Tazara-Express nach Sambia: Bummelzug zur Freiheit

Von Simon Riesche

Zwischen Tansania und Sambia verkehrt der Tazara-Express, der mangelnde Pünktlichkeit durch phantastische Landschaftseindrücke wettmacht - und nun jede Menge WM-Pilger nach Süden bringt. Wer Glück hat, sieht aus dem Fenster Elefanten. Wer Pech hat, erlebt einen Crash mit einem Riesen.

Von Tansania nach Sambia: Ein Zug Afrika Fotos
Simon Riesche

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Der Schaffner kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Wann der Zug denn genau am Zielbahnhof ankommen werde, will ein amerikanischer Rucksacktourist wissen. "Laut Fahrplan werden wir übermorgen früh gegen neun Uhr da sein", sagt er. Als der Reisende sich bereits abwendet, fügt er leise kichernd hinzu: "Es könnte aber auch 30 Stunden später werden."

So entspannt das Zugpersonal ist, so hektisch ist das Treiben in der großen Bahnhofshalle von Daressalam. Hunderte Menschen drängen sich mit Kisten, Taschen und Koffern vor den Absperrgittern und warten darauf, auf die Plattform gelassen zu werden. Zweimal in der Woche fährt in der tansanischen Hafenstadt der Tazara-Express ab, fast 2000 Kilometer sind es bis ins sambische Kapiri Mposhi. Es ist kein luxuriöser Hotelzug, sondern eine ganz normale afrikanische Bummelbahn.

Tazara, das steht für Tanzania-Zambia Railway. Die Strecke zwischen den beiden Nachbarstaaten wurde in den siebziger Jahren gebaut. Finanziert und durchgeführt wurde das Mammutprojekt von China, ein Meisterwerk fernöstlicher Ingenieurskunst. Ziel war es in erster Linie, dem Kupferproduzenten Sambia einen besseren Zugang zum internationalen Seehandel zu ermöglichen. Der Personenverkehr ist bis heute eher eine Randerscheinung der wirtschaftlich so wichtigen Verbindung.

Tieregucken am Zugfenster

In der Dämmerung erreicht der Zug den Mikumi-Nationalpark, das frühe touristische Highlight der Reise. Laut pfeifend rattern die etwa 20 Waggons durch die afrikanische Wildnis. Bleibt der Tazara-Express im Fahrplan, kann man hier Zebras, Giraffen und Elefanten sehen. Weil der Zug heute aber mal wieder etwas zu spät in Daressalam aufgebrochen ist, ist es dafür bereits zu dunkel. Irgendwo da draußen müssen sie sein, die Tiere.

Im Speisewagen wird das Essen serviert, das in Afrika unvermeidliche Hühnchen mit Reis. Besser als das Bordmenü sind die Geschichten der Reisenden. Viele sind Berufspendler wie der 27-jährige John aus Sambia. Zweimal im Monat reist er mit dem Zug von Kapiri Mposhi nach Daressalam und zurück. Die Bahn nennt er "den Sarg", weil er in ihr so viel seiner kostbaren Lebenszeit verschwende.

John arbeitet für eine Mine in Kitwe, einem der großen Zentren des rauen sambischen Kupfergürtels. Seine Aufgabe ist es, zu überwachen, dass das Kupfer sicher den Hafen von Daressalam erreicht. Von dort wird es dann in alle Welt verschifft. "Und irgendwann kommt mein Kupfer dann als Gewehrmunition nach Afrika zurück", sagt er trocken. Nach ein paar Jahren im Geschäft habe man da keine Illusionen mehr.

Mit dem Tazara-Express verbindet John eine Art Hassliebe. An der Schönheit vor dem Fenster habe er sich noch immer nicht satt sehen können, sagt er, doch er kennt auch all die Macken der Bahn. Einmal hätten sie für die Fahrt eine ganze Woche gebraucht, immer wieder sei unterwegs die Lok ausgefallen. Das sei aber gar nichts gewesen gegen den Trip, als sie mitten in der Nacht mit einem Elefanten zusammengestoßen sind. Der Elefant war tot, die Lokomotive kaputt. "Spätestens dann weiß man, dass man in Afrika ist", lacht er und macht sich eine Cola auf.

