Safari in Uganda Afrika im Kompakt-Format

Der Queen-Elizabeth-Nationalpark bietet von Savanne bis Sumpf, von Regenwald bis Seenlandschaft eine ungewöhnliche Vielfalt afrikanischer Lebensräume. Ein Safari-Gebiet für Reisende, die alles wollen.

Philipp Laage / TMN

Als zwei Schimpansen den Feldweg überqueren, freut sich Robert Adaruku wie ein kleines Kind. Der erfahrene Ranger setzt das Fernglas ab und strahlt so überschwänglich, als habe er zum ersten Mal in seinem Leben einen Affen gesehen. "Heute ist ein wunderbarer Tag, wir haben großes Glück", sagt er.

Seit 15 Jahren arbeitet Adaruku im Queen-Elizabeth-Nationalpark im Südwesten Ugandas. Eigentlich kämen die Schimpansen nur selten aus dem Regenwald in die offene Savanne, sagt er. Heute ließen sie sich offenbar von den Feigenbäumen dort locken. Zwischen den Ästen rasten die Tiere, weithin sichtbar, und genießen den Überfluss an Früchten.

Auch auf einer geführten Wanderung ist es keineswegs gewiss, einen Schimpansen in der 100 Meter tiefen, dicht bewaldeten Kyambura-Schlucht zu sehen: Die Population dort umfasst gerade 24 Tiere. "Morgens suchen sie Nahrung, rufen sich und streiten miteinander", sagt Adaruku. Dann sei es leichter, die Menschenaffen aufzuspüren. Zu späterer Stunde hockten die Tiere träge im Busch oder in den Tropenbäumen, praktisch unsichtbar für die ungeschulten Augen der Touristen.

An diesem Nachmittag aber stoßen die Besucher bereits auf Schimpansen, noch bevor sie überhaupt einen Schritt in die Schlucht gesetzt haben. Ein unverhofftes Erlebnis.

Der Bruch macht's möglich

Der knapp 2000 Quadratkilometer große Queen-Elizabeth-Nationalpark überrascht auch routinierte Afrika-Reisende. Das hat mit seiner Lage im Albert-Graben zu tun, dem westlichen Ausläufer des Ostafrikanischen Grabenbruchs.

Vom Horn Afrikas bis hinab nach Südafrika reicht dieser geologische Riss durch die afrikanische Kontinentalplatte. Ihre Bruchstücke driften langsam auseinander und verändern so seit Jahrmillionen die ökologischen Nischen, Landschaften und regionalen Klimata. Das riesige Gebiet gilt deshalb als Brennpunkt evolutionärer Entwicklungen, weil es die Tierarten dort vor ständig neue Herausforderungen stellt. Auch unsere Art ist wahrscheinlich dort entstanden.

Irgendwann wird entlang dieses Spaltes Afrika zerbrechen und ein neues Meer entstehen. Heute reihen sich in den Tiefen des Grabenbruchs große Seen wie der Eduardsee und Georgsee. Wie der Park selbst tragen sie die Namen ehemaliger britischer Regenten. An ihren Ufern und der sie verbindenden Wasserläufe erstrecken sich afrikanische Landschaften in all ihrer Vielfalt: Regenwald trifft auf Papyrus-Sümpfe, Kraterlandschaft auf Savanne. Entsprechend groß ist die Artenvielfalt im Park. Rund 100 Säugetierarten sind dort heimisch und über 600 Vogelarten. Das ist halb Afrika im Kompaktformat - wie gemacht für ein Schutzgebiet.

Das entstand bereits 1936 als Kazinga-Nationalpark. Zu seinem heutigen Namen kam er, als die noch immer regierende britische Königin Elisabeth im Jahr 1954 ihre Kolonie Uganda besuchte. Bald darauf verabschiedeten sich die Kolonialherren, doch der Name blieb.

