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Tauchen vor Südafrika: Am Kap der Haie

Von Linus Geschke

Blauhai, Siebenkiemer, Weißer Hai - das Meer vor Südafrika ist reich an Raubfischen. Am Kap der Guten Hoffnung können Taucher den eleganten Jägern nahekommen. Doch das Treffen in der Tiefe zwischen riesigen Tangwäldern ist nichts für schwache Nerven.

Tauchen vor Kapstadt: Kleine Haie, große Haie Fotos
Tobias Friedrich

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Gegen die schroffe Küste klatschen die Wellen. Auf dem offenen Meer tragen ihre Kämme weiße Kronen. Der Himmel über Kapstadt zeigt schmutziges Grau, durch das nur ab und zu ein Sonnenstrahl dringt. Es ist einer jener Tage, die wie geschaffen sind für ein lauschiges Kaminfeuer und ein gutes Buch - an Tauchen denkt man dabei weniger.

Und so schrumpft die kleine Tauchgruppe, die ursprünglich aus acht Teilnehmern bestehen sollte, schon vor dem Aufbruch: Der Erste kapituliert angesichts des Seegangs, der Zweite beim Blick auf das kleine Schlauchboot, mit dem es aufs Meer hinausgeht.

Den Übriggebliebenen macht Bearnard Campbell bei der anschließenden Besprechung schnell klar, was Sache ist: "Das hier, Ladys and Gentlemen, ist kein Platz für Weicheier, für sonnenverwöhnte Warmwassertaucher", brummt der Tauchguide. "Kein Mensch kommt nach Kapstadt, um sich gemütlich an farbenprächtigen Riffs vorbeitragen zu lassen. Hierhin kommt man, um das wirklich große Zeug zu sehen - das Zeug, das auch beißen kann!"

Dann greift er tief in die Anekdotenkiste und erzählt von vorwitzigen Blauhaien, die schon mal an den Flossen der Taucher knabbern - denn sie hätten ja keine Arme, mit denen sie die fremden Wesen untersuchen könnten. Und der nächste Gast entscheidet sich, den Tag lieber an Land zu verbringen.

Wrackfriedhof am Meeresgrund

Campbell nennt diese Art der Motivation seine "natürliche Auslese". Wer jetzt schon Angst habe, könne unter Wasser beim Anblick eines Hais schnell in Panik geraten - und das ist das Einzige, was dem gebürtigen Schotten Angst macht: "Nicht der Hai bringt den Taucher um. Der Taucher bringt den Taucher um. Solange man entspannt bleibt und sich an die Regeln hält, ist das Tauchen mit Haien eine recht sichere Sache."

Bevor man nun lange überlegen kann, warum er vor der sicheren Sache ein "recht" gesetzt hat, geht es auch schon los. Zwei starke Außenbordmotoren peitschen das Schlauchboot durch die Brandung, und man hofft, schnell genug ins Wasser zu kommen, bevor der Mageninhalt seinen Weg nach oben findet.

Die Gegend rund um das Kap der Guten Hoffnung gilt Seefahrern seit jeher als eines der schwierigsten Gewässer der Welt. Hier am Südzipfel Afrikas, wo der Atlantik auf den Indischen Ozean trifft, ist der Meeresgrund zum Wrackfriedhof geworden. Doch Campbell hat heute keine der versunkenen Schiffsruinen auf dem Tourenplan. Während der Fahrt deutet sein Zeigefinger nach vorne, hin zum Partridge Point, einem Felsen in Küstennähe, von dem aus Seelöwen ins Meer springen. "Wisst ihr, was das ist?", fragt er seine Gäste. "Robben", sagt Celine, eine junge Französin. "Nein", sagt Campbell und lacht. "Das ist Nahrung - Nahrung für den großen Weißen!"

Kurz darauf ist das Boot am Pyramide Rock angekommen. Mit vier Gästen lässt sich Bearnard Campbell ins Wasser fallen. Die Französin bleibt an Bord, sie hat es sich im letzten Moment noch anders überlegt. Kalt ist das Wasser hier, lediglich zwölf Grad, und die Sichtweiten sind nicht überragend: Nach gut zehn Metern verschwimmt jede Kontur mit dem dunklen Grün. Mächtige Tangwälder erheben sich vom Meeresboden, ihre Blätter schwingen in der Strömung hin und her, es sieht aus wie in einem verwunschenen Märchenwald.

