Südsee-Kreuzfahrt auf dem Frachter Mit dem Seebär auf Du und Du

Korallenriffe, Kultstätten und klönen mit den Matrosen: In Französisch-Polynesien können Touristen auf einem Frachter durch die Südsee schippern. Von einer herkömmlichen Kreuzfahrt unterscheidet sich das Cargo-Abenteuer nicht nur in Sachen Kleiderordnung.

dapd

Gut verpackt in Sonnenschutz und Rettungswesten steht die Ausflugsgruppe startbereit am Ausstiegsdeck des Schiffs und beobachtet gespannt, wie zehn Meter tiefer ein kleines Beiboot mit Zement beladen wird. Der Palettenstapel wächst bedrohlich: noch eine Schubkarre oben drauf. Daneben ein paar Säcke, Kisten, Blumentöpfe. Und ab geht die Wackelfuhre - ohne umzukippen. Die Gäste sind begeistert.

"In Französisch-Polynesien ist vieles machbar, was anderswo unmöglich wäre", sagt Jörg Somann, der sympathische Guide aus Erfurt, Jahrgang 1971. Seit vier Jahren fährt der gelernte Hotelfachmann auf der "MS Aranui 3" und könnte sich nichts Besseres denken. "Ich mag die Ruhe und Gelassenheit, mit der hier alles passiert und von der man unwillkürlich angesteckt wird", sagt der Wahl-Polynesier. Doch er muss zugeben: "Manches funktioniert dafür überhaupt nicht - zum Beispiel, sich mal schnell von hier nach da zu bewegen."

Autos, Lebensmittel und Touristen an Bord

Denn das Überseeland im Pazifik, das von Paris regiert wird, besteht aus 130 Inseln und Atollen, die auf vier Millionen Quadratkilometer verstreut sind. Deshalb braucht es mobile Helfer wie die "Aranui" - ein Fracht- und Passagierschiff, das alle drei Wochen von der Hauptstadt Papeete auf Tahiti zu den abgelegenen Marquesas und zurück fährt. Dabei werden nicht nur Baumaterial und Lebensmittel, Autos und Benzin transportiert, sondern auch Touristen.

Jeweils bis zu 198 Reisende aus aller Welt, unter ihnen immer mehr aus Deutschland, erfüllen sich mit dieser 13-tägigen Kreuzfahrt einen Südseetraum. Damit sich die lange Anreise lohnt - deutsche Touristen sind etwa 27 Stunden unterwegs -, verbringen die meisten vor oder nach der Schiffsreise ein paar Tage auf Tahiti, Moorea oder Bora Bora.

Der Südseetraum beginnt dann in Blau-Weiß-Grün. Es sind die Farben von Fakarava, dem zweitgrößten Atoll im Tuamotu-Archipel, an dem die "Aranui" am zweiten Tag vor Anker liegt. Endlich geht es in die Boote! Jenseits der Lagune warten Korallenriffe, Palmenstrände und Rotoava, das Dorf der Schwarzen Königsperlen.

Wilder Zauber des Archipels

Nach einem ganzen Tag auf See erreicht das Schiff dann die Marquesas-Inseln, Gipfel eines gewaltigen Ozeangebirges. Nirgendwo sonst auf der Welt ist man so weit von den Kontinenten entfernt wie hier, 1.600 Kilometer nordöstlich von Tahiti. Wie riesige Sandkleckerburgen ragen die bizarren Felsentürme des Archipels aus dem Dickicht der Bergregenwälder. Vulkangeboren und von tropischer Sonne verwöhnt, vereinen die zwölf Inseln atemberaubend schöne Natur mit der farbenprächtig-exotischen Kultur voller Mystik und Leidenschaft. Ihr wilder Zauber nahm schon Abenteurer wie Thor Heyerdahl und Künstler wie Hermann Melville, Paul Gauguin oder Jaques Brel gefangen. Für die Gäste der "Aranui" heißt es nun täglich "Land in Sicht!" und "Fertigmachen zum Landgang!". Der beginnt auf jeder Insel mit Blumen, Liedern, Tanz und Trommelklang.

