Golf-Wallfahrt in Arizona: Mach den McAvoy!

Von Denis Krick

Kantig, bodenständig und leicht verwildert - der Golfplatz Tubac in Arizona ist wie der Held des Hollywood-Films "Tin Cup": keine Schönheit, aber mit Charakter. Ihrem Vorbild Kevin Costner alias McAvoy eifern Golfer heute am Drehort Loch für Loch nach.

Golf in Arizona: Auf den Spuren von "Tin Cup" Fotos
dapd

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Grundsätzlich sind alle verdächtig. Jedes Auto, das aus Richtung Mexiko kommt und auf dem Highway 19 nördlich nach Tuscon fährt, wird an dem Wellblech-Posten der US Border Patrol knapp 30 Kilometer nach Grenzübertritt noch einmal kontrolliert. Schließlich könnte in jedem Auto ein Drogenschmuggler oder ein illegaler Einwanderer sitzen. Der Grenzbeamte lugt dementsprechend grimmig über seine verspiegelte Sonnenbrille. Misstrauisch studiert er den Reisepass.

"Deutschland?", fragt der Sonnenbrillenträger skeptisch. "Ganz schön weit weg. Was haben Sie hier am hinterletzten Zipfel von Arizona zu suchen?" Sein Blick wandert auf den Rücksitz - und findet eine Golftasche. "Alles klar", sagt er, ohne eine Antwort abzuwarten, und nickt plötzlich freundlich. "Gute Fahrt!"

Golfer aus aller Welt sind für den Grenzer nichts Ungewöhnliches. Wahrscheinlich trifft er an seinem einsamen Kontrollpunkt häufiger auf sie als auf die ungeliebten Illegalen oder Abgesandte der mexikanischen Drogenkartelle. Er weiß, warum sie sich aus Japan, Alaska oder Deutschland hier in die Einöde verirren - sie alle wollen nach Tubac, einem kleinen Kaff mit nicht einmal tausend Einwohnern.

Die großen Kathedralen des Golfsports befinden sich eigentlich woanders. Zum Beispiel im schottischen St. Andrews oder im kalifornischen Pebble Beach. Auch Arizona hat rund um Scottsdale einige Golfkurse zu bieten, die man laut irgendwelcher allwissenden Listen unbedingt einmal im Leben gespielt haben muss. Tubac taucht in diesen Rankings nie auf - dabei liegt hier einer der letzten Wallfahrtsorte des Sports, die noch nicht immense Gebühren pro Runde verlangen oder nur wenigen Auserwählten offen stehen.

Zuflucht für John Wayne und Bing Crosby

Im Tubac Golf Resort wurde einst "Tin Cup" gedreht, der wahrscheinlich beste Golffilm aller Zeiten. Kevin Costner spielte in der Komödie den erfolglosen Golflehrer Roy McAvoy, der sich aufmacht, die US Open zu gewinnen und dabei auf grandiose Art scheitert. 1996 kam die Underdog-Geschichte in die Kinos. Die Golfszenen des Films sind bis heute legendär. Die meisten entstanden hier in Arizona. Nur die Aufnahmen für das große Turnier am Schluss filmte man in Texas. Als Kulisse diente ein edler Privatclub, der nur Mitgliedern und deren Gästen zugänglich ist. Tubac hingegen ist für alle da.

Die Figur des kantigen McAvoy wurde dank "Tin Cup" zum Helden des Golfproletariats - ein manisches Großmaul auf dem Grün, das zu viel flucht, zu viel Bier trinkt und den hochnäsigen Eliten den Mittelfinger zeigt. So wie McAvoy ist auch der Golfplatz in Tubac. Er ist keine Schönheit, aber er hat Charakter. 27 Löcher verteilen sich hier auf drei Kurse, die stellenweise ein wenig verwildert wirken.

Das Gelände wurde einst 1959 von einigen Geschäftsleuten sowie dem Sänger Bing Crosby ("White Christmas") gekauft. Die Herren ließen hier damals eine kleine Bar und die ersten 18 Löcher bauen. Danach galt der abgeschiedene Platz lange als Geheimtipp in Hollywood. Unter anderem soll hier häufig John Wayne die ruhige Gegend genossen haben.

Armor Todd passt hervorragend nach Tubac. Der lange Schlacks mit dem schmalen Oberlippenbart hat eigentlich Anthropologie studiert, 17 Jahre lang Stadtrundfahrten durch das Hippieparadies Sedona veranstaltet und arbeitet nun als Sales Manager für den Golfclub. "Ich wünschte, wir könnten mit 'Tin Cup' mehr Werbung machen", sagt er und schimpft kurz über die Damen und Herren in Hollywood, die für dieses Privileg zu viel Geld haben wollen. Kurze Zeit später ist der Ärger allerdings wieder verflogen. "Vielleicht ist es so aber auch besser so", sagt Todd und beobachtet das geruhsame Treiben am Clubhaus.

Rindviecher auf dem Fairway

Trotz der glühenden Mittagssonne ist hier heute mehr als sonst los. "Unsere Mitglieder spielen ein Turnier", erklärt der 60-Jährige. In kleinen Gruppen trudeln diese gerade nacheinander in ihren Golfkarts ein, die Hälfte der Runde liegt hinter ihnen. Langsam füllen sich die Tische vor der gemütlichen Snackbar. Die Pause ähnelt einem US-amerikanischen Feiertagspicknick: Im kühlen Schatten werden Sonoran-Hotdogs oder Cheeseburger gegessen und eiskalte Biere getrunken. Der Caddie Master scherzt derweil derbe mit den Spielern. Schluckspecht McAvoy hätte an dem fröhlich-verschwitzten Stelldichein seine Freude gehabt.

