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Raubfische als Taucherliebling: Hai Five

Von Linus Geschke

Kein Meerestier fasziniert die Menschen derart wie der Hai. Wir stellen die fünf besten Spots vor, um ihnen zu begegnen - und verraten, was dabei zu beachten ist.

Tauchen mit Haien: Rendezvous mit Raubfisch Fotos
Martin Strmiska

Mit Haien ist es eine seltsame Sache. Während viele Taucher gar nicht genug Haie vor die Maske bekommen können, sind die meisten anderen Menschen froh, wenn sie nie einem begegnen. Zu tief sitzt das Bild der Bestie in den Köpfen, das des Killers mit den rasiermesserscharfen Zähnen. Dabei gibt es unter den über 500 Haiarten nur eine gute Handvoll, die für den Menschen potenziell gefährlich werden können. Laut Statistik wurden 2015 weltweit lediglich sechs Menschen von Haien getötet, im Jahr zuvor ganze drei. Das Risiko, von einem umstürzenden Getränkeautomaten erschlagen zu werden, ist größer.

Taucher sind deshalb beim Thema Haie weniger um ihr Leben besorgt, sondern vielmehr darum, wie sie ein paar der eleganten Raubfische zu Gesicht bekommen können. Denn mittlerweile sind viele Arten stark vom Aussterben bedroht; Experten der Tierschutzorganisation Sharkproject gehen davon aus, dass der Bestand mancher Arten in den vergangenen zehn Jahren bereits um mehr als 90 Prozent abgenommen hat - eine Folge der weltweiten Überfischung, des ungewollten Beifangs und der gezielten Jagd.

Doch noch gibt es sie, die Orte, die beste Voraussetzungen für eine Begegnung mit den spektakulären Raubfischen ermöglichen. Hier finden Sie die Profile von fünf Arten, die ganz oben in des Tauchers Beliebtheitsskala stehen.


Tigerhaie

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Martin Strmiska

Besondere Merkmale

Tigerhaie können über fünf Meter groß und weit über 400 Kilogramm schwer werden. Der Körper ist langgestreckt, der Kopf wuchtig, flach und kantig. Charakteristisch sind die Streifenmusterungen, die sich vor allem bei Jungtieren deutlich sichtbar über den Körper ziehen und die der Art zu ihrem Namen verholfen haben. Ansonsten ist der Körper blau- oder dunkelgrau, die Bauchseite deutlich heller gefärbt.

Verhalten

Tigerhaie sind Einzelgänger, die sich tagsüber meist in größeren Tiefen aufhalten und erst in der Dämmerung flachere Bereiche aufsuchen. Ihr Nahrungsspektrum ist weit gestreckt: Von Schildkröten über Wasservögel bis hin zu Fischen fressen sie fast alles. Tauchern gegenüber zeigen sie sich oft neugierig. Neben dem Weißen Hai und dem Bullenhai gilt diese Art als für den Menschen gefährlichste.

Bester Tauchspot

Die vor Südafrika und südlich von Durban gelegenen Tauchplätze Aliwal Shoal und Protea Banks gelten als bestens geeignet, um sich den Tigern des Meeres ohne Käfig zu nähern. Die Ausfahrten sind rau, die Sichtweiten schwanken. Dann wird ein meist mit Sardinen gefüllter Köderball ins Wasser gelassen, dessen Geruch die Haie anlockt. Sobald die Tigerhaie da sind, gehen die Taucher ins Wasser - manche überlegen es sich im letzten Moment auch anders. Wer sich jedoch an die vorgegebenen Regeln hält und darauf achtet, die Tiere nicht zu bedrängen, ist sicher. Nach eigenen Angaben hat der Tauchlehrer Roland Mauz dort mit seinen Gästen über 2000 Tauchgänge mit Tiger- und Bullenhaien gemacht: Bislang ohne einen einzigen blutigen Zwischenfall.

Beste Reisezeit

März bis Juni

Alternative Tauchregion

Tigerhaie kommen weltweit in tropischen oder subtropischen Meeresregionen vor. Neben Südafrika gelten vor allem die Bahamas als beliebtester Ort für Begegnungen mit den Tieren.


Fuchshaie

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Martin Strmiska

Besondere Merkmale

Fuchshaie werden meist zwischen drei und fünf Meter groß, wobei die langgezogene Rückenflosse rund ein Drittel der Gesamtlänge ausmacht. Ihr Körper ist dunkel und metallisch glänzend. Mit ihrer spitz zulaufenden Kopfform, dem verhältnismäßig kleinem Maul und den überproportional großen Augen erinnert ihr Gesicht ein wenig an das von Micky Maus.