Ranger Adaruku führt die Urlauber auf den Grund der Schimpansen-Schlucht, hinunter zum Wasser. Im braunen Wasser des Kyambura sind die Ohren von rund einem Dutzend Flusspferden zu sehen.

Halbwilde Schimpansen sind leichter zu beobachten

Die Schimpansen-Population in der Kyambura-Schlucht stammt ursprünglich aus einem ausgedehnten Waldgebiet südlich des Parks. Beide Habitate waren einst durch einen Korridor verbunden, der vor mehr als 30 Jahren unterbrochen wurde. Die Schimpansen in der Schlucht lebten fortan isoliert. Mit dem Beginn der Friedensmission Unomur zur Überwachung der ugandisch-ruandischen Grenze in den unruhigen frühen 1990er Jahren begannen die Tiere, sich zunehmend an die Anwesenheit von Menschen zu gewöhnen.

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Ugandas Queen-Elisabeth-Nationalpark: Afrika im Kompaktformat

Dass sie heute wissen, dass von Besuchern keine Gefahr ausgeht, vermindert Stress und erleichtert ihre Beobachtung. Der Bestand stabilisierte sich, allerdings bedroht Inzucht die kleine Gruppe. Den alten Korridor zum Wald im Süden wieder zu öffnen, wäre jedoch zu kompliziert. Mehrere Dörfer liegen dazwischen. "Man müsste den Menschen eine Kompensation für die Umsiedlung zahlen", sagt Adaruku. Sehr unwahrscheinlich im armen, heute als vergleichsweise sicheres Reiseland geltenden Uganda.

Schimpansen bekommen die Besucher der Kyambura-Schlucht an diesem Nachmittag nicht mehr zu sehen. Dafür kommt es zur unerwarteten Begegnung mit einem Elefanten, den auch der Ranger erst recht spät im Unterholz bemerkt. Der Bulle klappt die Ohren nach vorne. Schlechtes Zeichen. "Er hat das Gefühl, er wird angegriffen", flüstert Adaruku und mahnt zum raschen Rückzug. Dann folgt noch eine Ranger-Weisheit: "Alle Tiere sind friedlich, bis wir sie provozieren."

Deutlich stressfreier ist die Begegnung mit Elefanten bei einer Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal, der wohl beliebtesten Attraktion des Nationalparks. Die natürliche Wasserstraße zwischen Eduard- und Georgsee bietet Tierbeobachtungen in Fülle. Schon vom Bootsanleger aus lassen sich Elefanten, Büffel und Hippos am anderen Flussufer beobachten.

Die Fahrt wird dann zum regelrechten Fotoshooting: Da gehen zwei Elefantenbullen aufeinander los, während Büffel wenige Meter entfernt im Wasser baden. Eine Elefantenkuh kommandiert ihre Jungtiere die Böschung hinauf, der Nachwuchs folgt im Gänsemarsch. Hin und wieder öffnet ein Flusspferd sein Maul und zeigt ellenbogenlange Zähne. Und das Krokodil am Ufer liegt nicht wie sonst immer erstarrt da, sondern schleicht in Richtung Wasser.

