Tauchen in Thailand: Fetzenfisch im Kopfstand

Von Linus Geschke

Purpurne Korallen, fetzige Fische und Walhaie, die einen fast über den Haufen schwimmen: Der Richelieu Rock gilt als Thailands vielleicht bestes Tauchrevier. Wer hierher kommt, entgeht den Touristenmassen im Süden - und den Dynamitfischern aus dem Norden.

Tauchen in Thailand: Elegante Mantas, träge Walhaie Fotos
Frank Schneider

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Alles leuchtet in Purpur - von den Weichkorallen bis zu den Gorgonien, vom Flachwasser bis in die tieferen Regionen. Manche Formen erinnern an Brokkoli oder Blumenkohl, andere an die Windungen des menschlichen Gehirns. Fast surreal wirkt die intensive Farbenpracht des Riffbewuchses, die die Kölnerin Susanne Reinhardt mit allen Sinnen genießt.

Langsam lässt sich die 37-jährige Taucherin von der Strömung treiben. Auf dem Sandgrund döst müde ein Leopardenhai, mächtige Fischschwärme ziehen durchs Blau, und das Knabbern des Papageifisches an einer Hartkoralle ist auch noch aus mehreren Metern Entfernung zu hören. Am Richelieu Rock, dicht an der Grenze zu Burma gelegen und von Khao Lak aus nur auf einer mehrtägigen Tauchsafari über die Similan-Inseln zu erreichen, scheint die Unterwasserwelt noch in Ordnung zu sein.

Der Riffkomplex, aufgrund seiner purpurfarbenen Korallen nach dem ebenfalls Purpur tragenden Kardinal Richelieu benannt, explodiert förmlich vor Leben. Korallenbleiche, sinkende Fischvorkommen, trostlose Wasserwüsten? Doch nicht hier, wo die Unterwasserwelt noch aussieht, wie sie Werbeprospekte andernorts versprechen.

Dabei ist es um Thailands Image aktuell nicht zum Besten bestellt. Als Tauchreiseziel schon gar nicht. Schlagzeilen über Überschwemmungen sowie über Ausschreitungen zwischen den einzelnen politischen Lagern waren Gift für den Tourismus, hinzu kam, dass die thailändische Regierung einen Teil der berühmten Similan-Inseln für Taucher sperren ließ: Zu groß erschienen laut manchen Presseberichten die Schäden, die von schlecht tarierten Tauchern an den einst zu den weltweit besten Spots zählenden Riffen angerichtet wurden.

Zu viele Taucher sind schädlich - zu wenige auch

"Vollkommen übertrieben und nicht differenziert" fand Holger Schwab diese Meldungen. "Die Similans sind nicht kaputt, lediglich zwei einzelne Tauchplätze wurden gesperrt. Und auch dies hat nichts mit Tauchern zu tun, sondern ausschließlich mit der Korallenbleiche, die wir in dieser Region hatten." Solche Berichte sind schlecht fürs Geschäft von Schwab, denn ihm gehört Thailands größte deutschsprachige Tauchschule und jede Negativmeldung schlägt sich sofort auf die Buchungszahlen nieder. Manchmal, so sagt er, hätte er sich vor Wut die Haare ausreißen können - sicherheitshalber trägt der Mann Glatze.

Noch immer ist Khao Lak das Mekka des thailändischen Tauchtourismus. Das zu viele Taucher einem Riff nicht gut tun, steht bei Experten außer Frage. Zu wenige aber auch: Am Richelieu Rock, mehrere Bootsstunden entfernt, hört man manchmal einen Knall unter Wasser, es donnert wie bei einem weit entfernten Gewitter: Dynamitfischer aus dem nahe gelegenen Burma sind es, die in den fischreichen Gewässern willkürlich jagen.

Wo keine Touristen sind, gibt es auch keine finanziellen Interessen am Riffschutz und somit auch keine Kontrolle über illegale Fangmethoden. Und so ist der Richelieu Rock als Teil des "Surin National Marine Parks" ein Rückzugsgebiet für die größten Fische der Welt geworden, ein Puffer zwischen den Touristenmassen im Süden und den Dynamitfischern im Norden.

Gigant mit langem Bremsweg

Susanne Reinhardt taucht ein wenig vom Riff weg, hinaus ins Freiwasser, als sich etwas auf sie zuschiebt, was im ersten Moment an ein gepunktetes U-Boot erinnert. Langsam kommt es näher, wird immer größer, und erst kurz vor der Kollision hält es an: Walhaie, mit bis zu 14 Metern Länge und bis zu zwölf Tonnen Gewicht, sind unglaublich elegante Schwimmer - Meister des Bremsens sind sie nicht.