Zwielichtige Gestalten auf dem Gang

Es wird Nacht an Bord. In der ersten Klasse bringt der Zugbegleiter Decken, denn in den Sommermonaten wird es empfindlich kalt in den Höhen des tansanisch-sambischen Grenzgebiets. In der überfüllten zweiten und dritten Klasse wärmen sich die Passagiere gegenseitig. Doch so einschläfernd das Geschaukel des alten Zuges auch sein mag, man muss wachsam bleiben. Ein paar zwielichtige Gestalten schleichen über die Gänge, sie haben es auf das Gepäck der Reisenden abgesehen.

Irgendwann vergisst man die Zeit im Tazara-Express. Ein Bier im Barwagen, ein paar Buchseiten im Abteil, ein Nickerchen zwischen den Welten. Draußen zieht Afrika vorbei, drinnen tauschen die Menschen ihre Lebensläufe aus. In diesen Wochen sind besonders viele Abenteurer aus Europa unterwegs, auf dem Landweg zur Weltmeisterschaft in Südafrika. Luke aus Großbritannien steht auf dem Gang und schaut aus dem Fenster. In Kenia hat er ein paar Monate in einer Schule gearbeitet, jetzt geht es zum Fußball ans Kap, danach nach Hause. "Die Zugreise ist einer der Höhepunkte meines Afrika-Aufenthalts", sagt er.

Besonders beeindruckend wird die Reise, wenn der Zug auf freier Strecke zum Stehen kommt. Aus dem Nichts tauchen Menschen auf, die den Wartenden alle erdenklichen Gerichte und Reiseaccessoires anbieten. Besonders die Kinder, die aus allen Richtungen gelaufen kommen, lieben den Zug. Einige Westler haben Kugelschreiber und andere Kleinigkeiten dabei, die sie aus dem Fenster geben. Ein letztes Foto, dann ächzen die Räder. Weiter geht es in Richtung Südwesten.

Berufspendler John aus Sambia kann seine Vorfreude auf die Heimat inzwischen nicht mehr verbergen. Seiner Frau hat er gesagt, dass er erst nächste Woche nach Hause kommen würde, es soll eine große Überraschung werden. Im Juli wird sein erstes Kind auf die Welt kommen, Zoe soll seine Tochter heißen. Wegen ihr würde er es sich wünschen, nicht mehr so viel unterwegs zu sein. Ein Bürojob, das wäre was, sagt er nachdenklich, "Oder auswandern", nach China vielleicht, "da bauen sie gute Züge".

Donnerstagabend in Kapiri Mposhi: Mit rund zwölf Stunden Verspätung erreicht der Tazara-Express seinen Zielbahnhof, Ende einer fast 2000 Kilometer langen Reise "Wir waren schnell diese Mal", sagt der Schaffner. In 50 Stunden vom indischen Ozean in den sambischen Kupfergürtel, ein Zug Afrika. Uhuru-Railway nennen die Tansanier die Verbindung auch. "Uhuru" ist Swahili und bedeutet Freiheit.

