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Safaris in Südafrika und Botswana: Die Schlacht um das Horn

Von Winfried Schumacher

Südafrika und Botswana: Der Kampf um die Nashörner Fotos
Win Schumacher

In Südafrika tobt ein erbitterter Kampf um die Nashörner. Die Zahl der gewilderten Tiere steigt dramatisch. Auch Gäste-Lodges und ihre Ranger setzten sich für die grauen Riesen ein - und hoffen auf Touristen als Botschafter

"Wir sind in einem Buschkrieg", sagt Conraad de Rosner. "Unsere Feinde fürchten uns." Der Ranger hat das Gewehr eng an den Körper gezogen, mit der anderen Hand hält er einen keifenden Weimaraner-Rüden an der Leine. Mit seinem Militär-Kurzhaarschnitt sieht De Rosner aus wie ein Fremdenlegionär, der sich in der afrikanischen Savanne verirrt hat.

In der Steppe ringsum scheint alles ruhig. In einiger Entfernung grasen ein paar Antilopen, nicht weit davon zwei Breitmaulnashörner. De Rosners Feinde sind keine fremden Milizen. Er ist auf der Jagd nach Wilderern. Und die sind hier in Südafrika, im privaten Sabi-Sand-Reservat an der Grenze zum Kruger-Nationalpark, nicht weniger gefährlich.

85 Prozent aller Nashörner leben im Kruger-Nationalpark und den Schutzgebieten ringsum - und wenn die Wilderei weiter fortschreitet, ist der Fortbestand ihrer Arten gefährdet. In Südafrika ist die Zahl der getöteten Nashörner in den letzten Jahren dramatisch angestiegen: Im Jahr 2007 waren es nur 13, 2013 insgesamt 1004, im letzten Halbjahr waren es jeden Monat bis zu 100.

Naturschützer und Umweltaktivisten sprechen längst von einem Krieg um das Horn, das in China und Vietnam traditionell als Wundermedizin und Potenzmittel gilt. "Ich war in vielen gefährlichen Situationen", sagt De Rosner. "Wenn wir auf bewaffnete Personen treffen, schießen wir auch zur Selbstverteidigung."

Seine Antiwilderer-Einheit K9 Conservation überwacht vor allem das Gebiet um die Singita Lodge im Sabi-Sand-Reservat. "Seit sich die Präsenz unserer Truppe herumgesprochen hat, trauen sich die Wilderer nicht mehr in die Region", sagt De Rosner, woanders bleiben sie aktiv.

Nashornkalb mit großer Neugier

Am frühen Morgen weiter südlich, im Kirkman's Kamp, ebenfalls im Sabi-Sand-Reserve: Brett Devitt bricht mit Gästen zu einer Pirschfahrt auf, sie sind vor allem wegen der Nashörner hierher gereist. "Noch kommen kaum Wilderer in die Region, aber das wird sich ändern", sagt Devitt und steuert den Geländewagen in ein trockenes Flussbett.

Eine Nashornkuh mit ihrem Kalb steht hinter einer Buschgruppe und beäugt neugierig das Gefährt. Das Junge stürmt vorwitzig auf den Wagen zu und wirbelt eine Staubwolke auf. "Es kann nicht älter als ein paar Wochen sein", flüstert Devitt. "Auch die Mutter ist ungewöhnlich gelassen. Diese Tiere haben wohl nie einen Wilderer gesehen." Bis jetzt.

"Als ich mein erstes getötetes Nashorn sah, wusste ich, ich muss etwas tun", sagt Lee-Anne Davis. Die Rangerin des Ngala Private Game Reserve, das innerhalb des Kruger-Nationalparks liegt, sitzt auf der Terrasse eines Gäste-Camps. Sie zeigt auf ihrem Laptop ein Video von einem blutüberströmten Nashorn, das sie aus einem Helikopter aufgenommen hat. Mit letzter Kraft hebt das Tier den soeben skalpierten Kopf.

"Es hatte keine Überlebenschance", sagt Davis. "Das passiert derzeit dreimal täglich. Durch das Loch im Schädel kann man manchmal die Zunge sehen. Viele Tiere überleben den Wahnsinn noch für Stunden." Die Rangerin hat 2012 die Kampagne "Our Horn is no medicine" ins Leben gerufen. Ihr Video hat sie auf Mandarin und Vietnamesisch übersetzen lassen, auf YouTube hochgeladen und hofft, dass sich ihre Botschaft auch in Asien verbreitet. "Es ist ein organisiertes Verbrechen. Diese Typen haben zu viel Geld. Sie haben sogar ihre eigenen Hubschrauber."

