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Fotoreise ins Mini-Sultanat: Der Teufel steckt in Brunei

Sultanat Brunei: Goldene Moscheen und Stelzendörfer Fotos
Olaf Schuelke

Das Sultanat Brunei ist bekannt für seinen enormen Ölreichtum, Touristen aber verirren sich selten in den Ministaat auf Borneo. Olaf Schuelke hat den Prunk der Monarchie fotografiert - und den Alltag in den Stelzendörfern.

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Doppelt so groß wie das Saarland, aber nur halb so viele Einwohner: Das ist Brunei, eine Monarchie auf Borneo im Südchinesischen Meer. Seitdem 1929 die erste Ölquelle entdeckt war, sprudeln die Einkünfte in die Kassen des Sultans. 200.000 Quadratmeter groß ist sein Palast mit insgesamt 1788 Zimmern, fünf Schwimmbädern und einer Privatmoschee.

So prunkvoll der Herrscher lebt, so einfach ist der Alltag der Einwohner seines Sultanats geblieben - auch wenn sie keine Steuern, Schul- oder Krankenkassengebühren zahlen müssen. "Trotz des relativ hohen Pro-Kopf-Einkommens von über 30.000 Euro im Jahr macht die Hauptstadt Bandar Seri Begawan einen bisweilen verarmten Eindruck", sagt der deutsche Architekt und Fotograf Olaf Schuelke. Die Überlandstraßen seien vernachlässigt wie in asiatischen Drittwelt-Ländern.

Die Hauptstadt des Ministaats sei mit anderen südostasiatischen Metropolen wie Bangkok, Jakarta, oder Kuala Lumpur nicht einmal ansatzweise zu vergleichen, sagt Schuelke, der zurzeit in Singapur wohnt und Brunei vor kurzem porträtiert hat. "Bandar Seri Begawan ist ein vor Langeweile strotzendes Nest, in dem nach Sonnenuntergang die Bürgersteige hochgeklappt werden." Nachtleben oder sonstige Unterhaltung finde höchstens geheim und hinter verschlossenen Türen statt.

Drachen und Teufelsmaske

Einer der Gründe dafür ist, dass in Brunei der Islam wesentlich strenger praktiziert wird als im Nachbarland Malaysia. Im Sultanat gilt seit der Unabhängigkeit von Großbritannien vor über 30 Jahren das Scharia-Gesetz. Im vergangenen Jahr wurde es verschärft, künftig sollen etwa auch Ehebruch und Homosexualität mit der Todesstrafe durch Steinigung bestraft werden. Ein erdrückender Schirm aus Religion schwebe über der Hauptstadt, beschreibt Schuelke seine Eindrücke, er lähme das öffentliche Leben.

Dem Fotografen fiel dennoch die allgemeine Freundlichkeit der Bruneier auf - vom Taxifahrer über Hotelangestellte bis zu Dorfbewohnern: Die Menschen "machten trotz einfacher Verhältnisse nicht den Eindruck, als würde es ihnen schlecht gehen und als seien sie mit ihrer Lebenssituation unzufrieden".

Touristen besuchen das in zwei Teile geteilte Brunei eher als Ausflugsziel von Malaysia aus und dann vor allem die Hauptstadt. Beliebt ist bei ihnen das Wasserdorf Kampong Ayer, ein Gebiet aus 42 Dörfern am Brunei-Fluss, in denen rund 40.000 Menschen in Pfahlbauten leben. "Es wird gerne als Venedig des Ostens bezeichnet", sagt der Fotograf. Es sei das ärmste Viertel der Hauptstadt, aber auch das interessanteste.

Fotograf Olaf Schuelke: Der studierte Architekt lebt in Singapur Zur Großansicht
Olaf Schuelke

Fotograf Olaf Schuelke: Der studierte Architekt lebt in Singapur

"Von außen betrachtet, machen die einfachen Pfahlbauten einen heruntergekommenen Eindruck," sagt Schuelke, "ihr Inneres aber unterscheidet sich kaum von solchen auf festem Boden: Flachbildschirme, Sofas, Stühle, Tische und Küchen." Auch Läden, Restaurants, Schulen, Moscheen und ein Krankenhaus gibt es in den Stelzendörfern. Die Kinder lassen Drachen steigen oder fahren mit ihren Fahrrädern auf den Holzplanken um die Wette.

Dort hat Schuelke auch sein Lieblingsbild aufgenommen, das zwei Kinder mit einer Teufelsmaske zeigt. "Ich mag solche spontanen Fotos", sagt er. "Die beiden spielten zusammen auf der Terrasse eines der Stelzenhäuser, während die Mutter des einen Kindes nebenbei grillte. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort - in der Straßenfotografie spielen Glück und Zufall einfach eine wesentliche Rolle."

abl

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insgesamt 10 Beiträge
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    Seite 1    
1. Armenviertel
xmyrxn 17.09.2015
Ich habe das Land 1996 besucht und finde den Begriff Armenviertel sehr unpassend. Mehrfach gab es konkrete Überlegungen zur Umsiedlung der Menschen vom Kampong Ayer aufs Festland, die von den Bewohnern abgelehnt wurden! Dort zu leben stellt kein "Armutszeugnis" dar sondern Traditionsbewusstsein (und damit einen gewissen Reichtum). Als ich Brunei besuchte, bin ich bewusst als Tramper gereist, um Land und Leute näher kennenzulernen. Ich erinnere mich an die Fahrt mit einem Mittzwanziger, der mir adrett im Anzug gekleidet, in seinem 5er BMW erklärte, er wohne im Wasserdorf. Am Ufer gab es Parkplätze und mit dem Motorboot geht es dann nach Haus. Wie im Beitrag beschrieben, mangelt es auch dort an nichts. Strom, sauberes Wasser und TV waren damals 1996 so selbstverständlich wie heute vmtl. Internet und Mobilfunkempfang. Mit Armut hat das wenig zu tun. Übringens baumelte am Rückspiegel des BMW ein Haschblatt... ob das bei der heute strengeren Islamauslegung noch da hängen würde, vermag ich allerdings nicht zu sagen.
2. Brunei
wejders 17.09.2015
Olaf Schuelke hat den Prunk der Monarchie fotografiert ,die Bildern das ist doch vera....g. Brunei ist viel hübscher als uns der Hr. fotografiert hat,
3. Ein Palast mit 1788 Zimmern
Khaled 17.09.2015
und nur fünf Badezimmern! Also müssen sich wohl alle Besucher und Bediensteten vier Bäder teilen, da der Sultan zweifellos eines für sich allein beanspruchen wird.
4. Bildunterschrift
rainer_daeschler 17.09.2015
"Fotograf Olaf Schuelke: Der studierte Architekt lebt in Singapur" Das Bild zeigt ihn übrigens nicht in Singapur, denn im Hintergrund wird dem Genossen Kim Jong-un ein langes Leben gewünscht.
5. @Khaled
clararu 17.09.2015
5 Schwimmbäder; nicht etwa 5 Badezimmer!
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