Hongkong, Halloween und Hokuspokus Die schönsten Reisetipps im Oktober

Mit beginnendem Herbst wächst die Lust auf eine Saisonverlängerung und zum Glück ist das ja möglich. Alternativ hat der Oktober von Hexen bis Humpen viel Schräges zu bieten.

Karibik: geht immer
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Karibik: geht immer

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Im Oktober ist die sommerliche Saison auch am Mittelmeer fast überall beendet: Die Tage sind kurz und abends kann es schon mal frisch werden. Wer jetzt noch Wärme und ausgedehntere Schwimm- und Schnorchelstunden erleben will, der muss die Mittelstrecke ausreizen: Kreta und andere der südlichsten Inseln Griechenlands bieten sich noch an und können Gäste gebrauchen, die Kanaren bieten Dauer-Spätsommer, und am Roten Meer wird es so oder so nie wirklich mild.

Ein Nachsaisontipp ist Zypern - auch wenn die Insel nach dem langen Sommer reichlich verbrannt aussieht. Dafür bietet sie Schnorchlern und Tauchern vor allem auf der dem Libanon zugewandten Seite noch immer Wassertemperaturen über 25 Grad. Im Herbst schön relaxed und jenseits der Halligalli-Zone der umliegenden Orte: die hübsch unverbaute Konnos Bay, zwischen Protaras und Kap Greco. Wer kann, sollte im Oktober allerdings auf die Schulferientermine achten - die Herbstferien heben die Preise an vielen Orten noch einmal auf beinahe Hauptsaisonniveau.

Apropos: Der Endspurt für Schnäppchenjäger läuft. Am 31. Oktober ist bei vielen Veranstaltern die letzte Chance für Frühbucherpreise für die Wintersaison!

Pragmatisch, warm, sonnig: Teneriffa
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Pragmatisch, warm, sonnig: Teneriffa

Hier unsere Tipps für den Oktober. Und wer schon für den Urlaub danach plant, kann sich hier (Afrika und Europa), hier (Asien und Ozeanien) und hier (Amerika) inspirieren lassen.

Was ist los in Europa?

In Deutschland ist der Oktober eine ideale Zeit für kurze Reisen: Der Herbstwald aller Mittelgebirge und die Weinlese und -feste in Deutschlands Weinregionen sorgen für schöne Anlässe, die Wanderschuhe auszupacken. Trend in zahlreichen Regionen sind in der Herbstzeit pauschale Wanderarrangements, die einen oder mehrere Tage umfassen - kulinarische Erlebnisse inklusive (hier ein Beispiel aus der Eifel). Die Touristikverbände der Regionen wissen Bescheid, wo da was Leckeres köchelt.

In den Städtchen an Mosel, Nahe und Ahr prickelt Federweißer in den Gläsern. Wer seinen Wein lieber genießt, ohne parallel Aspirin einzunehmen, schmeckt sich durch die Vorjahreslagen.

Ein schönes, weniger bekanntes Highlight: die Altenahrer Weinfestwochenenden. Bis zum 23. Oktober gibt es jedes Wochenende Programm und Party. Über den Gassen des Städtchens thront dabei illuminiert die Burg - und zum Abschluss donnert über dem idyllischen Talkessel ein Höhenfeuerwerk, für das sich Gandalf nicht geschämt hätte: hat was.

Weinfest
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Weinfest

Wer statt Zwiebelkuchen zum Federweißen die Vielfalt der elsässischen Küche vorzieht, hüpft über die Grenze: Bis Mitte Oktober hat auch das Elsass noch sechs größere Weinfeste zu bieten.

Das Ende des Monats steht in immer mehr Ländern der westlichen Welt ganz im Zeichen Halloweens. Die größten, professionellsten Umzüge und Partys finden natürlich in den USA statt - und nicht zu schlagen ist hier die legendäre Village Halloween Parade, denn Hauptstadt des US-Halloweens ist und bleibt natürlich New York. Von dort schwappte das irische, ursprünglich ziemlich düstere Fest zum Winter-Karneval mutiert zurück über den Atlantik.

Und dort wurde Halloween nirgendwo freudiger wiederbelebt als in seinem eigentlichen Ursprungsland Irland. Dort hat Samhain (so der originale Name des Fests: gesprochen "Sao-ihn") noch immer starke historische und kulturelle Wurzeln, an die sich die Iren wieder zunehmend gern erinnern.

Vor allem aber feiern sie gern: Herausragend sind das Galway Aboo Halloween Festival (24., 25. und 31. Oktober) und das Dubliner Bram Stoker Festival (28. bis 31. Oktober). In beiden Städten beleben die riesigen, fantasievollen Figuren der Künstler und Freiwilligen des Künstlerkollektivs Macnas die nächtlichen Paraden.