Kleine Haie, große Haie

Plötzlich schießen aus dem Grün dunkle Schatten auf die Taucher zu und drehen ab, kurz bevor es zur Kollision kommt. Seelöwen, nur neugierige Seelöwen, der Pulsschlag beruhigt sich langsam wieder. Campbell hält kurz inne und schaut sich um, als warte er auf etwas, das die anderen Taucher erst später sehen könnten.

Dann kommt der Hai. Es ist ein Puffotter-Katzenhai, und er ist nur 50 Zentimeter lang. Der scheue Winzling, dessen Körper mit orangefarbenen und weißen Flecken betupft ist, wendet wie ein Helikopter auf der Stelle und verschwindet wieder rasend schnell im schützenden Tang. Doch lange bleiben die Taucher nicht allein: Der nächste Hai nähert sich, und diesmal ist es ein anderes Kaliber.

Der Breitnasen-Siebenkiemerhai hat nicht nur einen sonderlichen Namen, er sieht auch genauso aus: skurril, altertümlich, wie ein lebendes Fossil. Ganz langsam zieht er an der Tauchgruppe vorbei, dann folgt ein zweites Exemplar, ein drittes. Wer diese bis zu drei Meter großen Haie sieht, mag kaum glauben, dass manche Experten sie als "potentiell gefährlich" einstufen.

Auch einer der Taucher lässt sich von der Optik täuschen und versucht, den Hai an seiner Unterseite zu streicheln. Das ist nicht ganz ungefährlich - weniger wegen des Hais als wegen Campbell, der bei so viel Unvernunft unter Wasser fast einen Tobsuchtsanfall bekommt.

Fast eine Dreiviertelstunde verbringt die Gruppe noch bei den Siebenkiemern, dann geht der Luftvorrat langsam zur Neige. Die Taucher verlassen den Märchenwald und steigen hoch, hinauf zum grauen Himmel über dem Kap.

Respekt vor dem Raubfisch

Und die Weißen Haie? Wenn man rund um Kapstadt tauchen geht, so erzählt Campbell auf der Rückfahrt, seien sie immer in der Nähe, obwohl man sie nur selten sehe. Außer auf Touren, bei denen die Tiere angefüttert werden, während man selber sicher in einem Käfig steht. Der erfahrene Taucher ist kein Freund solcher Touren: "Ich mag das nicht und auch nicht die Fotos, die dabei entstehen und bei denen der Hai oftmals mit aufgerissenem Maul in die Käfigstäbe beißt. Die dienen doch nur dazu, das völlig falsche Bild einer Bestie zu fördern."

Wenn Campbell dagegen einen Weißen Hai sieht, ist es immer Zufall. Es sind ungeplante Begegnungen, bei denen sich das Tier auch völlig anders verhält, als wenn gleichzeitig Futter im Wasser wäre. Scheu, meint der erfahrene Tauchguide, fast schon schüchtern würde der große Räuber dann wirken. Weiße Haie, die aus dem Nichts heraus einen Taucher attackieren? So etwas habe er noch nicht erlebt.

Ob Blauhai, Siebenkiemer oder Weißer Hai: Für Campbell sind dies lediglich große Raubfische, denen er mit Respekt begegnet, aber keine Monster. Eine Bedrohung sieht er in ihnen nicht: "Es ist ja nicht so, als würden sich die Haie aus dem Meer erheben, in unseren Lebensraum eindringen und uns angreifen. Wir sind es, die den Lebensraum des Haies aufsuchen. Dass uns ein solches Spitzenraubtier darin überhaupt duldet und maximal gleichgültig bis leicht neugierig reagiert, ist vielleicht die beeindruckendste Erkenntnis, die ein solcher Tauchgang vermittelt."

Celine nickt: Morgen, sagt sie, morgen will sie mutiger sein und es auch wagen. Zumindest wenn die Sonne scheint.