Ob beim Menschen oder beim Fisch die Überraschung größer ist, lässt sich schwerlich sagen: Sicherlich jedoch freut sich der Mensch stärker über das Auge-in-Auge-Erlebnis. Walhaie, die sich nur von im Wasser treibenden Plankton und kleinen Fischen ernähren, zählen zu den großen Sehnsuchtstieren einer jeden Taucherlaufbahn. Dass man hier von ihnen, bevorzugt in den Monaten zwischen Januar und April, fast über den Haufen geschwommen wird, erfüllt auch abgeklärte Taucher noch immer mit Glückshormonen.

Der Fisch dagegen tut die Begegnung mit fast buddhistischem Gleichmut ab. Ein kurzes Schütteln des Kopfes, ein Schwenk des massigen Körpers, und schon zieht er an der immer noch andächtig verharrenden 37-Jährigen vorbei.

Einen Manta sehen, kann jeder

Doch es gibt noch ein anderes Tier, welches in der Aufmerksamkeit der Taucher mit dem Walhai konkurrieren kann: der Manta. Die größte Rochenart mit bis zu sieben Meter Spannweite und knapp zwei Tonnen Gewicht ist der vielleicht eleganteste Gleiter im maritimen Tierreich. Ob Walhai oder Manta - eine Begegnung mit ihnen gehört zu den Königsdisziplinen am Richelieu Rock.

"Schade eigentlich", sagt Susanne Reinhardt. "Die meisten Taucher sind absolut Großfisch süchtig und verlieren dadurch oft den Blick für die kleinen Schönheiten, die es hier ebenfalls gibt." Schönheiten wie die fast unzähligen Nacktschnecken oder die Geisterfetzenfische, die mit ihrem zerfransten Äußeren wie Fabelwesen aus einer anderen Welt wirken, aber auch nur maximal 15 Zentimeter groß werden. Meist leben sie paarweise und schwimmen mit dem Kopf nach unten - was sie zusammen mit ihrer guten Tarnung für das ungeübte Auge nur schwer zu finden lässt.