Auch in "Tin Cup" wurde hier gebechert. Seit dem Filmdreh hat sich allerdings die Szenerie ein wenig verändert. Die Terrasse, auf der McAvoy einst mit Nemesis David Simms (Don Johnson) wettete, wer den längsten Eisen-7-Schlag hat, ist mittlerweile an eine andere Stelle umgezogen. Und auch wenn das steinerne Tor, in dessen Richtung der Ball des Gewinners über den Asphalt hüpfte, noch am selben Fleck steht, erkennt man diesen Drehort aus dem Film kaum wieder. Die in der Szene transportierte bierselige Stimmung findet sich hier allerdings noch immer.

Tubac hat einen ländlichen Charme, den man in den USA auf vielen kleineren öffentlichen Golfplätzen findet. Hier geht es nicht um nerviges Statusgehabe oder die strikte Einhaltung der Kleiderordnung. Wichtiger ist, dass das Bierkart-Girl zügig ihre Runden fährt, alle mit Getränken versorgt und jeder seinen Spaß hat. Man nimmt den Sport ernst, aber das elitäre Drumherum ist den Leuten eher zuwider. Und so verwundert es nicht, dass am ersten Abschlag des Rancho-Kurses zwei Rinder einfach so wagemutig auf dem Fairway stehen dürfen und den Golfern beim Aufteen zuschauen. "Die gehören zum Inventar", sagt Todd.

Klapperschlangen und ein Kojote

Wenig später lässt sich ein weitaus seltenerer Gast auf der Golfrunde blicken: Ein Kojote taxiert argwöhnisch die Spieler aus dem Dickicht heraus. Für eine halbe Minute verharren sowohl Menschen als auch Tier in ihrer Position. Dann hat der Wildhund genug vom langweiligen Treiben und verschwindet auf leisen Pfoten im Wald.

Häufiger als auf streunende Kojoten trifft man in Tubac auf Klapperschlangen. Die Reptilien lieben es, sich in den frühen Morgenstunden in den Sandbunkern aufzuwärmen und kriechen dann ins Unterholz zurück. "Neulich ist auf dem Platz ein Golfer mit dem Elektrokart quer über das Fairway gefahren, dort an einem Gebüsch ausgestiegen und wurde prompt von einer gebissen", sagt Todd und grinst diabolisch. "Geschah ihm recht, auf unseren Par-3-Löchern müssen die Karts nämlich auf den Wegen bleiben."

Kojoten hin, Klapperschlangen her: An Loch 3 des Rancho-Kurses ist "Tin Cup" wieder das Thema. Am Abschlag erlag Roy McAvoy einst einem legendären Wutanfall, stritt sich mit seinem Caddie (Cheech Marin) und zerbrach mitten im Turnier seine gesamten Golfschläger bis auf das Eisen 7. Die Szene hätte laut Todd aber bislang keiner der Besucher in Tubac zum Nachspielen animiert. "Soweit geht die Liebe zum Film dann wohl doch nicht."

Das gefährliche Tubac Triangle

Schon auf der nächsten Bahn sieht das Golfverhalten aber ganz anders aus. Hier eifern regelmäßig "Tin Cup"-Fans ihrem Helden nach und versuchen, das Grün des bis zu 520 Meter langen Par-5 mit dem zweiten Schlag zu treffen. Im Film gelingt Kevin Costner das Kunststück. Er murmelt beim Schwung lediglich das Mantra "Dollar Bills" - und schon landet der Ball nahe am Loch. In der als "The Lay Up" bekannten Szene beeindruckt McAvoy so die realen Golfprofis Phil Mickelson und Graig Stadler, gewinnt eine Wette und verliert dank der Angeberei seinen Job als Caddie.

Im realen Leben ist es mit einem materialistischen Mantra beim Schwung nicht getan. Die meisten Amateure, die sich an dem Schlag versuchen, scheitern kläglich - und ihre Bälle landen häufig in dem kleinen Teich, der das winzige Grün verteidigt. Vor "Tin Cup" wäre das nicht möglich gewesen: Das Gewässer wurde speziell für die Dreharbeiten angelegt und ärgert seitdem die Golfer in Tubac.

Realtiv neu ist auch das sogenannte Tubac Triangle, das sich gegen Ende des Rancho-Kurses befindet. Die Löcher 6, 7 und 8 sind eine Mammutaufgabe für gute Golfer und eine fast unlösbare Mission für den Rest. Die drei extrem langen Bahnen (das Par-5 misst bis zu 595 Meter) würden selbst McAvoy einiges abverlangen. Todd stoppt kurz davor das Golfkart und macht eine kleine Pause an einer Holzbrücke.

"Eine Zeitlang haben wir an dieser Stelle häufig völlig erschöpfte illegale Grenzgänger getroffen, die sich hier von ihrer anstrengenden Reise aus Mexiko erholten", sagt der Manager. "Wir haben ihnen dann immer etwas zu trinken und ein paar Tipps für den weiteren Weg gegeben." Eine Warnung vor dem Wellblech-Posten der Grenzbehörden am Highway 19 habe immer dazu gehört. Auch das hätte McAvoy mit Sicherheit gefreut.

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1.
Blattmann 09.05.2012
Dann weiss ich schon wo ich einen Halt mache wenn ich mal wieder dort in der Gegend bin :-)
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