Deutsche Touristen in Hurghada Urlaub im Goldenen Käfig

Blauer Himmel, klares Wasser, leere Liegestühle: Während Ägypten eine Staatskrise erlebt, wirkt der Urlaubsort Hurghada wie eine Parallelwelt aus dem Urlaubskatalog. Wer nicht vorzeitig abgereist ist, bleibt trotzdem lieber im Hotel - denn Gerüchte schüren die Ängste der Besucher.

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Aus Hurghada berichtet


"So viele Deutsche. Haben die denn gar nicht mitbekommen, was in Ägypten los ist?" Der Taxifahrer Gamal Mohammed lacht, als er ein paar deutsche Touristen erblickt, die sich durch die Ankunftshalle des Flughafens von Hurghada schieben. In der Chartermaschine aus Düsseldorf war zwar nur jeder vierte Sitzplatz besetzt, doch das sind mehr als noch in der vergangenen Woche. Da habe er manchmal pro Tag nur einen einzigen Gast vom Flughafen in eines der unzähligen Hotels gebracht, sagt Mohammed.

Seit Beginn der blutigen Zusammenstöße zwischen den ägyptischen Sicherheitskräften und den Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi sind in Kairo und anderen Städten nach offiziellen Angaben mehr als 900 Menschen getötet worden. Viele deutsche Touristen, die ihren Sommerurlaub in den Badeorten am Roten Meer verbringen, wollen deshalb nur noch eins: nichts wie weg, zurück nach Hause. Die Maschinen, die in den nächsten Tagen nach Deutschland fliegen, sind deshalb weitgehend ausgebucht, sagt ein Flughafenmitarbeiter in Hurghada.

Seit vergangenem Freitag rät das Auswärtige Amt ausdrücklich von Reisen nach Ägypten ab - auch in die Touristenhochburgen am Roten Meer. Trotzdem sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) derzeit noch einige zehntausend deutsche Urlauber im Land.

Panzer in Hurghada?

Einer von ihnen ist Pamela Schramm aus Recklinghausen. Sie verbringt seit zehn Tagen ihre Ferien mit Freunden am nördlichen Rand von Hurghada. "Ich war gerade im Hotel angekommen, da flimmerten die schrecklichen Bilder von den Toten in Kairo über den Bildschirm", sagt Schramm. "Da war der Urlaub für mich im Grunde gelaufen."

Die Reiseleitung habe überfordert gewirkt. Niemand habe sagen können, ob die Lage in Hurghada noch sicher sei. Stattdessen machten wilde Gerüchte die Runde. Davon, dass auch in der 150.000-Einwohner-Stadt inzwischen Panzer aufgefahren seien und ganze Straßenzüge abgeriegelt wurden. Gesehen hat die Panzer noch niemand, außer der Bruder eines Hotelmitarbeiters. Angeblich.

Bei Ausschreitungen in Hurghada soll in der vergangenen Woche auch ein Mensch getötet worden sein. Die Behörden bestreiten diese Darstellung und sprechen stattdessen von einem Unfall. Viele Hotels raten ihren Gästen trotzdem davon ab, in die Stadt zu gehen. Ob aus echter Sorge um die Urlauber oder als Versuch, die Kunden dazu zu bringen, ihr Geld lieber im Hotel auszugeben, bleibt unklar.

Pamela Schramm hält sich an den Rat der Hotelleitung. Sie hat die Anlage bisher nur für zwei Schnorchelausflüge verlassen. In der Stadt war sie noch nicht. "Die Leute hier im Hotel haben gesagt, die Lage sei unberechenbar und könnte jederzeit eskalieren", sagt Schramm. Die sonst obligatorischen Tagesausflüge nach Kairo oder Luxor haben die Reiseveranstalter ohnehin längst abgesagt.

"So schön war es noch nie"

Für viele Urlauber am Roten Meer gleichen die Hotels derzeit einem goldenen Käfig - in dem es sich sehr gut aushalten lässt. Das Thermometer zeigt 32 Grad, keine einzige Wolke steht am Himmel. Das Wasser des Meeres schimmert türkis und ist kristallklar. Trotzdem sind an den Stränden und Swimmingpools vieler Hotels die meisten Liegen verwaist. Wegen der instabilen Lage in Ägypten haben viele Urlauber in diesem Jahr von vornherein andere Ziele angesteuert oder kurzfristig umgebucht.

Die Einkaufsstraßen in Hurghadas Touristenviertel Sekalla wirken deshalb fast wie ausgestorben. Die meisten Caféstühle bleiben leer, Ladenbesitzer warten oft vergeblich auf Kundschaft. Am Abend erwecken Leuchtreklamen und Festbeleuchtung zwar den Eindruck einer pulsierenden Urlaubsmetropole, doch das ist mehr Schein als Sein. Es sind ohnehin weniger Gäste in der Stadt als sonst, und von denen bleiben viele in ihren Hotels. Dabei sind im Stadtbild ein paar Grafitti die einzigen Hinweise auf den Machtkampf in Ägypten - von Panzern oder auch nur einem erhöhten Polizeiaufgebot keine Spur.

