Trügerische Gesten Mit dem gereckten Daumen direkt in Teufels Küche

Kopfnicken, gespreizte Finger, erhobener Daumen: In Deutschland werden Gesten eindeutig erkannt. Doch schon in Südeuropa können diese Handzeichen zu brenzligen Situationen führen. Deshalb sollte man die wichtigsten Gesten im Urlaubsland kennen.


Frankfurt an der Oder - Fremde Länder sprechen nicht nur bei den Worten andere Sprachen. Auch Handbewegungen und Gesten können außerhalb des eigenen Kulturkreises zu Missverständnissen führen - und Touristen im Ausland in Teufels Küche bringen. Denn was in Mittel- und Westeuropa zum Beispiel Zustimmung oder Wohlwollen signalisiert, kann anderswo eine Beleidigung sein.

"Probleme kann es immer dann geben, wenn dieselbe Geste unterschiedliche Bedeutungen hat", sagt die Linguistin Cornelia Müller von der Internationalen Gesellschaft für Gestenforschung in Berlin. Vieles sei zwar gar nicht so unterschiedlich, wie häufig angenommen wird. Deutsche könnten aber vor allem in Ländern Südeuropas in unangenehmen Situationen hineingeraten. "Vor allem kann man damit Menschen beleidigen", sagt die Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). "Da können Sie schnell eine dicke Backe riskieren."

Deshalb ist es gut, wenn man sich auskennt. Hier einige Beispiele für Gesten mit mehreren Bedeutungen:

Fingerkreis: Bei der sogenannten Ringgeste formen Daumen und Zeigefinger in Kopfhöhe einen Kreis. "Super", "Spitze" oder "Okay" heißt das in Europa und Nordamerika. In Frankreich und Südeuropa, etwa in Spanien, ist "der Ring" dagegen eine obszöne Geste, die dem westeuropäischen "Stinkefinger" gleichkommt. In Belgien, Frankreich und Tunesien kann die Geste auch so aufgefasst werden, dass das jeweilige Gegenüber als "Null" oder "Wertlos" beschimpft wird.

"Victory-Zeichen": Unfreiwillig komisch war es, als Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nach gewonnener Wahl seinen Sieg durch das "Victory-Zeichen" unterstreichen wollte. Denn wer die Hand dabei verkehrt herum hält, kann in Großbritannien, aber auch auf Malta oder in Australien Probleme bekommen. Zeigt die Handfläche beim V-Zeichen nach innen, heißen gespreizter Zeige- und Mittelfinger dort so viel wie "Steck Dir zwei Finger ins Gesäß". Das kann unter Umständen sogar beleidigender sein als der gereckte Mittelfinger ("Stinkerfinger").

Schlag in die Hand: Mit der Faust in die offene Handfläche zu schlagen, kann unter Umständen für Probleme sorgen. Während Menschen in weiten Teilen Europas und Nordamerikas damit Ärger ausdrücken, kann die Geste im Nahen Osten eine Aufforderung zum Sex signalisieren. In Westafrika bedeutet der Schlag in die Handfläche dagegen "Einverstanden".

Daumen hoch: Der nach oben gereckte Daumen wird in Mitteleuropa weithin als Zeichen der Tramper benutzt. Wird er auf und ab bewegt, ist er allerdings in vielen Mittelmeerländern, aber auch in Russland, im Mittleren Osten sowie in Teilen von Afrika und Australien eine obszöne Beleidigung. Besonders in der Türkei gilt die Geste außerdem als Einladung zu homosexuellen Praktiken.

Hörner: In jedem Fall vermeiden sollten Touristen in Spanien gegenüber Männern die "Hörnergeste", bei der Daumen, Zeigefinger und kleiner Finger von der Faust abgespreizt werden. Damit bezichtigt man sein Gegenüber als betrogenen ("gehörnten") Ehemann.

Anders als in Deutschland signalisieren sich die Menschen in manchen Ländern außerdem Zustimmung und Ablehnung. Andere Gesten für das Verneinen gibt es etwa in Indien, Bulgarien, Griechenland und Süditalien. Ein "Ja" wird dort durch das Links-Rechts-Wackeln des Kopfes ausgedrückt. Das "Nein" dagegen ist kein Kopfschütteln, sondern eine Kopfbewegung aus der neutralen Position nach oben und hinten. Auch das kann für Missverständnisse mit Einheimischen sorgen. In den arabischen Ländern bedeutet Kopfwackeln "Ich verstehe nicht", eine Verneinung wird dagegen nur durch ein kurzes Heben des Kopfes oder nur der Augenbrauen ausgedrückt.

har/gms



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Seite 1
geist4711, 26.05.2006
1.
Beim Besuch diverser Moscheen hielten die "Aufpasser" meinen (damals jugendlichen) Bruder für ein Mädchen und wollten Ihm ein Kopftuch verpassen. Peinlich, wenn man gesitteten Besuchern solch unsitte zutraut.
PM1973, 26.05.2006
2. Am besten gut vorbereiten.
---Zitat von sysop--- In jeder Weltregion gibt es spezifische Umgangsformen und eigene Gesten. Als Reisender tappt man dort nicht selten in Fettnäpfchen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? ---Zitatende--- Nur gute, da ich mich, bevor ich verreise, so gut wie möglich vorbereite.
Mischa Dreesbach, 26.05.2006
3.
Mir ist in Paris in einer Bar etwas peinliches passiert, da war ich gerade siebzehn. Ich trank einen Pernod, und aschte brav in einen silbernen Teller, der am meinem Platz stand, von dem ich annahm, es sei ein Aschenbecher. Der Barkeeper, musterte mich seltsam, wischte den Teller sauber, sagte aber nichts. Das tat er mehrmals, da ich viel rauchte, und ich dachte mir, ob er vielleicht einen Putzfimmel hätte. Aus der Tiefe des Raums kam ein älterer, weißhaariger Mann, sprach mich in gebrochenem deutsch an, und fragte, ob ich Deutscher sei, was ich bestätigte. Er meinte, wir seien so ordentlich, denn ich würde die ganze Zeit in den Teller fürs Wechselgeld abaschen. In dieser Bar sei es üblich die Kippen auf dem Boden auszutreten, und auch auf diesen zu abzuaschen. Ich war froh, daß es so dunkel dort war... (Ich fragte den Herrn noch, woher er deutsch könne. Er habe dies in deutscher Kriegsgefangenschaft gelernt, meinte er.)
Silvia, 26.05.2006
4.
---Zitat von Mischa Dreesbach--- In dieser Bar sei es üblich die Kippen auf dem Boden auszutreten, und auch auf diesen zu abzuaschen. ---Zitatende--- Na, ob ich mich da wirklich geschämt hätte, wenn ich den Wechselgeldteller als Aschenbecher benutzt hätte? ;-)
dericon, 26.05.2006
5.
Tücken lauern überall ... ;-) Je extremer die Abweichungen meines Reiseziels von meiner eigenen Kultur, umso besser bereite ich mich vor. Gesten? Ich bin keiner, der mit Händen und Füßen "spricht". In diesem Sinne ist das unproblematisch. Im allgemeinen wird man als Ausländer, sprich Deutscher im Ausland, eher tolerant behandelt. Das Vermeiden eines offensiven Verhaltens reicht da schon ...
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