"Tribute von Panem"-Schauplätze "Ich dachte, das ist ein kleiner Independent-Film"

Das Finale der "Tribute von Panem"-Reihe läuft in den Kinos. Das beste Reiseziel für Filmfans? North Carolina. Dort stehen noch die Kulissen - und Einheimische erzählen Anekdoten von den Dreharbeiten.

Von Kristin Oeing

Visit North Carolina

"Schnell, schnell, bevor sie uns rausschmeißen!", raunt der Mann mit grauer Hose und Notizmappe in der Hand, er eilt durch eine Eisengittertür und steigt eine Treppe hinauf. Dann blickt George Peroulas andächtig auf den leeren Vorplatz des Convention Centers in Charlotte, der größten Stadt North Carolinas. Normalerweise ist der durch einen Zaun versperrt, doch zufällig war die Tür offen. Unangemeldete Besucher werden trotzdem nicht so gern gesehen. Ein bisschen Nervenkitzel, fast wie im Film.

Nun sieht man: eigentlich nichts. Graue Gehwegplatten, graue Betonwände, grauen Himmel. "Wir stehen tatsächlich genau dort, wo sie gestanden haben", sagt Peroulas. Mit "sie" meint er die beiden Hollywood-Schauspieler Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson, die in den Bestseller-Verfilmungen von "Die Tribute von Panem" die beiden Hauptdarsteller spielen: Katniss und Peeta. Seit dem 19. November läuft der letzte Teil der Serie in den deutschen Kinos.

Peroulas ist Schauspieler, Produzent und Moderator. Beim Dreh von "The Hunger Games", dem Start der Trilogie, war er einer von 300 Statisten. Er spielte einen der bourgeoisen und blutrünstigen Bewohner des Kapitols - genau vor dem wuchtigen Glasbau des Convention Centers. Doch heute ist der Platz verlassen. Es nieselt. Keine Menschenseele ist zu sehen. Nur Peroulas sieht sie noch, die schrill verkleideten Menschen, die großen Greenscreens, die aufgeregte Masse. Kameras, Megafone, Maskenbildner.

Auf einer zweistündigen Filmtour berichtet er von seinen Erlebnissen am Set. "Damals drehte die Crew unter dem Decknamen Artemis", berichtet er, "alles war streng geheim. Selbst wir Statisten durften nur hinter langen Stoffbahnen versteckt über die Straße zum Drehort laufen." Es sollten eben keine Details vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangen.

Video: Gute und Schlechte Zeiten am Set

Studiocanal
Peroulas zeigt auf einen vierstöckigen Bau in metallischer Optik mitten im Stadtzentrum: das Knight Theatre. "Hier stand Katniss in ihrem bodenlangen, feuerroten Kleid auf der Bühne", erinnert er sich. "Sie musste sich immer und immer wieder drehen, irgendwann wurde ihr schwindelig." Peroulas kennt enorm viele Details: in welchen Hotels die Darsteller wohnten, wo die Filmcrew einkaufte, was sie gegessen haben.

Krimskrams für 50.000 Dollar

Wer das Kapitol verlassen und die Kohleminenstadt "Distrikt 12" aus dem Film besuchen will, muss 30 Minuten lang der Interstate 85 in Richtung Nordosten folgen, zum "Depot at Gibson Mill" in Concord, eine 88.000 Quadratmeter große Antiquitäten-Mall. In den unzähligen vollgestopften Gängen finden nicht nur kreative Vintage-Begeisterte und Krimskrams-Sammler, sondern auch Requisiteure allerlei Brauchbares. Alte Möbel, Haushaltswaren, Nippes.

"Ich war beeindruckt, wie viele seltsame Sachen sie kauften", sagt Betreiberin Janna Baker. Eines Tages hätte die Filmcrew einfach auf der Matte gestanden und tonnenweise alte Gegenstände mitgenommen. Verrostete Mistgabeln, zerfledderte Körbe, "alles primitiver Kram, dunkel, feucht, verrostet, verkrustet. Der Preis war ihnen egal". Sie kamen immer wieder, türmten altes Zeugs in großen Einkaufswagen auf, gaben 50.000 Dollar aus. "Erst dachte ich, es sei nur ein kleiner Independent-Film, den sich später niemand anschaut", sagt Janna Baker und lacht. Weit gefehlt: Der Film wurde zum Kassenschlager und spielte allein in den USA an den ersten drei Tagen 155 Millionen Dollar ein.

Video: Heldinnen, alte Männer und die Macht

Einige Requisiten aus dem Depot kamen in die Wohnsiedlung von "Distrikt 12". Um dorthin zu gelangen, muss man der Interstate 40 nach Westen folgen, Ausfahrt 119. Das Henry River Mill Village war einst Wohnort von Textilfabrikarbeitern. Doch nach der Schließung der Fabrik Ende der Sechzigerjahre verließen die ehemaligen Arbeiter das Dorf. Heute stehen noch 20 Gebäude in der Geisterstadt.

