Verrücktes Hostel in Asien: Hippie im Taka-Tuka-Land

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Zimmer mit Rockstar- oder Piraten-Thema, Raumdeko aus Elektroschrott: Die Takatuka Lodge ist das verrückteste Hostel der Philippinen. Der Schweizer Betreiber hat sich hier einen Traum erfüllt - und hat großen Spaß daran, die Gäste mit Suchspielen zu verwirren.

Takatuka Lodge: Hostel mit Kreativ-Einrichtung Fotos
Takatuka Lodge

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Das Licht kommt von überall her, wo man es nicht vermutet: aus Bierkrügen, Videokameras, Fußbällen, alten Konservendosen und bunten Tretautos, die von der Decke baumeln. Doch viel schwieriger ist es, das Licht überhaupt anzuknipsen, denn Karl-Heinz Kalitta hat die dazugehörigen Schalter mit beinahe diabolischer Akribie versteckt: Mal muss man den Knopf einer in die Wand integrierten Bohrmaschine drücken oder einen elektrischen Damenrasierer einschalten. Dann wieder gilt es, das Rotorblatt einer kleinen Kreissäge ganz langsam zu drehen. "Klack", und schon wird es hell.

Das sind, zumindest für einen Hotelmanager, ziemlich untypische Schikanen für die Gäste. Doch der Schweizer mit dem Kinnbart und dem langen, blonden Pferdeschwanz sieht das Ganze als Spiel. "Ich gebe den Gästen die Zimmerschlüssel und sage dann: 'Die Lichtschalter müsst ihr schon selber finden!'" Nicht selten kommen sie dann eine halbe Stunde später mit ratloser Miene zurück.

Die Takatuka Lodge ist das vielleicht schrägste Hotel auf den Philippinen im Süden der Insel Negros. "Sugar Beach" nennen die Einheimischen den breiten Traumstrand, der von steilen, dschungelbewachsenen Hügel eingerahmt wird. Mitten in diesem Naturparadies haben sich Karl-Heinz Kalitta, Rufname Kalle, und seine Frau Anne Catherine ein bizarres Phantasiehotel erschaffen.

Hier gibt es kein rechtwinkliges Fenster, das Restaurant ist kanariengelb gestrichen, und es wimmelt vor skurrilen, bunt bemalten Skulpturen. Das Ganze wirkt ein wenig wie ein wilder Mix aus Dalí und Hundertwasser, wurde allerdings nach Pippi Langstrumpfs Abenteuern im Taka-Tuka-Land benannt.

Piratenflaggen und Superstar-Betten

Neun verschiedene Zimmer gehören zur Anlage, an denen Pippi ihre wahre Freude gehabt hätte. Im "Treasure" etwa dreht sich alles um eine Schatzsuche: Es gibt vergilbte Karten, Piratenflaggen, Musketen, hinter dem Bett steht ein Mast, und die Terrasse mündet in ein echtes Boot.

Ein paar Meter weiter schläft man für 24 Euro die Nacht in einer Wohnhöhle mit Stalaktiten, Felszeichnungen und einem angeblichen Mammutknochen, der als Klopapierhalter dient. Bewacht wird der Raum "The Cave" von einem metergroßen Drachen. Und im "Superstar" darf man sich als Filmstar fühlen, gemalte Zelluloidstreifen zieren die Wände, das Doppelbett ist ein rosafarbener Cadillac. Daneben steht ein Nachttisch, protzig von Goldbarren getragen. Doch wo ist hier der verdammte Lichtschalter?

Kalle lacht. "Es ist doch ganz logisch", antwortet er dann betont sachlich und macht eine kurze Pause. "An der Wand hängt eine PC-Tastatur, dort muss man nur auf das 'L' drücken." "L" für Licht, lumière, light. Klar? Besonders wundert sich der 48-Jährige über Männer, die in einem anderen Zimmer nicht auf die Idee kommen, auf die Brustwarzen einer weiblichen Plastikbüste zu drücken.

Die Mischung aus gewolltem Chaos und Kreativität ist längst zum lohnenden Geschäftsmodell geworden. Besonders seit ein Reiseführer eine wohlwollende Kritik schrieb, finden immer mehr Touristen den Weg zur entlegenen Takatuka Lodge - obwohl die Anreise so abenteuerlich wie das Hotel ist.