Mit Drohnen auf Wilderer-Jagd

Davis und andere Ranger sammeln Spenden mit ihrer Kampagne. "Wir brauchen mehr Geld für Antiwilderer-Einheiten und vor allem Aufklärungskampagnen in den Schulen ringsum die Schutzgebiete", sagt sie, "und wir müssen Druck auf die Politiker machen. Es kann nicht sein, dass Großwildjäger in Südafrika immer noch legal Breitmaulnashörner, Leoparden und Löwen schießen können."

Immerhin werden inzwischen drastische Maßnahmen getroffen, um die Nashörner zu schützen und Wilderer zu verfolgen. Drohnen sind über dem Sabi-Sand-Reservat im Einsatz, Helikopter und modernste Militärtechnik. In manchen Schutzgebieten hat man den Tieren die Hörner entfernt, in anderen mit speziellen Giftstoffen versetzt, um den illegalen Handel zu stoppen. Unter Naturschützern wird nun auch diskutiert, den Markt zu legalisieren, um die Situation unter staatliche Kontrolle zu bringen.

"Ich denke es ist wert, darüber nachzudenken", sagt Davis, "einfach nur deshalb, weil alles andere bisher nicht funktioniert hat." Theoretisch ließen sich Nashörner auf Farmen züchten, um dann den Tieren ihre nachwachsenden Hörner abzunehmen. "Es ist bewiesen, dass der Stoff keine Wirkung hat", sagt Davis, "aber leider kann man Religion und Tradition nicht mit wissenschaftlichen Argumenten bekämpfen."

Davis setzt auf Touristen als Botschafter. "Tourismus bringt Geld, und wer einmal ein Nashorn in seiner natürlichen Umgebung beobachtet hat, ist eher bereit, zu spenden." Ihr nächstes Projekt: etwa hundert Nashörner ins sicherere Botswana umzusiedeln. Dort haben die Luxus-Lodge-Betreiber Andbeyond und Wilderness Safaris bereits vor Jahren damit begonnen, Tiere aus Südafrika im Okavango-Delta auszusetzen.

"Ansiedlung der Breitmaulnashörner ist unglaublicher Erfolg"

In Botswana wacht der Präsident persönlich über die Nashörner und begibt sich hin und wieder selbst auf Pirschfahrt, um den Schutz der Tiere zu überprüfen. Auf Nashornwilderei stehen hier 15 Jahre Gefängnisstrafe. Selbst das Militär des Landes patrouilliert mit Armeefahrzeugen und Hubschraubern eigens für die Nashörner.

Im Okavango-Delta wurden seit 2001 zahlreiche Breit- und Spitzmaulnashörner wiedereingeführt, seitdem hat sich der Bestand verdoppelt. "Ich kannte Nashörner nur aus den Erzählungen meines Großvaters", sagt Oganeditse Sefo. "Sie waren hier schon vor Jahrzehnten ausgerottet." Der botswanische Ranger ist mit vier Besuchern der Mombo Lodge im Moremi Game Reserve zu einer Safari aufgebrochen. "Mit viel Glück kann man hier Breit- und Spitzmaulnashörner auf einer Fahrt beobachten", sagt Sefo. "Das ist einzigartig in Botswana."

"Die Ansiedlung der Breitmaulnashörner ist ein unglaublicher Erfolg", sagt Kai Collins. Der Zoologe betreut das Artenschutzprogramm von Wilderness Safaris. "Nun kommt es darauf an, dass es auch mit den Spitzmaulnashörnern klappt. Und die Chancen stehen gut." Im Kerngebiet des Deltas habe man bisher noch keine Nashörner an Wilderer verloren. Die Voraussetzungen seien gut, dass die Tiere hier auch weiterhin gut geschützt sind. Vielleicht wird man irgendwann einmal aus Botswana Nashörner zurück nach Südafrika ausfliegen müssen.

"2009 starb das Vietnamesische Nashorn aus, vom Sumatra-Nashorn gibt es vielleicht noch 200", sagt Lee-Anne Davis. "Die Zahlen sind auch in Afrika furchtbar." Dennoch ist die Aktivistin optimistisch. "Wir müssen die Schlacht gewinnen! Wir werden nicht zulassen, dass unsere Enkel Nashörner nur noch aus Erzählungen kennen."


Information:

In Südafrika stehen die Chancen, Nashörner in freier Wildbahn zu beobachten, besonders gut im Sabi-Sand-Reservat westlich des Krüger-Nationalparks. In einigen Lodges wie Kirkman's Kamp, Ngala Tented Camp, Singita und Bolders Lodge bemüht man sich besonders um ihren Schutz.