Verhalten

Fuchshaie sind eher scheu und halten sich in Tiefen bis zu 500 Metern auf. Sie ernähren sich meist von kleineren Schwarmfischen wie Heringen oder Sardinen, die sie oftmals im Verbund einkreisen und dann mit wuchtigen Schlägen ihrer Schwanzflossen betäuben.

Bester Tauchspot

Außergewöhnlich häufig lassen sich Fuchshaie an den ägyptischen Tauchspots Brother Islands und dem Daedalus Riff beobachten - beide sind nur im Rahmen einer mehrtägigen Tauchsafari zu erreichen. Sofern die Taucher sich ruhig verhalten, kommen die Tiere dann auch dichter heran, umkreisen und beobachten. Zumindest, bis einer der Taucher zu aufdringlich wird und direkt auf sie zuschwimmt - das beste Mittel, um die scheue Haiart umgehend zu vertreiben.

Beste Reisezeit

August bis November

Alternative Tauchregion

Eine Alternative zu Ägypten erleben Taucher auf der philippinischen Insel Malapascua. Vor allem in den frühen Morgenstunden finden sich dort Fuchshaie am Tauchplatz Monad Shoal ein, um sich von Putzerfischen reinigen zu lassen.


Weißspitzen-Hochseehaie

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Martin Strmiska

Besondere Merkmale

Unter allen Haiarten sind Weißspitzen-Hochseehaie (auch: Longimanus) besonders leicht zu erkennen: Ihre Rückenflossen und die ungewöhnlich langen Brustflossen sind am Ende mit weißen Flecken versehen und gerundet. Meist erreichen sie Körperlängen von bis zu dreieinhalb Metern, die Haut schimmert bronzefarben. Früher noch eine der häufigsten Haiarten, gilt der Bestand mittlerweile als gefährdet - eine Folge der exzessiven Hochseefischerei.

Verhalten

Taucher sind sich nie ganz einig: Ist der Weißspitzen-Hochseehai nun besonders dumm oder besonders neugierig? Fakt ist, dass er vor Menschen keine Scheu zeigt und sich bis auf wenige Zentimeter nähert, wobei es öfters zu Berührungen kommt. Für Fotografen ist es ein Fest: Einmal in der Nähe, bleibt der Longimanus meistens bis zum Ende des Tauchgangs bei ihnen, wobei sich durch die kurze Distanz eindrucksvolle Bilder ergeben. Dennoch sollte man diese Art nicht mit Kuscheltieren verwechseln: Für Menschen gilt sie als potenziell gefährlich - in Ägypten hat es in den letzten Jahren mehrere Angriffe auf Schnorchler gegeben.

Bester Tauchspot

Seinem Namen entsprechend zieht diese Haiart meist durchs offene Meer, sodass ein Aufeinandertreffen bevorzugt an küstenfernen Riffen stattfindet. Auch für den Weißspitzen-Hochseehai gelten - ebenso wie für den Fuchshai - die im Roten Meer liegenden Brother Islands als bester Spot. In der Abenddämmerung, mit einem Drink in der Hand, kann man sie dort sogar vom Bootsdeck aus nahe der Wasseroberfläche sehen.

Beste Reisezeit

September bis Dezember

Alternative Tauchregion

Auch rund um die Malediven lassen sich häufig Weißspitzen-Hochseehaie beobachten. Vor allem die Insel Bathala gilt als Ziel mit guten Erfolgschancen.


Bogenstirn-Hammerhaie

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Martin Strmiska

Besondere Merkmale

Neben dem Großen Hammerhai, der meist als Einzelgänger lebt, gelten Bogenstirn-Hammerhaie als Favoriten bei Tauchern. Sie erreichen rund vier Meter Länge und ein Gewicht von 150 Kilogramm. Dank ihrer charakteristischen Kopfform ist diese Haiart leicht zu identifizieren, die Unterscheidung zum Großen Hammerhai fällt dagegen schwerer. Dieser hat eine deutlich ausgeprägtere Rückenflosse und eine gerade Kante des Hammers - beim Bogenstirn-Hammerhai dagegen ist die leicht gekrümmt und mit Kerben versehen.

Verhalten

Anders als die meisten anderen Arten leben Bogenstirn-Hammerhaie oft in riesigen Gruppen mit Hunderten Tieren zusammen. Manche sind relativ ortstreu, andere unternehmen ausgedehnte Ausflüge. Es gibt sie in nahezu allen tropischen, subtropischen oder gemäßigten Regionen, obwohl ihr Bestand als stark gefährdet gilt. Angriffe auf den Menschen sind äußerst selten.