Auf Ua Pou und Fatu Hiva führt die Wanderung durch ausgedehnte Lavaberge, auf Tahuata über dunklen Sand. Und auf Hiva Oa und Nuku Hiva gibt es über 2000 Jahre alte Kultstätten zu entdecken - steinerne Zeugen vieler Epochen wie überlebensgroße Tiki-Figuren, Opfersteine und Tätowiertische, aber auch riesige Banyan-Bäume, zwischen deren Luftwurzeln Tote bestattet wurden. Während fast der ganze Archipel von Pflanzen überwuchert ist, besticht das regenarme Ua Huka durch karge Schönheit - mit einer überwiegend trockenen Landschaft und kahlen Felsen, die von unzähligen Vögeln bewohnt werden.

Schlafsaal und Deluxe-Kabinen

Rechtzeitig zum "Sundowner" sind alle wieder an Bord des gemütlichen Südseekreuzers, dessen Vorgänger noch ein reiner Stückgutfrachter war. Die 2002 gebaute, dritte Ausgabe verfügt neben einem 20-Betten-Schlafsaal über 86 Passagierkabinen, darunter Suiten und Deluxe-Varianten. Ein internationales Küchenteam sorgt für ein anspruchsvolles Speisenangebot im Restaurant.

Von einem herkömmlichen Kreuzfahrtschiff mit Tisch- und Anzugsordnung ist der familiär-legere Pazifikdampfer allerdings weit entfernt. Personal und Gäste tragen Freizeit-Look. Abends klönt man in der Bar auch mit Matrosen oder fischt und grillt mit ihnen auf dem Unterdeck. Abenteuer mit Komfort - für viele Reisende ist das der wahre Luxus.

Carsten Heinke, dapd



insgesamt 13 Beiträge
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Dominik Menakker, 24.07.2011
1. Kein Titel
Südseekreuzfahrt ohne Zappelhansibespasser, schwarzes Affenkostüm und Propeller am Hals. Hört sich Megagenial an
derma50 24.07.2011
2. Stammdaten für diese Reise ?
Dank für diesen kurzen, aber informativen Bericht und die eindrücklichen Fotos. Fragen: 1. Ansprechpartner/Reisebüro oder individuell planen ? 2. Wie gelingt die Buchung für den Frachter ? 3. Beste Reisezeit ? Danke für die Bemühungen und einen schönen Sonntag. Mathias
Allegorius 24.07.2011
3. Korrektur
"Mit dem SeebärEN auf Du und Du" Danke.
riankail 24.07.2011
4. Mr. google hilft ;-)
Zitat von derma50Dank für diesen kurzen, aber informativen Bericht und die eindrücklichen Fotos. Fragen: 1. Ansprechpartner/Reisebüro oder individuell planen ? 2. Wie gelingt die Buchung für den Frachter ? 3. Beste Reisezeit ? Danke für die Bemühungen und einen schönen Sonntag. Mathias
Hi, habe das beim googlen gefunden: Zu dem im Artikel genannten Frachtschiff: http://www.tahiti-evasion.de/kreuzfahrten/kreuzfahrt_aranui3.php http://www.aranui3.com/ Frachtschiffkreuzfahrten allgemein: LG http://www.frachtschiff-reisen.net/
earl grey 24.07.2011
5. Einige Daten
Zitat von derma50Dank für diesen kurzen, aber informativen Bericht und die eindrücklichen Fotos. Fragen: 1. Ansprechpartner/Reisebüro oder individuell planen ? 2. Wie gelingt die Buchung für den Frachter ? 3. Beste Reisezeit ? Danke für die Bemühungen und einen schönen Sonntag. Mathias
1. Individuell, ein Reisebüro macht das bei einer solchen Reise auch nicht anders, schlägt aber logischerweise etwas drauf. Macht vielleicht aber trotzdem Sinn, denn zu der Reise gehört nicht nur die Schifffahrt, sondern auch der Flug, Zwischenübernachtungen vor/nach der Schiffsreise usw.; wem das alles zuviel Arbeit ist oder wer da unsicher ist (alles läuft auf Englisch ab), für den ist ein Reisebüro keine schlechte Erfindung 2. Direkt, die Aranui III hat eine eigene Internetseite (http://www.aranui.com/) Hier gibt es eine deutsche Broschüre: http://www.aranui.com/brochure/aranui_german.pdf 3. Günstig: Mai bis Oktober 20–30°C. Immer schwül, jedoch erfrischende Brise vom Meer. Juli/August ist Hochsaison. Schlecht: November bis April. Sehr feucht, schwül. Luftfeuchtigkeit bis über 90%. Zeit der Wirbelstürme, vor allem im Südwestpazifik. Häufig bedeckt.
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