Antilleninsel Tobago: Tauchgang in der Waschmaschine

Von Linus Geschke

Palmen, Sandstrände, einsame Buchten - auf Tobago gibt es davon mehr als genug. Und in den Gewässern vor der Antilleninsel wartet eine Überraschung: Hier können Taucher das Beste aus Karibik und Atlantik zugleich vor die Maske bekommen, sofern sie mit rauen Bedingungen klarkommen.

Tauchen vor Tobago: Schildkröten in Traumstrandnähe Fotos
Linus Geschke

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Eine gebirgige Insel, über deren Hänge sich der tropische Regenwald erstreckt. Davor ein Meer, das so unverschämt in Grün, Blau und Türkis schimmert, dass es fast schon in den Augen weh tut. Eigentlich gibt es für die kleine Touristengruppe momentan nur wenige Gründe, die Welt über Wasser mit jener unter Wasser einzutauschen. Vielleicht ist die Hitze des Tages einer davon, vielleicht sind es die Mücken. Vielleicht aber auch die Aussicht, während einer einzigen Ausfahrt direkt zwei Welten betauchen zu können.

Tauchen in der Karibik - das ist in erster Linie ein buntes und entspannendes Tauchen bei einfachen Bedingungen. Auf Tobago jedoch grenzt nur eine Seite der Insel an die karibische See. Die andere ist dem Atlantik zugewandt, und hier sind die Bedingungen rauer: mehr Wellen, mehr Strömung, mehr Felsen. Alles wirkt gröber, wie von unbeholfener Hand aus Stein gehauen, und es gibt mehr Fische. Das wollen die Sportler sehen, deshalb sind sie in das verschlafene Küstendorf Speyside gekommen.

Das Boot der Tauchbasis verlässt den Steg und macht sich auf den Weg aufs offene Meer. Tauchbasenleiter Robert Mayr drückt den Gashebel nach vorne und lässt den beiden 115 PS starken Außenbordmotoren freien Lauf. Am Heck schrumpft Tobago zusammen, während vor dem Bug die Konturen der "Sisters" rasend schnell näherkommen. "Schau", sagt er, "so ähnlich muss das Paradies aussehen." Kleine Buchten ziehen vorbei, schroffe und dicht bewachsene Hänge, bizarre Felsformationen - genügend Motive für eine ganze Serie von kitschigen Postkarten.

Schildkröten, Füsiliere, Tunfische

Und zu sehen gibt es rund um die Insel auch unter Wasser mehr als genug: Neben den üblichen Bewohnern der Karibik wie Muränen, Barschen oder Lobstern lassen sich hier auch immer wieder Ammenhaie blicken; selbst Hammerhaie wurden angeblich schon gesichtet. "Die Sisters", so erklärte es Robert Mayr vor dem Tauchgang, "sind völlig untypisch für das Tauchen in der Karibik. Es ist eher ein Platz für Fortgeschrittene, die mit Bedingungen wie Strömung und Wellen klar kommen und denen das Karibik-typische Tauchen sonst oftmals nicht aufregend genug ist."

Ein letzter Check der Ausrüstung, ein kurzes Kommando von Robert Mayr, dann lassen sich die Taucher rückwärts von Bord fallen. Sie werden von der sanften Strömung an den mit fjordähnlichen Einschnitten versehenen Felsformationen entlanggezogen, deren Topografie wirklich eher an Tauchplätze im Atlantik erinnert - nur mit karibischem Bewuchs und Fischleben.

Eine aufgeschreckte Schildkröte schießt an den Tauchern vorbei, große Schwärme von Füsilieren kreuzen ihren Weg, sie sehen jagende Gelbflossen-Tunfische und mehrere große Barrakudas. Nach der zehnten Nacktschnecke stellen sie das Zählen ein und schauen mehr unter die Felsvorsprünge: Trotz des großen Angebots in den Restaurants sind hier bei jedem Tauchgang noch Hummer zu sehen, die sich vor den Blasen ausstoßenden Eindringlingen tiefer ins sichere Gestein zurückziehen.

Über eine Sandfläche hinweg geht es weiter zu einem Plateau in rund 20 Meter Tiefe, wo sich eine Gruppe von Tarponen aufhält - imposante Raubfische, die über zwei Meter groß werden und in ihrem silbrigen Schuppenkleid wie Ritter in einer glänzenden Rüstung aussehen. Sie stören sich an den Tauchern nicht, verharren bald bewegungslos, nur langsam mit ihren Schwanzflossen wedelnd.

Dann ist die Stunde Tauchzeit vorbei, der Luftvorrat geht zur Neige. Robert Mayr setzt aus fünf Meter Tiefe eine Boje an die Wasseroberfläche, die dem Kapitän des Tauchbootes als Orientierungshilfe dient. So ruhig es in größeren Tiefen noch ist, so wild wird es nun nahe der Wasseroberfläche. Hier ist die Brandung deutlich zu spüren, der Schwall zieht die Taucher mal nach oben, mal nach unten. Sie kommen sich vor wie in einer langsam laufenden Waschmaschine. Die Ausläufer des wilden Atlantik spürt man auch auf der karibischen Seite.

Ziel für Naturliebhaber

Abseits der quirligen Hauptstadt Scarborough und des Touristenzentrums Crown Point ist Tobago noch Karibik, wie Karibik sein sollte. Palmen, Sandstrände, einsame Buchten? Geschenkt, davon gibt es in der gesamten Region mehr als genug.

Aber Tobago hat noch, was vielen anderen Inseln mittlerweile verloren ging: beispielsweise kleine Fischerdörfer wie Charlotteville oder Speyside, wo alte Männer mit verwitterten Gesichtern jeden Morgen mit ihren Holzbooten hinaus aufs Meer fahren. Oder gänzlich unberührte Vegetation wie im ältesten Naturschutzgebiet der westlichen Welt, dem 1776 errichteten Tobago Forest Reserve, in dessen Wasserfällen Kaimane baden und das Geschrei Tausender Papageien durch die Luft schallt.

Was es rund um Speyside dagegen nicht gibt, ist irgendeine Form von Nachtleben. Hier muss er irgendwo begraben liegen, der karibische Hund. Es gibt auch nur zwei Arten von Touristen, die häufig in den Nordosten der Insel kommen: Vogelbeobachter, die man an den um den Hals baumelnden Ferngläsern erkennt, und Taucher, die in salzverkrustetem Neopren von ihren Ausfahrten zurückkehren - und beide sehen auf der Trennlinie zwischen Karibik und Atlantik recht glücklich aus.

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