Während in Galway Party pur angesagt ist, nutzt das Stoker-Festival Halloween als Anlass für eine Reihe extravaganter, teils morbider Events: Literatur, Kino und Theater treffen auf Party, wenn im Irish Museum of Modern Art zu Musik der Zwanzigerjahre getanzt wird und blutrote Getränke geschlürft werden oder sich im Poetry Brothel "Jazzmusiker, Burlesque-Tänzerinnen, Körpermaler, Magier und Tarotkartenleger" unter das Partyvolk mischen.

Europas angeblich größte Halloween-Parade findet allerdings in Nordirland statt - und das ist nur ein Teil des Spaßes: Ulsters Party-Hauptstadt Derry feiert 2016 den 30. Banks of the Foyle Halloween Carnival und erklärt sich vom 27. bis 31. Oktober zur "City of Bones". Derry ist so etwas wie das Köln von Irland - wenn es etwas zu feiern gibt, dann aber bitte richtig. Die 85.000-Einwohner-Stadt hat die höchste Nachtklub- und Kneipendichte in Irland - und darunter sind einige der coolsten Musik-Locations des Landes.

Zu schrill? Dann ist vielleicht das Samhain-Kontrastprogramm für Heidenromantiker und bekennende Esoteriker etwas für Sie: Wiccas, Neo-Heiden, Druiden, Unabgeschreckte und Neugierige treffen sich in der Halloweennacht mit Fackeln in der Hand auf dem Grabhügel der Druidin Tlachtga, circa 45 Minuten von Dublin. Dort, glaubt man, wurden die ersten großen Samhain-Feuer entzündet, die dann mit Fackeln in die Dörfer getragen wurden - ursprünglich ein Ritus, der den Beginn des Winters markierte.

Tlachtga dürfte in der Nacht zum 1. November die höchste Hexendichte Irlands aufweisen, was man den Damen und (wenigen) Herren aber nicht unbedingt ansehen muss: Für die ist das keine Party, sondern die wichtigste Zeremonie in ihrem an Riten nicht armen Kalender. Sozusagen Weihnachten und Silvester auf einmal.

Was ist los in fernen Ländern?

Asiens Traumstrände stehen jetzt kurz vor ihrer Hauptsaison, die Preise sind günstig: Grund ist der Monsun, der im Oktober in einigen Regionen seinen Höhepunkt erreicht, in anderen aber auch schon abklingt. Für Thailand gilt das etwa ab Monatsmitte - erst da sind auch viele der großen Attraktionen wie die Similan-Inseln in der Andamanensee wieder zugänglich (ab 15.10.).

Traum-Tauchgründe Similaninseln
Imago/ McPHOTO

Traum-Tauchgründe Similaninseln

Wer im Oktober bucht, sollte sich aber vorab gut informieren: Es gibt Regionen, wo während des Monsuns sogar Schwimm- und Badeverbote herrschen.

Die nahe liegende Alternative heißt Karibik - klimatisch passt das immer! Noch ist Kuba nicht zum Ballermann Floridas mutiert, was man vielleicht nutzen sollte. Unkomplizierter ist der Trip in die Dominikanische Republik, wer es mondäner mag, versucht Curaçao. Auch die Karibik hat im Oktober allerdings ein Wetterrisiko: Oktober gilt als Höhepunkt der auslaufenden Hurrikansaison. Klar, dass es da auch noch Last-Minute-Schnäppchen gibt, denn viele schreckt das ab.

Sport ist im Oktober ein prächtiges Alibi, den Langstreckenflieger nach Hawaii zu besteigen, wo man solche Wetterkapriolen nicht fürchten muss: Als Kontrastprogramm zum Faulenzen am Strand läuft dort am 8. Oktober der Ironman aller Ironmänner.

Denn auf Hawaii fand dieser verrückte Extremsport-Masochismus, bei dem sich fast 2500 ledrige Vollblutathleten über 3,86 Kilometer Schwimmstrecke, per Fahrrad über 180,2 Kilometer Straße und zum lockeren Auslaufen über 42,2 Kilometer Marathonstrecke quälen, 1978 erstmals statt. Im hawaiianischen Kailua-Kona läuft darum auch die Weltmeisterschaft.

Schwimmer beim Ironman (2015)
AP/dpa

Schwimmer beim Ironman (2015)

Das ist Ihnen schon beim Zuschauen zu hektisch? Okay, wie wäre es dann damit: In Albuquerque, New Mexiko, findet vom 1. bis 9. Oktober die Balloon Fiesta statt.

Das Festival gilt als weltgrößtes Heißballontreffenreffen, um die 600 Ballons steigen in den genannten Tagen mitunter zeitgleich in den Himmel. Und ja, natürlich kann man bei dem Spektakel auch mitfliegen - Pardon: mitfahren! Das ist allerdings teuer (ab 325 Dollar). Billiger sind die Trips in den Tagen vor und nach dem Festival, da gibt es Rabatte.

