Burma: Kichernde Damen in Uniform

Jede Menge Besucher, wenig Hotels: Der Tourismus in Burma boomt, doch das Land kann mit der rasanten Entwicklung kaum Schritt halten. Reisende müssen vielerlei beachten - und ihr Bargeld wenn möglich nicht knicken.

Burma: Land im Aufbruch Fotos
dapd

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Schon in der burmesischen Botschaft in Berlin ereilt einen die erste Vorahnung: In diesem Land läuft einiges anders. Der Beamte nimmt die Reisepässe entgegen. Eine Quittung für die 25 Euro Visumgebühr? Wozu? Erst nach mehreren Rückfragen stellt er ein Zettelchen aus. Das Visum ist nötig, um das unbekannte Burma zu besuchen, um einzutauchen in den Rhythmus des ursprünglichen Lebens in dem buddhistischen Land.

Bei der Ankunft am internationalen Flughafen von Rangun, der offiziell Yangon International Airport heißt, überrascht das moderne Flughafengebäude. Die Schlangen an den Einreiseschaltern lichten sich schnell. Statt der erwarteten strengen Beamten einer Militärregierung, kichern die Damen in Uniform bei der Passkontrolle. Mussten Einreisende früher noch mitgeführte technische Geräte haarklein für den Zoll auflisten, interessiert sich dafür heute niemand mehr.

Die meisten Reisenden bringen viel Bargeld mit. Denn in Burma sucht man Geldautomaten vergeblich. Das soll sich allerdings in den kommenden Monaten ändern. Bisher ist es auch aufgrund US-amerikanischer Sanktionen nicht möglich, Reiseausgaben mit den üblichen Kreditkarten zu begleichen. Nur wenige Hotels akzeptieren sie, dank eines Tricks. Sie buchen den Betrag über eine Niederlassung in einem anderen Land.

So ist Bargeld König. Besucher haben dicke Packen Scheine im Bauchgürtel. Aber Vorsicht: Bitte nicht knicken! Der Mitarbeiter des Geldwechselbüros am Flughafen beäugt jeden Schein sehr kritisch. Er dreht und wendet ihn, diskutiert mit seinem Kollegen. Beim Euro ist er großzügiger, bei US-Dollars sehr streng. Nur neue, nicht beschädigte, quasi jungfräuliche Banknoten akzeptiert er. Allerdings sollten Touristen nicht ihre gesamte Barschaft eintauschen.

Das Lenkrad auf der falschen Seite

Da die Regierung in der Vergangenheit schon bestimmte Banknoten der Landeswährung Kyat für ungültig erklären ließ, ist das Vertrauen in das eigene Geld bei den Burmesen gesunken. Da ist es praktisch, immer ein paar Dollars in der Tasche zu haben.

Das Reisen in Burma ist inzwischen kein Schnäppchen mehr. Die Preise der Hotels haben angezogen - von 200 bis 300 Prozent ist die Rede. Die Qualität der Unterbringungen konnte nicht überall Schritt halten. In den vergangenen Jahren wurde wenig in Hotels investiert. Da es kaum Tourismus gab, schien dies nicht rentabel. Nun reichen die 8000 Hotelzimmer in Rangun für den Ansturm nicht aus. Hotelneubauten sind bereits im Gespräch.

"Wer ein Zimmer im gewohnten Standard vor allem in der beliebten Reisezeit zwischen Oktober und März haben möchte, sollte unbedingt reservieren", empfiehlt Thomas Henseler, Direktor von "The Governor's Residence" in Rangun. Der Deutsche berichtet, dass die Auslastung der Hotels in den vergangenen Monaten enorm gestiegen ist. "Selbst in der Regenzeit von Mai bis September, wo früher wenig Gäste anreisten, verzeichnen wir in diesem Jahr rund 80 Prozent Zimmerbelegung."

Mit dem Taxi geht es auf Entdeckungsreise. Ein Mietwagen kommt nicht infrage, denn Autofahren ist für Touristen in Burma verboten. Mr. Aye, der Taxifahrer, steuert in seinem alten Toyota durch den dichten Stadtverkehr, das Lenkrad auf der rechten Seite. "80 Prozent unserer Autos sind Gebrauchtwagen aus Japan, wo Linksverkehr herrscht", klärt er den kuriosen Umstand auf. Nur die Reichen könnten sich Neuwagen leisten, die das Lenkrad auf der richtigen Seite haben.

Mr. Aye bietet sich sogleich auch als Guide an und chauffiert die Besucher den ganzen Tag von einer Pagode zur nächsten: mit dem liegenden Buddha, dem sitzenden Buddha, dem stehenden Buddha. Doch wirklich atemberaubend ist die goldene Shwedagon-Pagode, das religiöse Nationalheiligtum.

