Fotoserie aus Südafrika Der weiße Heiler

Der Südafrikaner Chris Reid arbeitete als Model, genoss jahrelang das Jetset-Leben. Doch dann ließ er alles hinter sich, um als traditioneller Heiler zu arbeiten. Eine deutsche Fotografin hat ihn in sein Dorf begleitet.

Von Stephan Orth


Der Mann trägt eine Art Wickelrock mit blauschwarzen Spiralmustern, ein Muscle Shirt und Armschmuck aus Ziegenfell. Über der Schulter hält er eine Peitsche und die bunte "Itshoba", eine Art Zauberstab, der aus dem Schwanz einer Kuh gemacht wurde. Chris Ntombemhlophe Reid, 50, wendet sich der Fotografin zu wie ein Model auf dem Laufsteg, mit erhobenem Kinn und selbstbewusstem Blick.

Die Pose beherrscht Reid noch, auch wenn Umgebung und Outfit weniger passen: In der grünen Steppe der Lusikisiki-Region arbeitet das ehemalige Model heute als Sangoma, als traditioneller Heiler.

Die Kölner Fotografin Corinna Kern erfuhr über Freunde von seinem ungewöhnlichen Werdegang und machte sich auf die Suche. "Seine Telefonnummer habe ich schließlich über ein Backpacker-Hostel herausbekommen, in dem er öfter untergekommen ist", berichtet sie. "Er hat mich dann sofort eingeladen, ihn in sein Dorf zu begleiten." Für mehrere Wochen lebte sie im Örtchen Mdakane in einer Lehmhütte, eineinhalb Stunden zu Fuß von der nächsten Straße entfernt.

Mehr als 200.000 traditionelle Heiler praktizieren noch heute in Südafrika, mehr als 60 Prozent der Einheimischen nutzen ihre Dienste, wenn sie gesundheitliche Beschwerden haben. Reid ist einer von wenigen hundert Weißen, die diesen Job betreiben dürfen. Nachdem er jahrelang als Model gearbeitet hatte, außerdem als Manager einer Pferderanch und als Unternehmer in einem Gartenbau-Unternehmen, stieg er einfach aus.

In Umzizwanga in der südafrikanischen Transkei-Region fand er seine "spirituelle Familie", die ihn zum Sangoma ausbildete, heute verbringt er die Hälfte des Jahres in Kapstadt und die andere Hälfte im Dorf Mdakane. Keine Elektrizitätsleitung führt dorthin, nur an einer Stelle gibt es Handyempfang, entsprechend liegen alle Mobiltelefone der Bewohner dort auf einem Haufen.

Ganz nah dran

Die 29-jährige Fotografin Kern konnte Reid in sein Dorf begleiten und bei dem Initiationsritual für eine junge Heilernovizin, eine "Thwasa", ganz nah dabei sein. "Dabei geht es darum, Kontakt zu den Vorfahren aufzunehmen und sie um Erlaubnis zu fragen, ob sie als Thwasa akzeptiert wird", sagt Kern. Nach der Zeremonie gehört sie zur gleichen spirituellen Familie wie ihr Mentor.

Der erste Teil des Rituals fand im Wald statt, wo die Novizin Guglethu Khumalo eine Krone aus Blättern erhielt. Dann ging sie allein in eine Hütte, um dort mehrere Stunden lang zu meditieren, bevor unter dem Gesang und Tanz der Besucher die Geister der Ahnen angerufen wurden. Khumalo atmete die Dämpfe von brennenden Heilkräutern ein, musste die Gallenblasen von einer Ziege und einem Huhn essen.

Kern, die 2013 ihren Master-Abschluss in Fotojournalismus an einer Londoner Uni machte, hat diese Rituale mit eindringlichen Bildern dokumentiert. "Ich bin dankbar dafür, dass ich etwas sehen durfte, was selbst viele Südafrikaner nie erleben", sagt die Kölnerin.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
cave_et_aude 28.07.2015
1. Joh...
....duerftig, sehr duerftig. Wie kam es zum Ausstieg? Wie strukturiert sich der Alltag? Wer ist der Betroffene? WARUM ist er die Haelfte des Jahres mal hier und mal dort? Gibt's noch wimeiterfuehrende Infos? Der obligatorisch eingestreute Aversionsfetzen in Form einer rituellen Speisung reisst's da nicht wirklich raus. Wenn ich mich nocht zusammenreisse, wird mein mikriger Kommentar hier laenger als der Artikel, fuer den besagte Fotografin lt. Klappentext wochenlang auf Knien durchs Unterholz schubberte. Kurz: Was soll das? Selbst ein knapper Absatz zur "Master-Fotografin" ist am Ende drin, da offenkundig der duerftige Rest nicht gereicht hat, um hier auf eine gewissen Mindest-Zeilenanzahl zu kommen! Waehrend und nach dem Konsum obiger Zeilen draengt sich sicher nicht nur bei mir die Frage auf: "Wozu?". Der Beitrag farblos. Der im Beitrag Beschriebene eine leere Huelle. Sein Umfeld ein weisses Blatt Papier. Ach ja... schoene Fotos gab's. Scheint zu reichen... mir nicht.
Oskar ist der Beste 28.07.2015
2. klasse
endlich einmal ein Weißer, der sich in die afrikanische Kultur "integriert".
Fait Accompli 28.07.2015
3. Aha...
Ex-Jetsetter auf Esoterik-Egotrip... Mit dem Essen von Gallenblasen wird man den Leuten nur leider nicht helfen können.
meinmein 28.07.2015
4. Ich habe viele Fragen:
Wo laden die ihre Akkus auf? Weshalb baut man ein Dorf eineinhalb Stunden von einer Straße entfernt? Oder wieso gibt es keine Straße zu dem Dorf? Südafrika ist doch ein modernes Land, es hat sogar die Fußball-WM ausgerichtet, und die war bestimmt ziemlich teuer. Danach wie die Heilmethoden funktionieren, will ich lieber nicht fragen. Ich fürchte, darauf gibt es keine vernünftige Antwort.
Olaf 28.07.2015
5.
Verstehe ich jetzt nicht ganz. Wo ist denn der Erlebnisbericht? Der Text hört einfach auf, gerade als es interessant wird.
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