Maya-Stadt Tikal: Antike Wolkenkratzer im Dschungel

Abenteuer Tikal: Die alten Maya-Ruinen liegen inmitten der Wildnis von Guatemala. Wer die Pyramiden besichtigen möchte, muss früh aufstehen - und sich vor zielsicheren Brüllaffen in Acht nehmen. 

Tikal in Guatemala: Warnung vor der Wildnis Fotos
TMN

Dichter Nebel liegt über dem Dschungel. In den Baumwipfeln schreit ein Affe, am Boden bahnen sich Blattschneideameisen den Weg zu ihrem Bau. Wer sich nach Tikal begibt, fährt in die Wildnis. Die Maya-Ruinen liegen im Norden Guatemalas, im Herzen des riesigen Departamento Petén. Hier gibt es keine großen Städte, kein enges Straßennetz, sondern Regenwald und wilde Tiere.

Wer Tikal so intensiv wie möglich erleben möchte, muss früh aufstehen. Am Morgen sind die Tiere am aktivsten, und nur wenige Besuchergruppen sind auf dem riesigen Gelände unterwegs. Ausgangspunkt für viele Touren ist die Stadt Flores, etwa 60 Kilometer von den Stätten entfernt.

Früh aufstehen heißt allerdings wirklich früh: Die Pforten zu den Maya-Stätten öffnen um 6 Uhr, die ersten Shuttle-Busse starten gegen 5 Uhr. Auf ein Nickerchen im Bus sollte man dennoch verzichten. Denn der Weg zu den Ruinen ist fast genauso spannend wie die antike Maya-Stadt selbst.

Links Dschungel, rechts Dschungel: Die schnurgerade Straße zu den Ruinen gleicht einem grünen Tunnel. Nur die knallgelben Warnschilder, die ab und zu am Straßenrand vorbeirauschen, lenken den Blick vom Grün-im-Grün des Dickichts ab. Ein Schild zeigt eine stilisierte Schlange, das nächste einen Truthahn, ein anderes einen Jaguar. Für den Fahrer sind sie das Zeichen "Achtung, wilde Tiere überqueren die Straße", den Besucher bereiten sie schon mal auf das vor, was ihn bald erwartet.

Flitzende Nasenbären und ein großer Jaguar

Die Fahrt endet auf einem Platz mit Restaurants, Hotels, Museen und einem Campingplatz. Maya-Frauen in traditionellen Trachten verkaufen Souvenirs. Wer zu den Stätten ihrer Vorfahren will, hat noch einmal 20 Minuten Fußweg vor sich.

Beim Marsch durch den Regenwald werden alle Sinne beansprucht: Eine Gruppe Nasenbären flitzt über den Weg, im Hintergrund krakeelen Vögel, es riecht nach nasser Erde. Ein Schild warnt vor Brüllaffen, "die Touristen mit ihrem Kot bewerfen, um auf sich aufmerksam zu machen".

Alles dampft, als die erste gewaltige Pyramide zwischen den Wipfeln auftaucht. Es ist der 45 Meter hohe Tempel des Großen Jaguar. Gemeinsam mit dem gegenüberliegendem Tempel der Masken rahmt er das Herzstück der antiken Maya-Stadt ein, den Großen Platz.

Die Steine der antiken Wolkenkratzer sind mit hellen Flechten und dunkelgrünem Moos bedeckt. In den Morgenstunden sind kaum Menschen auf dem Gelände. Erst am Vormittag wird es zwischen den Ruinen lebendiger. Besuchergruppen werden um die Steinberge geführt, die knalligen Farben ihrer Regenjacken blitzen zwischen dem satten Grün des Dschungels hervor. Auf einige der Tempel können sie sogar hinaufklettern.

Etwa auf den Tempel der zweiköpfigen Schlange. Oliverio Mateo Sintú stapft die Holztreppen zur Spitze hinauf, eine Gruppe Touristen trottet hinterher. Seit 22 Jahren arbeite er hier, erzählt er stolz. Sintús Tour dauert vier Stunden - obwohl das natürlich lange nicht ausreiche, meint er und lacht dabei. "Man braucht mindestens drei Tage, um die wichtigsten Sachen zu sehen." Schließlich seien mehrere tausend Sehenswürdigkeiten über das gesamte Gelände verteilt.

Schauriges Gebrüll in der Ferne

Lange bevor Tikal zu einem der Zentren der Maya wurde, siedelten an dem Ort einfache Bauern, erklärt Touristenführer Sintú. Im Laufe der Zeit gewann die Stadt immer mehr an Bedeutung, zur Blütezeit sollen bis zu 100.000 Menschen in der Metropole gelebt haben.

Im Jahr 1979 wurde der Nationalpark Tikal von der Unesco zum Weltkultur- und Weltnaturerbe erklärt, er erstreckt sich über eine Fläche von 576 Quadratkilometern. Mittlerweile gehört die antike Stadt zu den Hauptsehenswürdigkeiten des Landes.

Der Tempel, auf dem die Gruppe von Touristenführer Sintú nun steht, ist mit rund 65 Metern der höchste der antiken Stadt. Von hier aus hat man einen weiten Blick über das Gelände - meistens jedenfalls. Drei Tempelspitzen ragen in der Ferne aus dem Dickicht des Dschungels, zu sehen sind sie nur sehr kurz. Dann verdecken dichte Nebelschwaden die Pyramiden.

Kurze Zeit später ertönt ein schauriges Gebrüll in der Ferne. Das Röhren der Brüllaffen ist kilometerweit zu hören. Es zeigt den Besuchern einmal mehr, wo sie sind. Tikal: Hier gibt es keine großen Städte, kein enges Straßennetz, sondern Regenwald und wilde Tiere.

Lisa Krassuski/dpa/dkr

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