"Einen Walhai oder Manta sehen", meint Reinhardt, "kann doch jeder. Mit den gut getarnten Winzlingen sieht das schon anders aus."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hohlspiegel
fabianchaiyaphum 25.11.2011
Sorry aber das ist echt HOHLSPIEGEL... Tauchen in NORDthailand? Im Norden Thailands sind Berge, Chiang Mai, Chiang Rai, Grenzen zu Burma und Laos. Im Artikel wird vom Richelieu Rock an der Grenze zu Burma geredet... das ist aber die Suedgrenze von Burma. Und dieser Ort ist ca. 500 km suedlich von bangkok und somit im Sueden Thailands. Schoen dass man in diesem sehr touristischen Gebiet anscheinen den Touristenstroemen entgehen kann.... Mann mann... das ist ja echt Kreistageszeitungsniveau... Aber vielleiocht hat der werte Herr Autor auch einfach nicht gedacht man koenne mal auf googlemaps oder in 'nem Atlas nach der Geographischen Lage dieses Landes schauen. Zudem Zitat:"Wo keine Touristen sind, gibt es auch keine finanziellen Interessen am Riffschutz und somit auch keine Kontrolle über illegale Fangmethoden." - Aha... ist das wirklich so? Woher kommt denn diese Schlussfolgerung? Mit ein bisschen recherche kann man leicht das genaue Gegenteil dieser Aussage beweisen. Zitat: "...Puffer zwischen den Touristenmassen im Süden und den Dynamitfischern im Norden." Dynamitfischer im Norden? Ja ist gut... noerdlich der Grenze der Westkuesete des Suedens von Thailand mit der Sudwestkueste von Burma ist vermutlich gemeint. Zudem ist es doch sehr erstaunlich dass man "manchmal" etwas wie ein Donnergrollen hoert und dann in einen Artikel schreibt dass es sich hier um Dynamitfischer handelt. Hat der Autor auch beweise dafuer? oder ist das einfach die Erklaerung des Thailaendischen Fuehrers fuer diese geraeusche gewesen? Und sowas bei SPON....
2. Traurig
warichschon 25.11.2011
Zitat von sysopPurpurne Korallen, fetzige Fische und Walhaie, die einen fast über den Haufen schwimmen: Der Richelieu Rock gilt als Thailands vielleicht bestes Tauchrevier. Wer hierhin kommt, entgeht den Touristenmassen im Süden - und den Dynamitfischern aus dem Norden. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,799519,00.html
[QUOTE=sysop;9201252]Purpurne Korallen, fetzige Fische und Walhaie, die einen fast über den Haufen schwimmen: Der Richelieu Rock gilt als Thailands vielleicht bestes Tauchrevier. Wer hierhin kommt, entgeht den Touristenmassen im Süden - und den Dynamitfischern aus dem Norden. Vor 15 Jahren galt der Richilieu Rock als "nett". Kaum entdeckt für die Taucher, waren die Haie, wegen denen man eigentlich da hin fuhr, auch schon abgefischt und den Rest, den gabs auch vor Pipi ohne großen Aufwand. Wenn jetzt dieses Gebiet hochgejubelt wird, dann ist das den vereinten Kräften der völlig hemmungslosen Tauchschulbesitzer zu verdanken, die Thailand zu einer schäbigen Destination abgewirtschaftet haben. Kein Riff der Welt hält einen Massenansturm von schlecht tarierten (weil schnell und billig ausgebildet) Tauchern auf Dauer aus. Gerade nach dem Korallensterben wäre es sinnvoll gewesen Riffe zu sperren. Aber das konnte, mit Hinweis auf rückläufige Umsätze, verhindert werden. Dass die Tauchtouristen abends genau die Fische, die sie tagsüber bewundern, tonnenweise fressen, ist dann nur noch das Sahnehäubchen auf dem Drama Thailand.
3. Reality Check
Matthias Geisler 25.11.2011
Ich war vor zwei Wochen Schorcheln (aber nicht Tauchen) auf den Similan Islands. Dort sind in flachen Gewässern, wie übrigens in ganz Thailand praktisch alle Korallen abgestorben durch die Bleiche. Dies ist wohl primär eine Folge der Meeresaufheizung. Ich hoffe, sehr daß dieses Desaster wie auch die Flutkatastophe in Thailand zu einem Umdenken in der Umweltpolitik führt. Optimistisch bin ich allerdings nicht. Ich kann meinen Vorredner nur zustimmen, der Artikel ist schlecht, wenn überhaupt recherchiert.
4. ...
Hupert 25.11.2011
Meinen Vorrednern ist eigentlich nichts hinzuzufügen, sie treffen den Nagel auf den Kopf. Auch wir waren vor ziemlich genau einem Jahr auf einem 3 Tages Trip auf den Similians zum Schnorcheln und die Lage ist mancherorts ziemlich desaströs. Ich weiß nicht aus welchem Jahr das Foto im Artikel ist, aber sowas bekamen wir nicht zu sehen. Statt dessen ganze durch Coralbleaching abgestorbene Korallenfelder. Wir hatten ein paar Leute auf dem Boot die Fotos vom selben Trip ein dreiviertel Jahr zuvor dabei hatten. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das Korallensterben hat scheinbar sprichwörtlich über Nacht eingesetzt.
5. Haben es wie im Bericht erlebt
jens.wagner 25.11.2011
Wir sind vor einer Woche aus Thailand zurückgekommen und waren dort sowohl an den Similans wie auch am Richeliau Rock tauchen. Anders als an den Similans habe ich dort auch nichts von Korallenbleiche etc. gesehen, war einfach nur traumhaft schön mit 2 Walhaien, Mantas etc.! An den Similans sah das etwas anders aus, da sind einige Korallen im flacheren Bereich echt kaputt (steht ja auch im Bericht) aber bei weitem nicht so dramatisch, wie es einige hier schildern! Und was Burma angeht: Vom Richeliau Rock bis nach Burma sind es nur wenige Kilometer, das stimmt schon! Die Nordgrenze Thailands verläuft an der Andamanensee halt sehr weit südlich... Fazit: Richeliau Rock kann ich jedem empfehlen, Similans sind immer noch nett, aber man sieht dort die Folgen der Korallenbleiche!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fernweh
RSS
alles zum Thema Abgetaucht
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
Fotostrecke
Thailands Tauchplätze: Kampf um die Korallenriffe

Buchtipp zum Fotografen
Fotostrecke
Koh Samui & Co.: Urlauberparadiese in Thailand