahren auf der Osterinsel stehen und bestaunt werden.

Eine Inselbewohnerin hatte den Finnen dabei beobachtet, wie er sich an der Statue zu schaffen machte und mit einem Gesteinsbrocken in der Hand den Strand von Anakena verließ. Die Polizei identifizierte ihn später anhand einer Tätowierung, die die Frau auf seinem Körper erkannt hatte.

Kulju soll mit bloßen Händen das Ohrläppchen von der Statue geschlagen haben, erklärte Polizeichef Christian Gonzalez. Der schwere Körperteil fiel auf den Boden und zerbrach in 20 bis 30 Zentimeter lange Stücke. Mindestens eins davon habe der Finne mitgenommen. Da es sich um den Diebstahl eines nationalen Kulturguts handelt, droht dem Urlauber eine siebenjährige Haftstrafe.

"Glücklicherweise passiert so etwas nicht jeden Tag, aber es passiert. Und es ist fast unmöglich, es zu kontrollieren, weil es auf der Osterinsel überall Stätten von hohem archäologischen Wert gibt. Parkwächter können solche Vorfälle nicht verhindern", sagte Regierungssprecherin Liliana Castro. Die Behörden würden die Statue in Augenschein nehmen, um Chancen für eine Reparatur auszuloten.

Die Statue gehört zu den rund 400 Figuren, die zum Teil mehr als 20 Meter hoch sind und von Ureinwohnern als Denkmal für verstorbene Vorfahren errichtet wurden. Die Moai waren auch nominiert für die neue Liste der sieben Weltwunder, die im vergangenen Jahr von einer unabhängigen Organisation aufgestellt wurde.

Auf der Osterinsel leben 3800 Menschen. Das Eiland, dessen Name wegen der beiden bewachsenen Riffe neben der Insel oft im Plural verwendet wird, liegt im Südpazifik rund 3700 Kilometer westlich von Chile. Das Land hatte die Osterinsel im 19. Jahrhundert annektiert.

reh/AP



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