Geschichte eines Reisetipps: Segeltörn ans Ende der Welt
Zwei einsame Inseln im Pazifik: ohne Geld, ohne Läden, ohne Polizei - mit Menschen, die in einer anderen Zeit zu leben scheinen. Der Reisetipp des Seglers Klaus Hympendahl auf unserer interaktiven Weltkarte machte uns neugierig. Hier ist die ganze Geschichte.
Tikopia und die winzige Schwesterinsel Anuta sind die letzten polynesischen Inseln mit traditioneller Kultur. Die Bewohner leben am Rande der Steinzeit. Ohne Geld, Läden, Beamte. 2-3 Mal kommt das Versorgungsschiff. Ihr Vorteil: Man kommt nicht hin - die Inseln liegen zu entfernt.
So lautet der Reisetipp von Klaus Hympendahl auf der neuen interaktiven Reise-Weltkarte von SPIEGEL ONLINE. Hier berichtet er nun ausführlicher von seinen Erlebnissen im Pazifik:
Nach einem Auftritt in einer Fernsehshow vor ein paar Wochen bekam ich viel Post: Mehr als 500 gebrauchte Tabakpfeifen schickten mir die Zuschauer. Denn ich hatte erzählt, dass die auf den Pazifikinseln Anuta und Tikopia das beliebteste Geschenk und von unschätzbarem Wert sind.
Regelmäßig fahre ich mit einem Segelboot auf diese beiden abgelegenen Inseln, die zu den Salomonen gehören. Entdeckt habe ich sie 1989, als ich nach Regionen im Pazifik suchte, in der Einflüsse der westlichen Zivilisation noch nicht die Traditionen komplett verändert haben.
Als ich ankam, wurde ich mit Tanz und Gesang empfangen, seitdem hat mich die Herzlichkeit der Menschen dort nicht mehr losgelassen. Es gibt keine Polizei, keine Shops, keine Boote mit Außenbordmotoren. Die Menschen leben in Hütten mit geflochtenen Sagopalmdächern. Der Stammeschef auf Tikopia war damals schwer krank, er hatte eine Lungenentzündung. Mit einem Medizinbuch und mitgebrachten Antibiotika konnte ich ihm das Leben retten, danach hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Nasenkuss zur Begrüßung
Die Schönheit der Natur und die Würde der Insulaner lassen niemanden kalt. Auf einer meiner letzten Reisen war ich mit einer kleinen Segler-Gruppe aus Wirtschaftsbossen, Ärzten und Professoren dorthin unterwegs. Vorher hatte ich große Bedenken, wie sich diese "Alphatiere" in der einfachen, ungewohnten Welt verhalten würden, wo sie auf harten Matten sitzen müssen und Ärger mit den Mücken und der erbarmungslosen Sonne haben. Doch als sie dort waren, zeigten sie echte Demut vor den lokalen Bräuchen. Zu denen gehört der traditionelle Nasenkuss, bei dem man die Nasen aneinander reibt und ausgiebig seufzt. Und um Respekt vor seinem Gastgeber zu bekunden, krabbelt man nur auf allen Vieren in eine Hütte hinein.
Ein- oder zweimal im Jahr bringt ein rostiges Versorgungsschiff Petroleum und Angel-Utensilien, ansonsten sind die Menschen von der Zivilisation abgeschnitten. Sie leben von dem, was Landwirtschaft und Fischfang hergeben. Ganz steinzeitlich geht es allerdings nicht zu, dafür haben schon vor 100 Jahren Missionare gesorgt: Sonntags gehen die Einheimischen auf Tikopia in den christlichen Gottesdienst, als Kirchenglocke fungiert eine rostige Industrie-Sauerstoffflasche.
1997 habe ich für drei Monate auf der Insel gelebt, seitdem heiße ich "Pa Terauola": "Der Mann, der im Haus am Meer wohnt". Ein Tattoo habe ich auch, mit Haizähnen wurde mir ein Häuptlingssymbol in den Oberarm geritzt, eine große Ehre. Immer wieder versuche ich, mich für die Herzlichkeit der Menschen zu revanchieren: Inzwischen habe ich schon mehr als tausend Pfeifen und Hunderte gebrauchte Brillen an die Ureinwohner verschenkt - sowie zwei Segelboote, die eine Mischung aus traditioneller Pazifik-Bauweise und Hightech-Materialien sind.
Mit den Schiffen habe ich vor vier Jahren eine Expedition zu den Inseln unternommen, 4000 Seemeilen von den Philippinen aus bis nach Tikopia. Wir navigierten ohne GPS und Sextant - so fühlten wir uns schon auf dem Wasser um tausend Jahre zurückversetzt, nicht erst bei der Ankunft.
Aufgezeichnet von Stephan Orth
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- Freitag, 27.04.2012 – 11:58 Uhr
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- Klaus Hympendahl:

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