Osteuropäische Urlauber in Ägypten: Russendisko am Roten Meer

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Deutsche Urlauber meiden Ägypten wegen der Unruhen - Russen hingegen lassen sich nicht so leicht abschrecken: Hurghada ist eines ihrer beliebtesten Reiseziele. Einheimische klagen schon über Alkoholexzesse und viel zu freizügig gekleidete Osteuropäerinnen.

Ägypten: Hurghada, Urlaubsziel der Russen Fotos
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Die Erleichterung war deutlich zu hören in den Worten des ägyptischen Tourismusministers: "Es ist ein äußerst positives Zeichen, dass Russland seine Reisewarnung für Ägypten aufgehoben hat", sagte Hisham Zaazou, nachdem das Außenministerium in Moskau Ende November seine Reisehinweise für den Nilstaat angepasst hatte.

Die große Genugtuung über diesen Schritt in Kairo hat einen guten Grund: Aus keinem anderen Land kommen so viele Touristen in die Urlaubsorte am Roten Meer wie aus Russland. Nach Angaben von Zaazous Ministerium kamen allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres 1,3 Millionen russische Urlauber nach Ägypten.

Nach den blutigen Unruhen in Kairo und anderen Städten Mitte August erließ Russland, ähnlich wie die Bundesrepublik, eine Reisewarnung, in der das Außenministerium seinen Bürgern vom Urlaub in Ägypten abriet. Einige russische Veranstalter sagten daraufhin ihre Reisen ans Rote Meer komplett ab. Das ägyptische Tourismusministerium schätzt, dass in den Wochen danach etwa 50.000 russische Urlauber ihre Reisen stornierten.

Doch die meisten russischen Touristen ließen sich von der Warnung ihrer Regierung nicht abschrecken. Während die Zahl der deutschen Urlauber in Ägypten seit August einbrach, blieben die Russen von der instabilen Lage unbeeindruckt. Viele von ihnen kennen das Land seit langem und wissen daher, dass die Urlaubsgebiete von den Unruhen in anderen Landesteilen unberührt bleiben. In den vergangenen 15 Jahren hat sich besonders Hurghada zu einem der beliebtesten Reiseziele für Russen überhaupt entwickelt.

Niedrige Preise, tolles Wetter

Knapp vier Stunden dauert ein Flug von Moskau an die Küste des Roten Meeres. Die russischen Gäste schätzen die niedrigen Preise, das ganzjährig sommerliche Klima, die sauberen Strände und das klare Wasser. Und die Ägypter umgarnen ihre wichtigsten Kunden: Im Zentrum des Ferienorts ist fast jedes Geschäft mit kyrillischen Buchstaben beschriftet. Restaurants werben für "Ryba s piwom" - Fisch mit Bier - für umgerechnet zwei Euro. Viele Läden verkaufen Wodka und russisches Baltika-Bier. Das bleibt nicht ohne Folgen: Schon vor Sonnenuntergang wanken alkoholisierte Urlauber über die Schuhada-Straße im Touristenviertel. Einige Einheimische lachen darüber, andere wenden sich beschämt ab.

Nach Sonnenuntergang lassen es die Russen richtig krachen in den vielen Clubs entlang der Uferpromenade. Im "White Beach Hurghada" kommen fast alle Gäste aus Osteuropa. Fast jede Woche lassen die Veranstalter Sänger, Bands und DJs aus Moskau einfliegen, die das Publikum unterhalten. Auf der Tanzfläche der Russendisko drängen sich jeden Abend junge Urlauber, auf den Tischen stehen große Eiskübel - darin kühlen Magnumflaschen Wodka und Krimsekt. Bullige Türsteher sorgen dafür, dass den Einheimischen der Zutritt zu dem sündigen Club verwehrt bleibt. Hereingelassen werden nur jene Ägypter, die in Begleitung eines ausländischen Gastes kommen.