Mönche mit Mobiltelefonen

Rund um die Sule-Pagode unweit des Flussufers beginnt ein Gewirr aus Straßen und Geschäften. Auch ein moderner Internetladen ist dabei. Davor sitzt eine alte Frau und verkauft Seifen. Gleich daneben ist ein Stand mit einem Plastiktelefon. Doch diese Open-Air-Telefonzelle bietet keine Verbindung nach Europa. Herkömmliche Telefonhäuschen gibt es nicht, und Auslandsgespräche im Hotel sind relativ teuer.

Wer nach Burma in den Urlaub fährt, kann sein Handy getrost zu Hause lassen. Deutsche Mobiltelefone funktionieren nicht. Wer nicht ohne kann, leiht sich am Flughafen ein Gerät mit einer vorbezahlten Karte aus. 2008 kostete dieses noch rund 2000 US-Dollar. Inzwischen ist der Preis auf gut ein Zehntel gesunken. Die Burmesen selbst nutzen immer mehr Mobiltelefone, auch wenn ihr Land zu den ärmsten Staaten der Welt zählt. Selbst die allerorts präsenten rot gekleideten buddhistischen Mönche haben ihr Handys stets parat.

An Marktständen werden T-Shirts und Souvenirartikel mit dem Konterfei der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi angeboten. "Sie ist unsere Retterin", ruft die Verkäuferin. Die meisten sprechen jetzt offen über Politik. Auf der Straße werden die Besucher häufig auf Englisch angesprochen. "Woher kommt ihr?"

Um in die früheren Königsstädte Mandalay und Bagan zu gelangen, ist das Flugzeug das beste Transportmittel. Denn die alten Züge zuckeln auf den Schmalspurgleisen sehr langsam, und die Langstreckenbusse sind überfüllt und ziemlich unbequem. Zudem ist der Zustand der Überlandstraßen schlecht, mit einer Ausnahme - der nagelneuen Autobahn von Rangun nach Mandalay. Gleich neben der Fahrbahn pflügt ein Bauer mit seinem Ochsengespann sein Feld. Ein archaischer Anblick: 21. Jahrhundert trifft auf Jahrtausende alte Tradition. Das ist Burma heute. Morgen wird es anders sein.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. nur mal nebenbei bemerkt...
akmsu74 05.11.2012
...Quittungen gibt es nur bei einigen Botschaften für die Pässe bzw. die Visa ... Warum muss man so einen Artikel mit einem so arroganten Satz beginnen? ...und ja, in den allermeisten Ländern der Welt läuft so Einiges anders, als in Deutschland. In manchen Ländern wird die Forderung nach einer Quittung als Misstrauensbekundung verstanden - nicht eben freundlich, oder? Na ja, der Autor scheint ja ein echter Reiseprofi zu sein...
2. Visum
xcver 05.11.2012
und ausserdem interessiert den normalreisenden idR die Quittung zum Visum nicht unbedingt (er macht darüber ja keine Reisekostenabrechnung...).
3. Noch ein paar Tipps
wrzlbrnft 05.11.2012
Internetanschlüsse gibt es in den sehr guten Hotels - manchmal uns oft langsam. Da geht dann auch ein Smartphone für e-mail und manchmal reichte auch für Skype! Von Mandaylay nach Pagan kann man auch sehr gut mit dem Schiff fahren.
4. Reiseprofi...
dasbeau 05.11.2012
...und zudem Autorenprofi. Klingt mehr nach Schulaufsatz mit Aneinanderkettung möglichst vieler Feststellungen. - Und das Geld bekommt man in Yangon (Rangun basiert noch auf dem alten englischen Kolonialnamen) in jeder Seitenstraße getauscht. Mit deutlich besseren Kursen und unabhängig davon, wie geknickt die Dollars oder Euros sind. Na ja, jeder macht so seine Erfahrungen.
5. Kichernde Damen arbeiten mit einem vollständigen System
wrzlbrnft 05.11.2012
Wer nach Burma reist muss noch immer damit rechnen, dass die Behörden genau wissen wo an sich gerade aufhält. Bei der Einreise wird man erfasst und dann an jedem Ort weiter registriert. Das System am Flughafen machte einen hervorragenden technischen Eindruck. Geldwechsel nicht bei Geldwechlernan den Touristenorten, an Flughäfen und in Yangon gibt es inzwischen Banken. Die örtlichen Führer wissen vor Ort auch einigermassen seriöse Geldwechsler.
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