Bester Tauchspot für Begegnungen

Die im östlichen Pazifik liegenden Inseln Cocos und Malpelo gelten als Traumziele für Tauchgänge mit Hammerhaien. Während sich die Taucher in 30 bis 35 Meter Tiefe befinden, ziehen über ihnen Gruppen mit bis zu 1000 Individuen vorbei, deren Bewegungen fast an ein stark verlangsamtes Schlängeln von Kaulquappen erinnern. Manchmal löst sich ein Hai dann aus dieser Gruppe, kommt den Tauchern näher, dreht achtförmige Kreise und schließt sich anschließend wieder den Seinen an. Das Ganze hat dann nur noch wenig mit herkömmlichem Tauchen zu tun - das ist wie Haikino unter Wasser, live und in 3D.

Beste Reisezeit

Dezember bis Mai

Alternative Tauchregionen

Bis auf Galapagos gibt es für Cocos und Malpelo keine wirkliche Alternative. Zwar kann man Hammerhaie auch in Ägypten, auf den Malediven und in der Karibik sehen - jedoch nicht in diesen Massen.


Weißer Hai

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Tobias Friedrich

Besondere Merkmale

In jedem Kartenspiel wäre er der Trumpf: Der größte Raubfisch der Welt, der Weiße Hai. Ausgewachsen meist zwischen vier und fünf Meter lang, können einzelne Exemplare auch sieben Meter erreichen und rund zwei Tonnen wiegen. Ihr Ruf ist durch Hollywood ruiniert, ihr Bestand stark gefährdet. Der Körper des Weißen Hais ist massig, die Schnauze spitz, die Augen sind dunkel und klein. Sehr breites Maul mit auffallend dreieckigen Zähnen. Die Rückenfarbe ist meist blaugrau, manchmal auch ins braun-bronzefarbene gehend, die Unterseite strahlend weiß.

Verhalten

Anders als ihr Ruf sind Weiße Haie fast schon scheue Tiere, die sich Tauchern - wenn überhaupt - nur zögerlich nähern. Dennoch gilt der Weiße Hai als die für den Menschen vielleicht gefährlichste Art, allein schon seiner Größe wegen. Ein großes Raubtier, das sich über Millionen von Jahren perfekt an seine Umgebung angepasst hat. Der Taucher betritt im Wasser seinen Lebensraum, nicht umgekehrt - Respekt und Vorsicht sind angebracht.

Bester Tauchspot für Begegnungen

Die mit Weißen Haien angebotenen Tauchgänge sind immer Käfigtauchgänge, wobei die Raubfische meist mit Ködern angelockt werden. Ohne Käfig würde es schnell gefährlich werden - ohne fundiertes Wissen und viel Erfahrung ist man nicht in der Lage, die Signale der Tiere richtig zu deuten.

Die mexikanische Pazifikinsel Guadalupe ist der beste Platz für ein Aufeinandertreffen mit dem Meeresgiganten: Hier lebt eine Population von rund 100 Tieren, die Sichtweiten sind mit bis zu 40 Metern hervorragend. In einer Tiefe zwischen sechs und elf Metern fixiert, bietet sich den Tauchern durch die Gitterstäbe hindurch dann der Ausblick auf ein Tier, das einem bei der ersten Begegnung ähnlich surreal vorkommt wie ein lange ausgestorbener Dinosaurier. Es gibt wohl niemanden, der diese Käfige nicht mit einem mulmigen Gefühl besteigt - und kaum jemanden, der danach nicht bereit ist, sich für den Schutz dieser einmaligen Art einzusetzen.

Beste Reisezeit

August bis Oktober

Alternative Tauchregionen

Ähnlich gute Aussichten auf eine Begegnung mit Weißen Haien bietet die südafrikanische Küste vor dem Küstenort Gansbaai. Auch hier werden ausschließlich Käfigtauchgänge durchgeführt, bei denen die Sichtweiten jedoch deutlich schlechter sind.

In der Fotostrecke finden Sie noch einmal alle Haiarten mit weiteren Bildern!