Balloon Fiesta
REUTERS

Balloon Fiesta

Was fehlt? Klar: die wahren Oktoberfeste. Das in München müsste ja eigentlich Septemberfest heißen, doch wer auch nach der bajuwarischen Humpenleerung findet, dass das Maß noch lang nicht leer sein sollte, hat ja Alternativen: bei zünftigen Oktoberfesten in exotischen Gefilden.

Im australischen Brisbane ist so ein Oktoberfest eine auf zwei Wochenenden verteilte Sache. Ansonsten machen die Aussies die Sache durchaus richtig: Gefeiert wird im Festzelt, Krachleder und Dirndl sind sozusagen Uniform, draußen ist Rummel, und auch Kuckucksuhren kann man kaufen, weil die in Deutschland ja jeder hat.

Alternativ würde sich (nicht nur aus diesem Grund) Namibia anbieten: Am 28. und 29. Oktober steigt in Windhoek Afrikas populärstes Oktoberfest. Die Kirchdorfer (eigens aus München eingeflogen!) blasen dazu das zünftige Humpta, und neben exotischem, echt deutschem Hefeweizen brauen Namibias Brauereien natürlich auch eigene Festbiere. Haxn, Obatzda und Brezn sind Grundverpflegung, und im letzten Jahr kamen rund 5000 Trinker, um "deutsche Tradition mit namibischer Leidenschaft" zu füllen.

Die Sause ist inzwischen so populär, dass sie zum Exportartikel wird: Erstmals veranstalten die Namibier 2016 ihr bayerisches Fest als Spin-off auch in Südafrika. Bereits am 21. und 22. Oktober kann man nun auch in Kapstadt den Humpen stemmen und Finger hakeln, wenn man will.

Sieht so aus, als verbreite sich die bajuwarische Gerstensafttradition mit Blasmusik und absurder Kleidung pandemisch, denn inzwischen scheinen alle Kontinente infiziert. Auch in Hongkong feiert man den Oktober, und die Amerikaner tun dies teils sogar ganzjährig. Die "echten" Top-US-Oktoberfeste finden aber zur rechten Zeit statt und haben satt sechststellige Besucherzahlen. Selbst im sittenstrengen Singapur wird beim Oktoberfest Asia 2016 die eigene Alkoholtoleranz ausgetestet.

Na dann Prosit - und gute Reise.

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insgesamt 6 Beiträge
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Ringmodulation 22.09.2016
1. Gefälschte Bilder aus dem Paradies
Bild 3 wurde massiv manipuliert: Auf dem Original sind zahlreiche motorisierte Boote zu sehen, die die Wasseroberfläche zerpflügen. Wer einen konkreten Beweis braucht: Links unter der Bildmitte, im seichten Wasser, wiederholt sich dasselbe Pixelmuster viermal -- dort wurde ein Motorboot wegretuschiert.
Sibylle1969 22.09.2016
2. Andalusien
Vor ein paar Jahren war ich im Oktober mal in Andalusien zum Radfahren und Sightseeing. In Sevilla sind dann zB angenehme Temperaturen, und an der Küste ist mit 25-30 Grad sehr angenehmes Radwetter. Aufgrund der sehr westlichen Lage wurde es auch erst nach 20 Uhr dunkel. Kann ich auf jeden Fall empfehlen.
superbiti 22.09.2016
3.
Zitat von Sibylle1969Vor ein paar Jahren war ich im Oktober mal in Andalusien zum Radfahren und Sightseeing. In Sevilla sind dann zB angenehme Temperaturen, und an der Küste ist mit 25-30 Grad sehr angenehmes Radwetter. Aufgrund der sehr westlichen Lage wurde es auch erst nach 20 Uhr dunkel. Kann ich auf jeden Fall empfehlen.
Das Einsetzen der Dämmerung ist unabhängig vom Längengrad (westliche/östliche Lage). Es ist eine Frage, auf welchen Breitengrad (Nord/Süd) Sie sich befinden. Und für heute, den 22.9., ist der Sonnenuntergang beispielsweise in Sevilla mit 20:20 angegeben. Aber sonst kann ich Ihnen nur zustimmen. Andalusien und auch noch im Oktober eine Reise bei mildem Klima wert.
Sibylle1969 22.09.2016
4. @3 superbiti
Selbstverständlich hängt der Sonnenuntergang auch vom Längengrad ab, nämlich der westlichen oder östlichen Lage relativ zur Mitte der Zeitzone. Spanien ist eigentlich in der falschen Zeitzone, daher geht je nach Lage die Sonne in Spanien eine Stunde später unter als hierzulande, natürlich geht sie morgens auch entsprechend später auf, so dass in Andalusien im Oktober morgens um 8 Uhr noch dunkel war.
Layer_8 24.09.2016
5. wenn schon OT
@4 Spanien ist zwei Stunden zu spät dran. Liegt ja noch westlicher als England und hat mitteleuropäische Zeit. Zum Artikel: Oktoberfest in Afrika ist ja ganz was tolles. Bleibt einem die Natur dort erspart mit all den Löwen und Elefanten :D
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