Anreise mit Paddelboot

Von Bacolod und Dumaguete, den Städten der Insel Negros mit Flughafen, dauert die Busfahrt über rumpelige Straßen jeweils etwa sechs Stunden bis in die Kleinstadt Sipalay. Von dort geht es nur noch per Motorrad-Rikschas weiter. Mit einem Paddelboot muss ein Fluss überquert werden, dann klettert man an einer Klippe entlang oder lässt sich von den freundlichen Dorfbewohnern einen Trampelweg durch den Dschungel zeigen.

Genau diese Abgeschiedenheit war es, die Kalle und Anne Catherine im Sommer 1997 derart faszinierte, dass sie ihr bisheriges Leben in einem kleinen Dorf im Kanton Aargau über Bord warfen. "Mein Bruder hatte sich im Urlaub unsterblich in eine Philippinerin verguckt", erzählt Kalle. "Wir haben ihn einmal besucht und uns auch sofort unsterblich verliebt - aber in das Land", ergänzt Anne Catherine.

Wie das so mit der Liebe ist - es gab viele rationale Argumente, die gegen die Bauchentscheidung gesprochen hätten. "Der Strand sah gar nicht aus wie die weißen, gepflegten Pulverstrände, die wir auf anderen Reisen in Südostasien gesehen hatten", erinnert sich Anne Catherine. Der "Sugar Beach" war wild, fast vom Dschungel verschlungen. Von Tourismus in der Gegend keine Spur. Die Infrastruktur war schlecht, die nächsten Großstädte weit weg.

Die Auswanderer fingen trotzdem 1998 an zu bauen. Vieles ging schief, alles dauerte quälend lange. Es gab keinen Strom und kein fließendes Wasser. Der erste Kühlschrank kam erst nach zwei Jahren. Richtig paradiesisch war nur, dass es keinerlei Steuern und Bauauflagen gab. Die örtlichen Behörden hatten keine Erfahrung und ließen die beiden Abenteurer einfach machen.

Pleite mit Holz als Baumaterial

Vier Jahre später eröffneten sie 2002 ihr Beach Resort, komplett erbaut aus Holz und Bambus. "Das war der größte Fehler meines Lebens", sagt der gelernte Schreiner Kalle heute. Er hatte das feuchte Klima und die Termiten unterschätzt. Nach fünf Jahren war der Kampf trotz etlicher Renovierungsarbeiten verloren und fast alles zerfressen.

Aufgeben wollten die beiden trotzdem nicht. Also wagten sie zum zweiten Mal einen kompletten Neuanfang in ihrem Leben. Diesmal mit einem Baustoff, der Kalle völlig fremd war: Beton.

Es war seine Angst, dass damit alles sozialistisch-grau und abweisend wirken würde, die das neue "Takatuka" schließlich so schrill werden ließ. Farben mussten her und Dinge, die es sonst in keinem Hotel gab.

Angefangen hatte alles mit diesem alten Toilettendeckel, den der Schweizer zum Spaß in eine der neuen Wände einbaute. Das Ergebnis der Schnapsidee gefiel ihm, also folgten eine kaputte Tastatur und Deorollerkugeln. Alte Farbpinsel wurden zu Kleiderhaken umfunktioniert, in die Wand gesteckt und später bunt übermalt. Und weil es nirgends eine Wasserwaage gab, konstruierte Kalle lieber konsequent alle Fenster richtig schief.

In der Hochsaison arbeiten heute ein Dutzend Angestellte im Beach Resort. Zwei Tauchlehrer bieten Touren zu gesunkenen Schiffswracks und nahegelegenen Korallenriffs an. Die Umgebung lockt mit kilometerlangen Wanderungen an einsamen Stränden, Höhlenbesichtigungen und Wasserfällen.

Am meisten freut Kalle sich aber darüber, dass viele Gäste bei ihrem zweiten Besuch ungewöhnliche Geschenke mitbringen: alte Taschenrechner etwa, für eine Säule im Restaurant, die nur aus Taschenrechnern besteht. Oder ausgediente Filmkameras und Fotoapparate. Die Besucher hoffen, dass der Hotelmanager aus ihren Präsenten irgendwann einmal eine neue Lampe bastelt - und den Lichtschalter dann möglichst phantasievoll versteckt.

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1. Nachtrag
papayu 18.03.2013
Mensch, ich habe genau diesselben Fliessen auf meiner hinteren Veranda, Verzeihung die meiner Frau und mir. Hier lebe ich wie "Gott in Frankreich" ist was fuer Rentner. Junge Frau suchen, heiraten und schluss mit den Problemen.
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