Tourismusprojekt in Tansania: Am Feuer der Massai

"Takwenya!" "Iiko" – in Tansania gehen die Menschen nicht grußlos aneinander vorbei. Der Austausch von Neuigkeiten ist dort lebenswichtig, wo es kein Radio gibt. Den Alltag in einem Massai-Dorf lernen die Teilnehmer des "Cultural Tourism Programm" kennen - beim Kochen, Essen und Tanzen.

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Hamburg/Arusha - Mit Tansania verbinden die meisten vor allem Serengeti, Kilimandscharo und Sansibar, Tiere, Steppe und Strand. Kontakte mit Einheimischen beschränken sich oft auf die Fahrer der Safari-Wagen, Hotel-Angestellte und Kinder, die am Straßenrand für Fotos posieren. Um den Touristen etwas vom Leben, der Kultur und der Tradition des ostafrikanischen Landes zu vermitteln, wurde das "Cultural Tourism Programme" geschaffen: Einheimische Führer nehmen Gäste mit in ihr Dorf und lassen sie am Alltag teilhaben.

Derzeit können im Rahmen der staatlich geförderten Initiative 24 Projekte besucht werden - überwiegend im Norden Tansanias. Jede Tour wird aus einzelnen Bausteinen individuell zusammengestellt. Eine Wanderung kann ebenso dazu gehören wie der Besuch eines lokalen Forstprojekts, einer Tanzgruppe oder eines traditionellen Heilers. Besonders wichtig ist hierbei die Authentizität. "Man kriegt nicht irgendetwas vorgespielt, was den Touristen vielleicht gefallen könnte, sondern hier wird Realität vorgelebt", sagt Ole Daniel Molel, der Koordinator der Osotwa-Initiative. Das Projekt liegt rund 15 Kilometer nordwestlich von Arusha. Hier leben die Waarusha, eine Untergruppe der Massai, die sich früh niederließ und Viehhaltung mit Ackerbau verbindet.

Schon die Anreise ist ein Abenteuer, denn sie muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie einem Taxi oder den von Einheimischen genutzten und meist vollbesetzten Mini-Bussen zurückgelegt werden. Die Fahrt endet in Ngaramtoni, wo donnerstags und sonntags ein großer Viehmarkt Einheimische aus der ganzen Region anlockt. Von hier aus geht es zu Fuß durch Mais- und Kartoffel-Felder, vorbei an Bananen - und Kaffeeplantagen und unzähligen Hütten. Immer im Blick ist der Mount Meru, mit 4566 Metern nach dem Kilimandscharo der zweithöchste Berg Tansanias.

Besuch im Boma

Während der Wanderung lernen die Gäste ihre erste Lektion: "Takwenya!" "Iiko." - "Hallo, wie geht es?" "Hallo, gut." Im Laufe des Tages kann dieser Minidialog intensiv geübt werden, denn in Tansania gehen die Menschen nicht grußlos aneinander vorbei. Die meisten bleiben sogar stehen und halten einen kurzen Plausch. "So verbreiten wir hier unsere Neuigkeiten", erklärt Ole Daniel. "Wir haben keine Zeitungen und kein Radio. Wenn wir uns unterwegs treffen, erzählen wir uns wie es ist, wo wir gerade herkommen."

Zu einem Tag bei den Massai gehört der Besuch eines Boma, eines traditionell umzäunten Hofes, zu dem mehrere Hütten, Häuser und Ställe gehören. Hier leben die Familien mit ihren Kindern und Tieren. Wer Glück hat, wird sogar von einem traditionellen Führer in seine Hütte gebeten und kann von ihm etwas über seine Aufgaben erfahren. Auch wenn im Dorf ein besonderes Fest stattfindet, sind die Gäste herzlich eingeladen, beispielsweise zur Abschlussfeier der Grundschule. Dazu haben sich die meisten Dorfbewohner auf der großen Wiese vor der Schule versammelt, einige Schüler zeigen traditionelle Tänze und singen. Begleitet werden sie auf Trommeln, die auch die Besucher bald zum Tanzen und Klatschen animieren.

Projekte kommen Einheimischen zugute

"Wir wollen unsere Gäste nicht wie Eindringlinge behandeln, sondern wie unsere Freunde", sagt Ole Daniel. Und so lädt er die Touristen auch immer zu einem traditionellen Essen in sein Haus - mit einem "Karibu sana!", einem "Herzlich Willkommen". Dann wird aber dem offenen Feuer gegrilltes Ziegenfleisch mit scharfem Reis serviert und "Ugali", ein zähflüssiges Getränk aus Maismehl und Milch. Die Gäste lernen aus Perlen Handarbeiten zu fertigen und mit traditionellen Hilfsmitteln Kaffee und Mehl zu mahlen - sehr zum Spaß der umstehenden Kinder.

Neben dem Gewinn für die Touristen ist das 1997 vom Tanzania Tourism Board ins Leben gerufene "Cultural Tourism Programme" ein Versuch, die Einheimischen am Geschäft mit dem Tourismus teilhaben zu lassen. Die Einnahmen aus den Touren kommen unmittelbar den Menschen und der Gemeinde zugute. Der Preis variiert je nach Dauer und den gewählten Bausteinen. Eine Halbtagestour beim Osotwa-Projekt gibt es beispielsweise ab 15 Euro, eine Ganztagestour ab 20 Euro. Hinzu kommen einige Euro für das Essen und den Transport. Die Touren können über das Tanzania Tourist Board in Arusha gebucht werden. Meist reicht es, am Tag vor der geplanten Tour zu buchen.

Von Simone Utler, AP

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