Uganda und der Queen-Elisabeth-Nationalpark
Der Queen-Elizabeth-Nationalpark
Der rund 2000 Quadratkilometer große Queen-Elizabeth-Nationalpark liegt im Südwesten Ugandas und ist einer der vielseitigsten Parks des Landes. Touristen können zu an Menschen gewöhnte Schimpansen wandern, auf einer Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal Elefanten und Vögel beobachten und auf klassischen Game-Drives Wildtiere wie Löwen aufspüren.
Anreise und Formalitäten
Von Deutschland aus gibt es nach Uganda keine Direktflüge. KLM zum Beispiel fliegt von Amsterdam aus. Für die Einreise ist ein Visum nötig, das vor der Reise online beantragt und bezahlt werden muss (https://visas.immigration.go.ug/). Der Preis beträgt 50 US-Dollar (etwa 42 Euro). Außerdem ist der Nachweis einer Gelbfieberimpfung bei Einreise vorzulegen.
Reisezeit
Die trockenen Monate zwischen Dezember und Februar sowie Juli und September eignen sich für Tierbeobachtungen am besten.
Übernachtungen
Im Queen-Elizabeth-Nationalpark gibt es Unterkünfte für unterschiedliche Reisebudgets. Am oberen Ende der Preisskala liegen etwa die "Mweya Safari Lodge" und "Ishasha Wilderness Camp" mit Raten von mehreren hundert Euro pro Nacht. Auf der Mweya-Halbinsel gibt es aber auch ein günstiges Hostel und einen Campingplatz.
Gesundheit
Landesweit und ganzjährig besteht ein hohes Malariarisiko, das Auswärtige Amt rät zur Chemoprophylaxe mit Medikamenten. Zudem ist konsequenter Mückenschutz wichtig, auch als Schutz vor anderen Krankheiten, die von Moskitos übertragen werden. Als Reiseimpfung wird darüber hinaus zumindest Hepatitis A empfohlen.
Sicherheit
Uganda ist ein vergleichsweise sicheres Reiseland in Afrika. Viele Touristen greifen bei Rundreisen auf Komplettpakete professioneller Safari-Unternehmen zurück. Die Nutzung öffentlicher Busse ist unter Rucksackreisenden gängig und auch bequem möglich. Das Unfallrisiko ist im Vergleich zu Europa aber deutlich größer.
Weiterführende Informationen
Uganda Tourism Board, c/o KPRN network GmbH, Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt/Main (E-Mail: uganda@kprn.de, www.visituganda.de).

An der Mündung zum Eduardsee haben sich Scharen von Wasservögeln versammelt, Pelikane, Kormorane, Goliath- und Schwarzhalsreiher. Auf dem See wippt ein einzelnes Fischerboot vor einem Wolkenturm, der sich düster über dem anderen Ufer jenseits der Landesgrenze erhebt, als wollte er mahnend darauf hinweisen: Dies hier ist schon der Ostkongo.

Die Konfliktregion im Nachbarland, für die es eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt, könnte sich abends in der komfortablen Lodge auf der Mweya-Halbinsel nicht ferner anfühlen. Auf schweren Holzmöbeln genießt der Tourist hier seinen Sundowner, stets umsorgt von aufmerksamen Mitarbeitern. Nach dem Abendessen werden zur Unterhaltung der Gäste folkloristische Tänze aufgeführt. Später stapft direkt vor der Tür zum Doppelzimmer ab 350 Dollar pro Nacht ein Flusspferd durch die Nacht. Safari-Afrika nah am Klischee, ein Urlaubstraum für Besserverdiener.

Am folgenden Morgen geht es vorbei an Salzseen auf die Kasenyi-Ebene zur Wildtierbeobachtung. Die noch tiefe Sonne färbt die weite Akaziensavanne in ein Gold, das mit dem Aufziehen des Tages langsam ausbleicht. Die Lichtstimmung ist fast schöner als die wilden Tiere: Büffelherden stehen wehrhaft zusammen, eine Uganda-Grasantilope zeigt ihre Silhouette, Paviane hocken gleich neben der Buschpiste.

Eine ungewöhnliche Attraktion des Nationalparks sind die Löwen von Ishasha im südlichen Teil des Schutzgebietes. Die Region liegt abseits der Hauptrouten und wird daher seltener besucht. Doch an diesem Morgen ist das ohnehin nicht nötig: In der Kasenyi-Ebene hat sich eine Löwin in drei Metern Höhe bequem im Schatten der Äste eingerichtet. Noch so ein unverhofftes Erlebnis.

Philipp Laage, dpa/pat

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Lycaenini 08.11.2017
1.
Danke für diesen interessanten Bericht! Klingt nach einer sehr lohnenswerten Reise!
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