Doch nicht nur die Trinkfreude der russischen Gäste sorgt bei vielen Ägyptern für Unbehagen - selbst wenn das gesellschaftliche Klima in Hurghada und anderen Badeorten deutlich liberaler ist als etwa in Kairo. Auch der freizügige Kleidungsstil osteuropäischer Touristinnen verärgert zahlreiche Einheimische. Andere - besonders junge Ägypter - pfeifen den Urlauberinnen in Bikini, Hotpants oder Minirock hemmungslos hinterher.

"Russen haben keinen Sinn für unsere Traditionen"

So haben viele Ägypter, die von den Einnahmen aus dem Tourismus abhängig sind, in den vergangenen Jahren ein zwiespältiges Verhältnis gegenüber den russischen Urlaubern entwickelt. Einerseits sehe die wirtschaftliche Entwicklung ohne die treuen Gäste aus Moskau oder Sankt Petersburg noch düsterer aus, andererseits verdrehen viele Ägypter angesichts des Verhaltens vieler Russen die Augen. "Sie haben einfach keinen Stil, keinen Sinn für Kultur und zeigen kein Verständnis für unsere Traditionen", sagt Hany Sarkis, der in den vergangenen Jahren mehrere Hotels in Hurghada mitaufgebaut hat. "Außerdem sind sie laut und vertreiben mit ihrer Art alle anderen Touristen."

Je mehr Urlauber aus Russland nach Hurghada reisten, desto weniger Gäste kämen aus anderen europäischen Ländern, ist Sarkis überzeugt. Sie würden stattdessen im besten Fall in andere ägyptische Badeorte wie Marsa Alam oder Scharm al-Scheich fahren, im schlimmsten Fall ganz auf andere Länder ausweichen.

Viele Russen kommen längst nicht mehr nur für ein paar Wochen nach Hurghada. Sie kaufen sich Ferienwohnungen und verbringen mehrere Monate in dem Ort. Wenn in der Heimat die Temperaturen unter 20 Grad minus fallen, genießen sie das milde und trockene Klima am Roten Meer. Tourismus-Insider Sarkis sagt: "Unter den ausländischen Immobilienbesitzern stellen die Russen inzwischen die größte Gruppe."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
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1.
dimiks 02.12.2013
Schön, dass alle Clichés bestätigt worden sind. Ein Wander-Artikel, der regelmäßig in Blättchen dieser Welt mit wechselnder Besetzung (Russen, Engländer, Deutsche, etc.) zu finden ist.
2. Ägyptische Tradititionen,
Alfred Ahrens 02.12.2013
was sind die denn ? Wäre schön, wenn sie mal ein paar aufgezählt hätten. Ausser Abzocken habe ich dort keine kennengelernt.
3.
buzzi 02.12.2013
Pecunia non olet. Welche Traditionen meinen die Ägypter? Die, Frauen als Objekte und Besitz anzusehen oder die, selbst ernannten Prohpheten und Moralpolizisten jeden religiösen Aberglaube für die allgmeinegültige Wahrheit zu erklären?
4. Die kyrillische Schrift ...
dasiggi 02.12.2013
... mag ein Novum in Ägypten sein. Aber glücklicherweise ist der Satz "Deutsche haben Vorfahrt" auf Bild zwei der Fotostrecke (mit dem Ziel Aldi Süd) noch deutlich zu erkennen, und wird sicher wieder aufgefrischt, wenn die Unruhen vorbei sind bzw. in den Köpfen der Deutschen mangels Schlagzeilen in Vergessenheit geraten sind ... also so ungefähr in drei bis sechs Tagen :).
5. Jeder
Hank Hill 02.12.2013
sollte doch wissen, daß man sich vorher schlau machen muss ob Russen den Urlaubsort frequentieren oder nicht. Wer einmal diese arroganten, Macho- Grosskotze erlebt hat wird sich den Urlaub nicht noch einmal verderben lassen. Verglichen mit dem primitiven Gehabe dieser Leute waren wir Deutsche im Ausland in den 60er und 70er Jahren die reinsten Waisenknaben.
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Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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