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
derpif 11.03.2016
Das nur 3 oder 6 Menschen pro Jahr durch Haiangriffe sterben sagt aber nichts über die "Ungefährlichkeit" von Haien, sondern ist wohl vielmehr dem Umstand geschuldet das der Mensch in der Regel nicht im Wasser lebt.
2. Leopardenhaie in Kalifornien
ArmeOhren 11.03.2016
Noch eine Empfehlung für die amerikanische Pazifikküste, die vor allem für Tauchanfänger und Schnorchler interessant sein könnte: Die bis zu 2m langen und völlig harmlosen, aber sehr eleganten Leopardenhaie. Im Sommer halten sich die Weibchen zur Eiablage in küstennahen, flachen Gewässern auf und sind dort auch in sehr leicht zugänglichen Spots wie der La Jolla Cove in San Diego zu beobachten.
3. Schwanzflosse!
unglaeubig 11.03.2016
Bei Fuchshai scheint mir die Schwanzflosse - und nicht wie im Artikel geschrieben die Rückenflosse - langgestreckt zu sein.
4.
Celegorm 11.03.2016
Zitat von derpifDas nur 3 oder 6 Menschen pro Jahr durch Haiangriffe sterben sagt aber nichts über die "Ungefährlichkeit" von Haien, sondern ist wohl vielmehr dem Umstand geschuldet das der Mensch in der Regel nicht im Wasser lebt.
Könnte man auf den ersten Blick meinen, ist aber gerade im Vergleich zu potentiell gefährlichen Landtieren nur bedingt richtig. Gerade durch zunehmenden Bade- und Wassersporttourismus ist die Überschneidung vielerorts mit Haiarten, die theoretisch einen Menschen töten könnten, enorm. Der Hauptgrund, wieso das nicht auffällt, ist eher, dass Menschen im Wasser normalerweise nicht sehen, womit sie dieses gerade teilen. Unterstrichen wird das Ganze durch die im Artikel angesprochenen aktiven Begegnungen, die bei richtigem Verhalten selbst bei den gefährlichsten Haiarten relativ unproblematisch sind. Und zwar ohne Schutz und mit grosser Nähe. Würde man ähnliches auf dem Land versuchen und sich zu Fuss in eine solche Nähe zu Flusspferden, Tigern oder Eisbären begeben, wäre das im Vergleich geradezu suizidal. Das heisst natürlich nicht, dass diverse Haiarten nicht brandgefährlich sein können, aber mit dem richtigen Verhalten, Vorsicht und Respekt lässt sich das fast vollständig minimieren. Da ist jede Begegnung mit einem unangeleinten Kampfhund wohl brenzliger.. Zum Artikel: Eine schöne Übersicht, insbesondere da für einmal nicht um übliche Verdächtige wie den Walhai geht. Insbesondere die schwer fassbaren Arten wie Fuchshai und Weissspitzen-Hochseehai können eine ganz besondere Faszination wecken.
5. Da stimme ich Ihnen zu...
trader_07 11.03.2016
Zitat von CelegormKönnte man auf den ersten Blick meinen, ist aber gerade im Vergleich zu potentiell gefährlichen Landtieren nur bedingt richtig. Gerade durch zunehmenden Bade- und Wassersporttourismus ist die Überschneidung vielerorts mit Haiarten, die theoretisch einen Menschen töten könnten, enorm. Der Hauptgrund, wieso das nicht auffällt, ist eher, dass Menschen im Wasser normalerweise nicht sehen, womit sie dieses gerade teilen. Unterstrichen wird das Ganze durch die im Artikel angesprochenen aktiven Begegnungen, die bei richtigem Verhalten selbst bei den gefährlichsten Haiarten relativ unproblematisch sind. Und zwar ohne Schutz und mit grosser Nähe. Würde man ähnliches auf dem Land versuchen und sich zu Fuss in eine solche Nähe zu Flusspferden, Tigern oder Eisbären begeben, wäre das im Vergleich geradezu suizidal. Das heisst natürlich nicht, dass diverse Haiarten nicht brandgefährlich sein können, aber mit dem richtigen Verhalten, Vorsicht und Respekt lässt sich das fast vollständig minimieren. Da ist jede Begegnung mit einem unangeleinten Kampfhund wohl brenzliger.. Zum Artikel: Eine schöne Übersicht, insbesondere da für einmal nicht um übliche Verdächtige wie den Walhai geht. Insbesondere die schwer fassbaren Arten wie Fuchshai und Weissspitzen-Hochseehai können eine ganz besondere Faszination wecken.
Da stimme ich Ihnen zu. Diese Übersicht macht schon wieder richtig Lust auf den nächsten Tauchurlaub. Wenn man sich den Longimanus (Weisspitzen-Hochseehai) anschauen möchte, sind die in der Bildunterschrift genannten Brothers genau der richtige Spot. Da sehen Sie die Tiere praktisch bei jedem Tauchgang. Aber auch wer "nur" schnorchelt hat gute Möglichkeiten für Hai-Beobachtungen. Auf den Kanaren können Sie mit einem geübten Auge oftmals Engelhaie auf dem Sandboden liegen sehen.
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