Beim Bäcker von Peetas Familie

An einem stehen die Worte "Pastries" und "Cakes" an der Wand, die Fenster sind vergittert, die Türen verrammelt. "Die Schrift hat die Filmcrew nach dem Dreh drangelassen", sagt Suzanne Brown von der North Carolina Division of Tourism, Film and Sports Development. "So können Besucher den Ort leicht als die Bäckerei von Peetas Familie aus dem Film wiedererkennen."

Ein paar Meter die Straße runter steht Katniss' Zuhause, eine weiße Bretterbude mit verrostetem Wellblechdach und eingeschlagenen Scheiben. Noch immer weht mit der Trostlosigkeit des Ortes ein Hauch von "Distrikt 12" durch die Straßen.

Filmszene aus "Die Tribute von Panem": Riesenerfolg an den Kinokassen
ddp images / United Archives

Filmszene aus "Die Tribute von Panem": Riesenerfolg an den Kinokassen

Fans reisen als Nächstes in den DuPont State Recreational Forest - zur "Arena", jenem Ort, an dem die Tribute um ihr Leben kämpften. Am Eingang des Waldes steht Tammy Hopkins und wartet auf die Besuchergruppe. Früher arbeitete sie hier als Ranger, heute ist sie die Filmbeauftragte der Gegend.

Im DuPont-Wald bekommt jeder ein Panem-Überlebenspaket, eine Papiertüte gefüllt mit kleinen Naschereien - Beeren, Ziegenkäse in Basilikumblättern, Trockenfleisch in einer verschließbaren Dose, wie jene, die die Sponsoren in die Arena schickten.

Teppiche gegen Rutschgefahr

Ein kleiner Pfad führt durchs Dickicht zu einem Fluss, im Hintergrund rauschen drei Wasserfälle in die Tiefe. Hopkins zeigt auf einen Grasbüschel auf dem steinigen Untergrund. "Ihr lauft in Katniss' Spuren. Hier kniete sie, sah Peetas Blut und folgte seinen Spuren, bis sie ihn schließlich mit Blättern und Matsch getarnt in einer Felsenspalte liegen sah."

Hopkins hält laminierte Bilder vom Drehgeschehen hoch. Auf ihnen sind Dutzende Menschen in kurzen Hosen zu sehen, ein riesiges Sonnensegel, Kameras, und in der Mitte die Hauptdarsteller, nass, blutend, offensichtlich viel zu warm angezogen. "Hier standen große Kamerakräne, das feuchte Steinplateau am Fluss war mit Teppich ausgelegt, damit niemand ausrutschte", sagt Hopkins. "16 Freunde von mir haben im Film mitgespielt."

Zum Abschluss schenkt Hopkins jedem ein Stück Strick. "Originalmaterial der Filmkulisse", sagt sie. Mit den Stricken wurden zwar lediglich die Wege für die Filmcrew befestigt. Doch echte Filmfans schmeißen das Souvenir bestimmt nicht weg: Könnte ja sein, dass Katniss oder Peeta es mal angefasst haben.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleser22 23.11.2015
1. Ich habe mir den Film im Kino angeschaut.
Und ich war bitter enttäuscht. Der vierte Teil ist absolut nicht gut. Einer von den Filmen wo man denkt, wieso ist man nur ins Kino gegangen. Handerklich gut gemacht, aber das Drehbuch ist so etwas von schlecht. Man kommt nicht mit einem guten Gefühl aus dem Kino, sondern mit einem Kopfschütteln. Der Film hat mir absolut nicht gefallen.
fatherted98 23.11.2015
2. Das mit...
...dem Independent Film stimmt...hatte ich schon bei der ersten Folge gedacht...aber das ist ja gerade der Reiz an der Geschichte....ausnahmsweise mal nicht die Hochglanz-Helden bei denen jede Haarsträhne auch nach den übelsten Schlägereien sitzt...und die nach Explosionen ohne ein Stäubchen auf der Jacke zur Bar schlendern und sich dort einen Martini gönnen.
proby 23.11.2015
3.
Es waren 3 Bücher, ist aber schon der vierte Film.
spon-facebook-10000181798 23.11.2015
4.
ich hoffe doch diese belanglose "Tour" der Einheimischen ist kostenlos und dient der kurzweiligen Überbrückung von Wartezeit bis zum Flieger.
wanderer777 23.11.2015
5. Den klassischen
Heute noch Drehorte zu besuchen ist unsinnig. Filme sind längst ein Mosaik aus an verschiedenen Orten und in verschiedenen Studios gedrehten real- und am Computer entstandenen CGI Szenen. Nur so lässt sich der bildgewaltige Aufwand realisieren, den wir heute von einem Blockbuster auch erwarten.
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