Tyler Brûlé auf Weltreise Mailand oder Thailand? Hauptsache Australien!

Eine einwöchige Weltreise mit acht Zwischenstopps: Selbst für Extrem-Vielflieger Tyler Brûlé ist ein solches Pensum ungewöhnlich. Dann macht auch noch der Rücken Ärger - und eine Mitreisende, die es auf seinen Sitzplatz abgesehen hat.

Corbis

Es ist ja nicht so, dass mein Leben sonst in ruhigen Bahnen verliefe, aber die vergangene Woche sorgte definitiv für neue Maßstäbe. Zwar ist es für mich nicht ungewöhnlich, in sieben Tagen einmal um die Welt zu reisen. Solche Touren beinhalten allerdings in der Regel höchstens zwei größere Zwischenaufenthalte - meist Hongkong oder Tokio, gefolgt von Los Angeles oder New York. In dieser Woche besuchte ich jedoch acht Städte in sieben Tagen. Zunächst sah das in etwa so aus:

Donnerstag, 6. September

Eigentlich hatte ich am Mittwoch nach Mailand fliegen wollen, dann hielt mich der plötzlich hereinbrechende Spätsommer doch noch in London zurück. Flavia, meine Aushilfsassistentin, hatte alle Hände voll zu tun, die Flüge zu stornieren oder umzubuchen. Das Londoner Wetter war aber so herrlich und die Stimmung im Büro so ausgelassen, dass ich schließlich direkt zur Eröffnung unserer kleinen Monocle Dependance im Pelikamo Geschäft in Zürich fuhr und mir Mailand für später aufsparte.

In Zürich bestellte ich mir in der gemütlichen kleinen Atelier-Bar zusammen mit meinen Kollegen noch den letzten Aperol Spritz des Jahres. Es folgten ein paar schnell heruntergeschlungene köstliche Mini-Burger, die das ansprechend aussehende Catering-Team im Kaufleuten-Restaurant zubereitet hatte. Dann erwischte ich gegen 23 Uhr gerade noch meinen späten Flug mit der Swiss nach Bangkok.

An Bord des A340 unterhielt ich mich ein bisschen mit dem Kapitän. Er sagte, es befänden sich drei Kapitäne an Bord und damit über 100 Jahre Flugerfahrung im Cockpit. Leider herrsche ein Mangel an Ersten Offizieren und er hoffe im Übrigen, dass sein A340 bald durch einen 777-300ER ersetzt werde. Das alles beruhigte mich sehr und ich machte es mir für den Flug nach Suvarnabhumi bequem.

Freitag, 7. September

Die A340 landete pünktlich. Ein reizendes Willkommenskommitee begrüßte mich, schleuste mich durch den Zoll und hatte mich binnen sieben Minuten im Auto verstaut. Ich bin mir nicht sicher, in wessen Auftrag sie handelten oder woher sie kamen, aber es war ein schöner Empfang.

Leider war es Freitagnachmittag und der Verkehr in Bangkok stand kurz vor dem Kollaps. Die Fahrt bis zum Mandarin Oriental dauerte über eine Stunde. Wir kamen an einer großen Tafel vorbei, auf der mit jungen Mädchen und Jungen für eine mittelgroße Make-up-Marke geworben wurde. Ich machte mir gleich eine Notiz, später zu recherchieren, wie der Kosmetikmarkt für junge Männer in Thailand aussieht.

Nach einer Sitzung und einem Abendessen im Hotel wurden meine Pläne, mich noch ein wenig umzuschauen, vereitelt. Stattdessen betrachtete ich mit meinen Kollegen von der Terrasse aus eine Parade verschiedener Hochzeitsmoden direkt vor dem Hotel.

Samstag, 8. September

Der Tag begann früh. Wir trafen uns mit dem wirklich begabten Designer der Timo Trunks (das ist Badekleidung, die wie eine Mischung aus Orlebar Brown und Vilbrequin wirkt) zum Mittagessen und deckten uns dann bei Asia Books und Kinokuniya im Emporium mit Zeitschriften ein.

Wir stellten fest, dass die großen Buchläden in Thailand insgesamt einen viel besseren Eindruck machen als in den USA oder Großbritannien. Wir verschlangen die Magazine am Pool im Oriental und schmiedeten Pläne für den Abend. Was mich angeht, blieben sie reine Gedankenspiele, denn aus meinem kurzen Spätnachmittagsnickerchen wurde ein achtstündiger komatöser Tiefschlaf.

