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Thailands Norden: Oh mein Gott - oh mein Buddha!

Tee aus Bambusbechern und Zukunftsdeutungen mit Tierknochen: In der Umgebung der Stadt Chiang Mai erleben Nordthailand-Besucher eine Welt, die wenig mit dem Massentourismus im Süden zu tun hat. Spektakulär sind die jahrhundertealten Buddha-Tempel.

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Chiang Mai - Es muss ein Elefant mit Weitblick gewesen sein, der den Standort des Doi-Suthep-Tempels bestimmte. Die Legende geht so: Der thailändische König Kuna wollte einen neuen Tempel für ein Relikt des Buddhas bauen. Er packte das kostbare Stück in ein weißes Taschentuch, band es auf einen seltenen weißen Elefanten und ließ das Tier laufen. Wo der Elefant stehen blieb, sollte der Tempel entstehen. Doch der Dickhäuter lief und lief den Berg Suthep bei Chiang Mai hinauf und ruhte schließlich erst auf 1022 Metern Höhe.

Dort entstand 1388 der Doi-Suthep-Tempel. So verhalf der Elefant der Königsstadt im Norden Thailands zu einem Tempel in einzigartiger Lage mit imposantem Blick.

Thailands Süden lockt die Besucher vor allem mit Sonne und Stränden. Der Norden ist gebirgiger, kühler und verlangt mehr Einsatz, um die Schätze zu entdecken - zum Beispiel die 300 Stufen hinauf zum Doi-Suthep-Tempel. Der Einsatz lohnt sich aber. Die Tempelanlage bietet neben dem Blick auch eine beeindruckende Kupferstupa mit einem fünflagigen goldenen Schirm darüber und jede Menge Elefantenskulpturen. "Wer nicht in Doi Suthep war, war nicht in Chiang Mai", sagen die Einwohner.

Schnellkurs in Buddhismus und Tempelkunde

Chiang Mai ist Thailands zweitgrößte Stadt, mit rund 200.000 Einwohnern und einem Einzugsgebiet mit mehr als drei Millionen Einwohnern. Die Stadt selbst wurde im Jahr 1296 von König Mungrai angelegt. Er ließ eine Stadtmauer ziehen und setzte 50.000 Mann ein, um darum einen Graben auszuschaufeln. Der Graben ist noch da, doch von den Stadtmauern sind nur noch die Reste von fünf Toren übrig. Burma überfiel Chiang Mai 1556, und seine Truppen hauten vieles kurz und klein.

Ein Rundgang durch die 1,5 mal 1,5 Kilometer große Altstadt eignet sich für einen Schnellkurs in Buddhismus und Tempelbau. Wat Suan Dok ist der wichtigste Tempel. Die Anlage liegt direkt neben der Universität mit quirligem Studentenleben. In der großen Eingangshalle sitzen zwei Mönche hinter Laptops, vorne verkauft ein dritter Opferkörbe mit Reis, Wasser und Früchten. Die Opfergaben werden einem betendem Mönch dargebracht, der die Gaben später an Bedürftige verteilt.

"Wenn ich von meiner verstorbenen Tante geträumt habe, packe ich auch Faden und Nadel in den Opferkorb", erzählt Akom, ein Touristenführer. "Wenn es der Onkel war, Kerzen und Streichhölzer - damit die Geister im Jenseits ihre Kleidung flicken und ihren Weg beleuchten können." Thailänder gehen mindestens einmal im Leben ins Kloster, in der Regel vor der Ehe. "Die Meriten, die dabei verdient werden, gehen ganz den Eltern zu. Nach der Ehe gehen sie auf das Konto der Ehefrau und der eigenen Familie", erklärt Akom. Der Gang ins Kloster vor der Ehe zollt den Eltern Respekt.

Im Garten des Tempels steht eine riesige Pappelfeige, erkennbar an den Luftwurzeln und herzförmigen Blättern. Nach der Überlieferung erlebte Buddha seine Erleuchtung unter einer Pappelfeige. Es gibt noch den ältesten Tempel Wat Chiang Man aus dem Jahr 1296 und den höchsten Tempel Wat Chedi Luang, die in jedem Reiseführer zu finden sind. Dort wird als Attraktion meist auch der Nachtmarkt beschrieben, wo es abends alles von Souvenirs über Nippes bis zu gefälschten Markenhandtaschen, T-Shirts und DVDs gibt.

Ruhe-Oasen in der Umgebung

Ein stärker authentisches Thailand bietet allerdings eher die Umgebung von Chiang Mai. Ein, zwei Autostunden entfernt liegen die Dörfer der 13 thailändischen Bergvölker mit insgesamt einer Million Angehörigen. In der satten grünen Landschaft liegen einfache, aber gediegene Gästehäuser als Startpunkt für Entdeckungstouren. Die "Lisu Lodge" ist eine idyllische Ruhe-Oase eine Dreiviertelstunde entfernt am Fuß der Berge. Der Weg dorthin führt schon durch kleine Dörfer mit den typischen Garagenläden und vorbei an Drachenfruchthainen.

Die Anlage liegt neben Dton Loong, einem Dorf der Lisu-Minderheit. Einer, der hier das Sagen hat, ist der Schamane Alehpa. Er heilt Probleme aller Art in seinem Schuppen. Alehpa erklärt Besuchern zum Beispiel, wie er die Zukunft aus Hühnerknochen liest. In der Lodge ist am Morgen der Dorfvorsteher zu hören, der über Lautsprecher das Tagesprogramm verkündet: wann der Arzt kommt und in welchen Haus gefeiert wird.

Das Gästehaus hat weder Abendbar noch Animierprogramm. Stattdessen gibt es Grillenzirpen, Froschquaken und eine große Wiese mit taunassem Gras. Hier besteht der Tagesspaß zum Beispiel aus Mountainbikefahren mit einer anschließenden Raftingtour für Anfänger. Der Kapitän des Gummibootes stellt auf dem sanften Flüsschen sicher, dass seine Schäfchen bei den drei, vier kleinen Stromschnellen ordentlich nass werden - perfekte Abkühlung nach schweißtreibender Fahrradtour.

"Oh mein Gott!" schreien die Touristen, wenn eine Wasserladung kommt - "Oh mein Buddha!" antwortet der Kapitän und lacht.

Nicht weit von Dton Loong liegt das Dorf Tonlung, in dem der Akha-Stamm zu Hause ist. Die 70-jährige Mgu lädt Besucher gerne zum Tee ein, den sie in Bambusrohrbechern serviert. Sie zeigt ihre kleine zwei Räume große Hütte und die Strohwände, die jetzt im Sommer für frischen Wind sorgen. Im Winter kann es aber eisig pfeifen - und Mgu zeigt scheu auf das Steinhaus nebenan, das ihr Sohn gebaut hat. Dort wohnt sie, wenn sie kalte Füße bekommt.

Christiane Oelrich, dpa

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Nordwesten Thailands: Tempel und Traditionen