Von Helge Sobik
Sir Bani Yas ist groß genug dafür, die Discovery Islands wären zu klein. Außerdem gibt es in der Nähe noch eine weitere größere Insel quasi in Reserve. Und auch mit der gehen die sonst auf der Arabischen Halbinsel schnell zu großen Würfen neigenden Tourismusstrategen sehr vorsichtig um. Dalma, 33 Quadratkilometer groß und 32 Kilometer vor der Küste gelegen, ist anders als die ansonsten unbewohnten Inseln des Archipels Heimat von 5000 teils alteingesessenen Einwohnern. Besiedelungsspuren reichen 7000 Jahre zurück, Archäologen arbeiten dort an mehreren Stellen.
Dalma ist - mit ein bisschen Übertreibung - die Kornkammer der Region, war regionales Zentrum fürs Perlentauchen und den Perlenhandel. Und noch heute gibt es auf Dalma einen Dhau-Hafen und Bootsbauer, die diese bauchigen traditionellen arabischen Handelsschiffe mit nur wenigen Hilfsmitteln am Ufer zusammenzimmern. Diese Insel soll sehr behutsam für den Tourismus erschlossen werden und in den nächsten Jahren zunächst eine indirekte Rolle als eine Art Versorgungseinheit für die Antilopen-Insel Sir Bani Yas spielen. Erst in einem zweiten Schritt ist ein archäologisches Museum vorgesehen, eine Marina für Freizeitboote, eine neue Hafenzeile mit Restaurants und Geschäften. Irgendwann in der Zukunft.
Vorfahren konnten Lebensraum erhalten
Bereits seit 2008 gibt es auf Dalma das Desert Islands Education Centre. Dort werden Einheimische für Jobs im Naturpark ausgebildet, sollen Wildhüter, Tourguide oder Tierpfleger werden können - oder die Grundvoraussetzung für Mitarbeit in den Hotels und Restaurants lernen. "Es ist wichtig, die Emirater selber in den Tourismus einzubinden - gerade dann, wenn es darum geht, Kultur und Geschichte einer Insel am Leben zu erhalten", heißt es dazu aus dem Hauptquartier der Tourismusbehörde in Abu Dhabi.
Und im Zusammenspiel wird klar: In diesem Fall geht nicht um schnelles Geld. Und auch nicht darum, die Gegend unter reichlich Verwendung von Beton, Stahl und Glas möglichst eilig umzudekorieren, um rasch ein Resultat der eigenen planerischen Aktivität zeigen zu könne. Hier scheint es wirklich darum zu gehen, etwas von Bestand zu erschaffen. Besser noch: es zu erhalten.
Warum? Weil Scheich Zayed mal diesen klugen Satz gesprochen hat: "Unsere Vorfahren überlebten unter den Bedingungen dieser Gegend - an Land und auf dem Wasser. Sie waren dazu deshalb in der Lage, weil sie die Feinfühligkeit mitbrachten, ihren vertrauten Lebensraum zu erhalten."
Einen Trost für die Planer der nun verworfenen Stelzenhütten-Luxushotels mit den Kokospalmen gibt es: Abu Dhabi hat über 200 natürliche Inseln - viel Fläche, um eines Tages außerhalb der Desert und der Discovery Islands hochfliegende Pläne von Traumhotels an weißen Stränden und türkisblauen Wellen umzusetzen.
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