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. der Spiegel und sein Bildmaterial ^^
systemfeind 11.06.2010
Zitat von sysopZwischen Tansania und Sambia verkehrt der Tazara-Express, der mangelnde Pünktlichkeit durch phantastische Landschaftseindrücke wettmacht - und nun jede Menge WM-Pilger nach Süden bringt. Wer Glück hat, sieht aus dem Fenster Elefanten. Wer Pech hat, erlebt einen Crash mit einem Riesen. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,699951,00.html
Geschenke für die Einheimischen: Viele Touristen bringen Kugelschreiber oder ähnliche Gaben mit.( siehe Bild : weiße Frau verschenkt hübsche Dinge an viele hochbegabte afrikanische Kinder ) . Systemfernsehen : "alle menschen kommen aus Afrika " . Thema Gleichheit : nach 50 Jahren Entwicklungshilfe ( Afrika hat Öl , Erz , Holz und jede Menge Platz ) hat sich Afrika nicht entwickelt . Also : im Kongo gibt`s Tantal . ..wissen wir . also stellt der hochbegabte Afrikaner die Handys ab sofort selber her . Nokia könnte seine Handyfabrik direkt ins Kongobecken stellen . tut Nokia aber nicht . Diese Rassisten ^^ Morgenmagazin : auch MAN produziert in Afrika . schwarzafrikanische Topingenieure entwickeln high end Wandlergetriebe und Feinkornbaustähle . der schwarze stealth Bomber B-2 wurde auch in Afrika erfunden . schwarze Johannesbeere : Erfindung schwarzer Biologen
2. Der Kommentar eines Systemfeindes würdig?
Koda 11.06.2010
Zitat von systemfeindGeschenke für die Einheimischen: Viele Touristen bringen Kugelschreiber oder ähnliche Gaben mit.( siehe Bild : weiße Frau verschenkt hübsche Dinge an viele hochbegabte afrikanische Kinder ) . Systemfernsehen : "alle menschen kommen aus Afrika " . Thema Gleichheit : nach 50 Jahren Entwicklungshilfe ( Afrika hat Öl , Erz , Holz und jede Menge Platz ) hat sich Afrika nicht entwickelt . Also : im Kongo gibt`s Tantal . ..wissen wir . also stellt der hochbegabte Afrikaner die Handys ab sofort selber her . Nokia könnte seine Handyfabrik direkt ins Kongobecken stellen . tut Nokia aber nicht . Diese Rassisten ^^ Morgenmagazin : auch MAN produziert in Afrika . schwarzafrikanische Topingenieure entwickeln high end Wandlergetriebe und Feinkornbaustähle . der schwarze stealth Bomber B-2 wurde auch in Afrika erfunden . schwarze Johannesbeere : Erfindung schwarzer Biologen
Wenn man nur den Sinn des Kommenatrs verstehen könnte.
3. Afrika aus Systemfeindsicht
SINAN_75 11.06.2010
Zitat von KodaWenn man nur den Sinn des Kommenatrs verstehen könnte.
Der Kommentar ist eines Systemfeinds würdig, weil aus seiner Sicht alles - wirklich alles - von der Weltwirtschaftkrise bis zum Haarausfall - Teil des Systems ist. Auch ein anscheinend harmloser Reisebericht aus Afrika. Kann nicht sein, darf nicht sein. Gilt nicht, stimmt nicht! Und wenn ein Archäologe im Fernsehen sagt, dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt? Dann ist das natürlich "Systemfernsehen" und der Archäologe gehört auch zum System, so wie alle seine Kollegen, die das gleiche behaupten. Nur "Systemfeinde" wissen es besser, sie kennen die große Weltverschwörung. Und deshalb müssen sie über 1500 SPON-Kommentare schreiben, um auch wirklich alles richtig zu stellen, auch wenn man es kaum vesteht.
4. Tazara
lipangalala 16.06.2010
Habe 4 Jahre an der Strecke der TAZARA gelebt und die Bahn gelegentlich als Pendler nach und von Daressalaam erlebt. Die Fahrt auf meiner Strecke dauerte "nur" zwischen 6 und sagen wir mal etwa 18 Stunden. Manchmal fuhr der Zug auf die Minute pünktlich ab und kam auch pünktlich an. Als wir einmal in eine Herde Büffel fuhren, dauerte der Unterbruch ziemlich lange - mitten in der Wildnis - aber leider war es Nacht. Die Büffel wurden beiseite geschoben und wohl nur heimlich das eine oder andere Stück davon eingepackt - alles andere wäre Wilderei. Das Erlebnis mit diesem Zug zu fahren war aber immer phatnastisch, egal ob die Fahrt 6 oder 16 Stunden dauerte. Die beeindruckende weite Landschaft, der ruckelnde pfeiffende Zug, die Mandazis und gegrillten Hühnerbeine an den Bahnhöfen, Chipsi-Mayay, Pommes mit Ei im Speisewagen, mit Glück ein paar Tiere im Mikumi und Selous, dazu ein gekühltes tansanisches Bier. Was gibt es Schöneres...
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