Sonntag, 9. September

Als ich endlich aufwachte, fühlte ich meine Beine nicht mehr. Okay, das war leicht übertrieben, aber mein Rücken war völlig verkrampft, meine Beine wund und ich hatte große Schmerzen. Ich rief bei der Rezeption an und fragte nach einem Doktor, es war aber nur eine Krankenschwester vor Ort. Sie rief jedoch kurz darauf später zurück, reichte mich an einen Arzt weiter und ich erklärte, wo das Problem lag.

In weniger als 30 Minuten traf der Doktor ein und teilte mir seine Einschätzung mit: ein eingeklemmter Nerv oder ein gezerrter Muskel. Er riet mir, für ein paar Tage im Hotel zu bleiben und meine Reisepläne aufzugeben. Ich antwortete, dies sei eine wunderbare Idee, aber leider völlig unmöglich. Ich müsse in jedem Fall fliegen.

Er versuchte, mich zur Vernunft zu bringen, aber am Ende holte er die Krankenschwester, die mir eine Spritze gab und mich für den Flug nach Brisbane via Singapur mit diversen Medikamenten ausstattete. Ich solle möglichst nichts Schweres heben, die Krankenschwester würde alles Nötige mit dem Hotel arrangieren. Am Flughafen kümmerte sich ein Gentleman um mein Gepäck und eskortierte mich ohne jedes Aufsehen zum Singapur-Flug.

Mein Anschlussflug mit Qantas war allerdings eine andere Erfahrung. An Bord der grell beleuchteten 747-400 erwartete mich eine genervte Mutter, die verkündete, dass sie meinen Fensterplatz für sich und ihr Baby haben wolle. Ich sah mich nach leer gebliebenen Plätzen in der Kabine um, aber alles war besetzt. Also erklärte ich behutsam, dass ich extreme Rückenschmerzen hätte und es deshalb besser sei, bei der ursprünglichen Zuordnung zu bleiben, da ich nicht in der Lage sei aufzustehen. Für sie wäre es doch auch praktischer, ohne Hindernisse den Gang zu erreichen.

Sie beharrte jedoch darauf, das Kind könne am Fensterplatz besser spielen. Ich gab zu Bedenken, dass es ihr aber aufgrund der Sitzkonstruktion nicht möglich sein würde, über mich drüber zu steigen (sie war überdies auch nicht gerade die zartgebauteste Person an Bord). Hier mischten sich nun zwei Flugbegleiter ein. Die Frau möge sich bitte auf den ihr zugewiesenen Platz setzen. Das Baby begann zu schreien. Draußen blinkten die Lichter. Die Maschinen kamen auf Touren und wir zuckelten Richtung Startbahn. Fortsetzung folgt.



insgesamt 8 Beiträge
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sunstroke 18.09.2012
1. Endlich wieder Forum
Endlich ist das Forum zu einem von Herrn Brules Artikeln wieder aktiviert. Seine Kolumne gehört für mich zu den absoluten Highlights auf Spiegel Online. Allerdings bin ich mir selber noch nicht ganz sicher, woran das eigentlich liegt. Ist es seine herablassende Art, mit der er im Eiltempo Jetset-Klischees und Namen von "In-Städten" herunterrasselt? Oder doch vielleicht seine unterschwellige Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen? Möglich wäre aber auch, dass es an seinem Schreibstil liegt, der mich extrem an einen Bericht über die Klassenfahrt eines Viertklässlers erinnert. Was auch immer der Grund sein mag: Danke, Spiegel Online, dass Sie diesem Menschen regelmäßig ein Forum bieten.
bhensler 18.09.2012
2.
Besser kann man den Quatsch nicht kommentieren !
SpitzensteuersatzZahler 18.09.2012
3.
Was macht man, wenn man im Keller noch ne Tüte Pixel findet, die mindesthaltbarkeitsbedingt schnell weg müssen? Man stellt damit die Selbstbeweihräucherungsmonologe des Herrn Brùéllèé33èè online. Bravo.
sniffydog1 18.09.2012
4. Sowas von langweilig....
Ist ja schön,wenn jemand uns Einblick in die Welt eines Vielfliegers der Luxusklasse gewährt,aber seine Ergüsse sind sowenig informativ und langweilig,das tue ich mir nicht mehr an.Lasst ihn weiterfliegen.....
Oliver Gnutz 18.09.2012
5.
Zitat von sniffydog1Ist ja schön,wenn jemand uns Einblick in die Welt eines Vielfliegers der Luxusklasse gewährt,aber seine Ergüsse sind sowenig informativ und langweilig,das tue ich mir nicht mehr an.Lasst ihn weiterfliegen.....
Schade das sein Platz im Flug AF 447 leer geblieben ist - hätte uns viel Geschwätz dieses Umweltverschmutzers erspart.
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