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1.
Hans58 04.10.2012
Zitat von sysopTobias FriedrichBlauhai, Siebenkiemer, Weißer Hai - das Meer vor Südafrika ist reich an Raubfischen. Am Kap der Guten Hoffnung können Taucher den eleganten Jägern nahe kommen. Doch das Treffen in der Tiefe zwischen riesigen Tangwäldern ist nichts für schwache Nerven. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/suedafrika-tauchen-mit-haien-am-kap-der-guten-hoffnung-a-858409.html
Am Kap der Guten Hoffnung treffen - anders als der Bericht es beschreibt - der Indische Ozean und der Atlantik nicht zusammen. Das "Treffen" findet am Cap Agulhas (Nadelkap) statt, das rund 250 km südwestlich von Kapstadt entfernt liegt
2. Artikel trifft es!
Hiddensee65 04.10.2012
Zitat von Hans58Am Kap der Guten Hoffnung treffen - anders als der Bericht es beschreibt - der Indische Ozean und der Atlantik nicht zusammen. Das "Treffen" findet am Cap Agulhas (Nadelkap) statt, das rund 250 km südwestlich von Kapstadt entfernt liegt
Schöner Bericht, der das Tauchen mit Haien gut beschreibt. Ich war bereits dreimal in Südafrika und habe jede Menge Haie gesehen: Natürlich muss man aufpassen und sich an die Regeln halten, aber aggressiv sind diese Tiere nicht! Wer jetzt nach Südafrika will, sollte den ersten Teil des Berichtes aber ernst nehmen: Die Bedingungen dort sind wirklich was rauer. Unerfahrene Taucher, die nur den heimischen See oder das Rote Meer kennen, fühlen sich schnell überfordert, selbst oft erlebt... Bevor man meckert, erstmal richtig lesen: Im Bericht steht "in der Gegend rund um das Kap der Guten Hoffnung"...und das stimmt: Es ist auch nicht ein einzelner, genau zu benennder Punkt, wo sich die Meere vermischen. Das zieht sich über hunderte Kilometer!
3.
trinityguildhall 04.10.2012
Zitat von Hans58Am Kap der Guten Hoffnung treffen - anders als der Bericht es beschreibt - der Indische Ozean und der Atlantik nicht zusammen. Das "Treffen" findet am Cap Agulhas (Nadelkap) statt, das rund 250 km südwestlich von Kapstadt entfernt liegt
Der suedlichste Punkt Afrikas ist zwar tatsaechlich am Cape Agulhas und nicht am Cape of Good Hope. Letztendlich ist die Aussage nicht korrekt da es sich um grosse Ozeane handelt und diese schon mal gar an einem geographischen Punkt zusamment treffen. So ist zum Beispiel die Wassertemperatur westlich von Kapstadt viel niedriger als in der False Bay oestlich von Kapstadt. Dies zeigt dass sich die Ozeane viel weitlaeufiger vermischen.
4. Nix Titel
CMH 04.10.2012
Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Hai-Sichtungen beim Tauchgang sind immer ein absolutes HAI-Light. Südafrika kenne ich zwar noch nicht, dafür aber die Cocos Islands (Costa Rica) mit Hammerhaischulen von 30-40 Tieren. Einfach grandios! Beeindruckend ist es auch immer, wenn man auf Haie trifft mit denen man gar nicht gerechnet hat. So ging es mir 2008 beim Wrack-Tauchen in Schottland. Raue See, saukalt, schlechte Sicht und gerade beim Abtauchen zu einem alten Frachter. Man rechnet da ja mit allem, aber nicht damit, dass einem zu allererst ein fetter Heringshai vor die Linse schwimmt :-) Schon hat sich der Urlaub gelohnt.
5. Cap Agulhas
chrismuc2011 04.10.2012
Cap Agulhas ist der südlichste Punkt Afrikas und liegt ca 250km südöstlich und nicht südwestlich von Cape Town oder dem Cap entfernt. Im Übrigen vermischt sich in der Gegend zwischen dem Cap Agulhas und dem Cap der guten Hoffnung nicht nur der Indische Ozean mit dem Atlantik, es kommen noch kalte Atlantik Meeresströmungen aus Richtung der Antarktis dazu. Dies hat trinityguildhall schon richtig beschrieben.
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