In Botswana war die Mombo-Lodge von Wilderness Safaris Vorreiter bei der Wiederansiedlung von Spitz- und Breitmaulnashörnern in Botswanas Okavangodelta. Inzwischen lebt in der Umgebung wieder eine größere Population.

Anreise: South African Airways fliegt nonstop und über Nacht von Frankfurt, München und London nach Johannesburg. Ethiopian Airlines fliegt von Frankfurt über Addis Abeba nach Johannesburg. Von dort kommt man per Charter oder Leihwagen ins Sabi-Sand-Reservat. Air Botswana verbindet Johannesburg mit Maun im Süden des Okavangos. Botswana-Spezialisten wie Wilderness Safaris organisieren Charterflüge ins Delta.

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1. Mehr finanzielle Unterstützung
Alex8 05.08.2014
Die Zeit drängt. Das gilt sowohl für bedrohte Tierarten als auch für die Lebensräume. Ich erwarte vom Westen, dass er endlich massiv finanzielle Unterstützung leistet. Aber stattdessen wird mit nicht zu Ende gedachten Ernährungsprojekten eher noch die zunehmende Überbevölkerung in Afrika und Asien gefördert. Dies wiederum schadet direkt der Umwelt und den Tieren, da sich die Menschen auf diesen Kontinenten immer weiter in die Lebensräume der Tiere ausbreiten und diese verdrängen. Wenn dieser Planet auch in 50 oder 100 Jahren noch schön und lebenswert sein soll, muss komplett umgedacht werden. Die Erde braucht weniger Menschen und mehr wilde Tiere. Weniger Monokulturen, mehr Wälder und Wildnis. Wie? Schwierig. Aber im Zweifel sollte der Erhalt der natürlichen Lebensräume priorität haben. Auch wenn dies für einzelne Menschen in den betreffenden Gebieten nachteilig ist. Der Erhalt des (Öko-)Systems ist hier gezwungenermaßen höher zu gewichten als der einzelne Mensch. Denn davon gibt es nun einmal schon jetzt mehr als dieser Planet vertragen kann.
2.
a-mole 05.08.2014
ich finde es gut wenn Tier- und Naturschutz militarisiert wird. Potenzprobleme können auch anders gelöst werden
3. Wenn es gelingt ....
ugt 05.08.2014
... die Wilderer in den Naturschutz einzubinden dürfte das erfolgversprechender sein. Ja, zu bewaffneten Wildhütern und zur Not auch Militärs mit ihrer Technik. ( Hubschrauber, Flugzeuge usw.) Aber man muss den Menschen dort auch eine Alternative bieten. Im Kongo hat man es zum Teil erfolgreich geschafft aus Wildern Guides für Touristen zu machen. Die Familien haben ein Auskommen bis hin zu einem bescheidenen Luxus.
4. Nicht nur die Wilderer bestrafen!
Alex8 05.08.2014
Auch die Käufer von Elfenbein, Nashornpulver und sonstigem asiatischen Nonsens müssen drakonisch bestraft werden. Ebenso wie die Neureichen, die bedrohte Tierarten zur Delikatesse erheben. Wer für den Verzehr eines solchen Produkts für 10 Jahre einwandert, überlegt sich beim nächsten Mal, ob es das wert ist. Abschreckung ist hier der Schlüssel. Und wenn die Länder (wie hier China und Vietnam) dies nicht umsetzen, muss der Westen sie sanktionieren. Dann muss es eben finanziell weh tun, damit sie endlich lernen, dass man eben nicht alles fressen muss, was nicht schnell genug wegläuft oder -schwimmt.
5. Nicht nur die Wilderer bestrafen!
Alex8 05.08.2014
Auch die Käufer von Elfenbein, Nashornpulver und sonstigem asiatischen Nonsens müssen drakonisch bestraft werden. Ebenso wie die Neureichen, die bedrohte Tierarten zur Delikatesse erheben. Wer für den Verzehr eines solchen Produkts für 10 Jahre einwandert, überlegt sich beim nächsten Mal, ob es das wert ist. Abschreckung ist hier der Schlüssel. Und wenn die Länder (wie hier China und Vietnam) dies nicht umsetzen, muss der Westen sie sanktionieren. Dann muss es eben finanziell weh tun, damit sie endlich lernen, dass man eben nicht alles fressen muss, was nicht schnell genug wegläuft oder -schwimmt.
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