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25. Februar 2013, 06:27 Uhr

Tschebarkul

Russische Kleinstadt rüstet sich für Meteoriten-Touristen

Bis der Meteorit kam, verirrte sich kaum ein Tourist nach Tschebarkul. Doch plötzlich ist die Nachfrage riesig, ein wahrer Hype könnte um die Region des Einschlags entstehen. Doch bislang gibt es nicht mal ein Urlauberhotel - und geplante Bootstouren stoßen auf Kritik.

Moskau - Wer dem Meteoriten ganz nahekommen will, braucht umgerechnet etwa 2500 Euro. Flug, Unterkunft, Transport, gerne auch einen Dolmetscher - in Windeseile stellen sich Anbieter rund um die abgelegene Absturzstelle am Ural auf Meteoriten-Touristen aus aller Welt ein. "Es wäre eine Sünde, diese Gelegenheit nicht zu nutzen", meint der regionale Kulturminister Alexej Betechtin.

Der spektakuläre Absturz hat die russische Millionenstadt Tscheljabinsk und vor allem das Örtchen Tschebarkul auf einen Schlag berühmt gemacht. Von einem "zweiten Geburtstag" für die Kleinstadt und ihre 40.000 Einwohner spricht Tschebarkuls Bürgermeister Andrej Orlow. Die Stadt habe riesiges Glück gehabt, niemand kam zu Schaden. Nun will Orlow den Meteoriteneinschlag versilbern.

Denn im eisbedeckten Tschebarkulsee, rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk, vermuten Forscher das Kernstück des 10.000 Tonnen schweren Meteoriten, der in der vergangenen Woche zur Erde gerast war. Aufnahmen des Absturzes machten schnell im Internet die Runde und erlaubten Einblicke in das seltene Naturspektakel.

"Die Leute wollen herkommen und sich den Meteoriten-Ort anschauen", sagt Betechtin. Bürgermeister Orlow rief die Einwohner bereits dazu auf, sich Gedanken zu machen, wie der Ort von dem Meteoriten profitieren könne. Eine Idee ist, Bootsfahrten über den See anzubieten. Doch der ist zugleich ein wichtiges Trinkwasserreservoir - Umweltschützer warnen vor erheblichen Schäden durch die erwarteten Touristenhorden.

Keine Infrastruktur für Touristen

Noch aber ist die Region rund 1500 Kilometer östlich von Moskau ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. "Tschebarkul ist nicht bereit für Besucher, es gibt kein adäquates Hotel, die Infrastruktur ist kaum ausgebaut", sagt die Reiseveranstalterin Olga Gerwik. Selbst die Großstadt Tscheljabinsk ist bislang alles andere als ein Touristenmekka. Der Reiseführer Lonely Planet nennt als Höhepunkt eines Besuches eine mit Skulpturen gespickte Fußgängerzone.

Nun aber können sich Reiseveranstalter vor Anfragen aus aller Welt kaum retten, vor allem in Japan soll das Interesse groß sein. Auch die häufig noch sowjetisch geprägte Wirtschaft des Gebiets hofft darauf, dass der Meteorit sich als zugstarke Marke erweist und dringend benötigte Investitionen anlockt. Die lokale Regierung kündigte bereits an, schnell die Straßen rund um den als Kurort genutzten See in Schuss zu bringen.

Weniger begeistert von dem unerwarteten Ansturm auf Tschebarkul sind hingegen die Astronomen an der örtlichen Universität. Sie fürchten, dass Meteoritenfans Fragmente mit nach Hause nehmen und der Wissenschaft dadurch wichtige Informationen verlorengehen. Der Meteorit von Tschebarkul war immerhin der größte Einschlag eines Himmelskörpers auf der Erde seit Jahrzehnten.

Ganz andere Sorgen haben eine Woche nach dem Einschlag viele Einwohner von Tscheljabinsk. Noch immer sind zahlreiche Fenster zersplittert. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt warten Tausende Menschen auf Hilfe. Zivilschutzminister Alexej Putschkow treibt zur Eile. Anti-Korruptionskämpfer warnen, dass Händler die Not der Menschen ausnutzen und die Glaspreise in die Höhe treiben könnten.

Benedikt von Imhoff/dpa/sto

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