Doch es gibt auch Feriengäste, die sich in der aktuellen Situation ganz bewusst für einen Urlaub am Roten Meer entschieden haben. Einer von ihnen ist Herbert Kaiser aus Leverkusen. Er ist mit seinem zehn Jahre alten Sohn zum dritten Mal in Hurghada. "So schön wie in diesem Jahr war es noch nie", schwärmt er. 500 Euro zahle er für eine Woche - all inclusive. In den vergangenen Jahren habe er für schlechtere Hotels deutlich mehr zahlen müssen, sagt Kaiser. Auch damals seien die Anlagen nicht ausgebucht gewesen, doch nie war es so leer wie heute.

Zusammen mit seinem Sohn reiste er erst Anfang dieser Woche an. Freunde hätten ihn gewarnt: "Wie kannst du denn jetzt da hinfahren. Da unten ist doch Krieg!" Kaiser gibt sich unbeeindruckt. "Wenn ich die Bilder von den Krawallen in Kairo sehe, sage ich mir: Das ist ein anderes Land. Für mich ist das hier mein Ägypten", sagt er und zeigt auf den Pool und die Palmen.



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Seite 1
women_1900 22.08.2013
1.
Ich würde ebenfalls sofort dorthin in Urlaub fliegen. Muss jetzt herrlich sein dort zu tauchen. Das Hotel habe ich bei meinen letzten Urlaub eh nie verlassen, zu nervig die Straßenhändler. Hinfliegen tauchen, tauchen, tauchen und wieder heim. Keine überfüllten Strände, keine nervigen Urlauber - so sieht Ruhe aus. Und ich denke, die Militärs haben das Land schnell im Griff. Dann wirds auch für weibliche Touris wiede etwas sicherer. Ist zwar schade, aber die Menschen sind noch lange nicht soweit mit halbwegs demokratischen Strukturen umzugehen.
to5824bo 22.08.2013
2. Unverantwortlich
Dass Leute ihren gebuchten Urlaub nicht abbrechen, kann ich noch einigermassen nachvollziehen. Aber nun nach den schrecklichen Ereignissen und angesichts der völlig ungewissen Situation dorthin zu fahren, weil es so schön leer und billig ist, finde ich ziemlich unverantwortlich. Erst recht, wenn man nicht nur sich selbst, sondern auch noch ein 10jähriges Kind damit in Gefahr bringt.
ool 22.08.2013
3. Genau, und wenn es doch schief gehen sollte,...
... holt Euch ohnehin der Guido mit dem Regierungsjet raus und am Jahresende gibts es vielleicht sogar noch einen versüßenden Auftritt bei Günther Jauch. In einem sich unter solchen Opfern und Schmerzen neu sortierenden Land nur an "Tauchen, Tauchen, Tauchen" zu denken ist nicht nur pietätlos, sondern gegenüber dem deutschen Steuerzahler auch in höchstem Maße assozial !
der-schwarze-fleck 22.08.2013
4. Schade um eine Wiege der Menschheit
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEBlauer Himmel, klares Wasser, leere Liegestühle: Während Ägypten eine Staatskrise erlebt, wirkt der Urlaubsort Hurghada wie eine Parallelwelt aus dem Urlaubskatalog. Wer nicht vorzeitig abgereist ist, bleibt trotzdem lieber im Hotel - denn Gerüchte schüren die Ängste der Besucher. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/touristen-in-hurghada-deutsche-urlauber-in-aegypten-a-918078.html
Ist eigentlich mal ernsthaft untersucht worden, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit eine Demokratie entstehen und sich entwickeln kann. Bis dato habe ich den Eindruck, dass alle dahingehenden Versuche in islamischen Ländern zum scheitern verurteilt sind. So etwas hat doch Gründe. Vielleicht sollte man da mal ansetzten und dann auf weitere sinnlose Versuche verzichten, bis sich die Bedingungen so geändert haben, dass so etwas fragiles wie Demokratie auch entstehen und überleben kann. Alles Andere wäre zynisch, da die vielen Toten dann billigend in Kauf genommen werden.
mermaid2012 22.08.2013
5.
vielleicht bin ich ja einfach nur von gestern. aber ich würde nicht irgendwo strand- und pool-urlaub machen wollen (in der entsprechend wenig vorhandenen kleidung) und abends vielleicht noch in strandbars, wenn sich in dem land solche dramen abspielen. das fände ich einfach geschmacklos. was sich dann in den köpfen dieser gebeutelten menschen abspielen mag?
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