Europas unbekannte Inseln: Blaue Lagune statt Ballermann

Sie sind schön, einsam und manchmal auch skurril: Europas kleinste Inseln haben ihren ganz eigenen Charme. Manch ein Eiland ist nur mit dem Postschiff zu erreichen. Ein anderes verlangt von seinen Gästen, dass sie blankziehen.

Inselurlaub: Die kleinen Unbekannten Fotos
Corbis

Seychellen? Malediven? Bora Bora? Schon der Gedanke an eine einsame Insel weckt Urlaubsträume. Wer selbst einmal Robinson spielen möchte, muss gar nicht um die halbe Welt reisen. Denn zurückgezogene Ferien auf touristisch noch nicht überlaufenen Inseln kann man auch in Europa verleben. Hier sind die schönsten Geheimtipps für Europa. Garantiert ohne Ballermann und Bettenburgen.

Europas südlichste Insel

Diese Insel ist definitiv nichts für Eilige. 35 Kilometer vor der Südküste Kretas liegt Gavdos im Libyschen Meer. Zehn Kilometer lang und fünf Kilometer breit ist der mythische Wohnort der Nymphe Kalypso, die Odysseus sieben Jahre lang gefangen hielt. Fünfmal wöchentlich kommt das Postschiff vorbei. Wer aussteigt, entdeckt eine auffällig grüne Insel mit einsamen Sandstränden neben hundert Meter senkrecht abfallenden Steilküsten. Faszinierend in Erinnerung bleibt der Anblick der kieferbestandenen Dünen beim Hippiestrand Agios Ioannis.

Nicht einmal hundert Einwohner leben dauernd auf Gavdos. Der Inselbus pendelt nur im Juli und August durch Zedern- und Wacholderwälder zwischen dem Hauptort Kastri und dem Sarazenenstrand Sarakiniko. Am Strand gibt es immerhin ein Dutzend Tavernen und Bars sowie ein paar einfache Gästehäuser. Und wenigstens einmal wandert jeder Besucher zum Kap Tripti. Europas südlichster Punkt ist ein natürliches Felsentor, auf dem ein griechischer Künstler einen überdimensionalen Stuhl platziert hat. Da zu sitzen ist dann ein wahrlich erhebendes Gefühl.

Spuren im Sand

Das kroatische Susak ist ein kleines Wunder: die einzige Sanddüneninsel im Mittelmeer. Wie sich diese einst aus dem Wasser erhob, darüber rätselt die Wissenschaft. Die Besucher des gerade drei mal zwei Kilometer kleinen Eilands am Rand der Kvarner Bucht rätseln weniger. Sie haben in Mali Losinj das Linienschiff bestiegen und freuen sich nun über die feinsandigen Strände und die bambusgesäumten Sandwege dorthin.

Auf Susak geht fast jeder zu Fuß, die Insel ist autofrei. Hotels gibt es nicht, dafür eine Reihe hübsch renovierter alter Fischerhäuser. In den beiden durch Treppen verbundenen Inselorten wird in urigen Gasthäusern zum frisch gefangenen Fisch der auf Sand angebaute Inselwein ausgeschenkt.

Capris kleine Schwester

Die Promi-Inseln Ischia und Capri sind in Sichtweite. Doch auf Procida ist davon wenig zu spüren. Auf dem kleinen Inselchen sind die Einheimischen noch weitgehend unter sich. Der Hauptort heißt wie die Insel und steigt mit seinen pastellrosa-, weiß- und gelbgestrichenen Häusern steil an. Duftende Zitronen- und Orangenbäume sind über die ganze ursprüngliche Insel verteilt.

Unvergesslich bleibt der Blick von der befestigten Terra Murata auf das Fischerdorf Corricella mit seinem Gewirr von ineinander verschachtelten Häusern. Wohnen kann man in ehemaligen neapolitanischen Adelspalästen wie der Casa Sul Mare aus dem 18. Jahrhundert - stilvoll eingerichtet und mit traumhaftem Ausblick.

Madeiras Nachbarinsel

Madeira ist umrankt von Blüten, aber Sandstrände gibt es auf der portugiesischen Blumeninsel im Atlantik so gut wie nicht. Die findet der Kenner dafür nur 15 Flugminuten entfernt: auf Porto Santo. "Die Goldene Insel" nennen die Einheimischen das elf Kilometer lange und sechs Kilometer breite Eiland wegen der vorherrschenden warmen Farbtöne von Gelb bis Ocker.

Weil Porto Santo mitten im Golfstrom liegt, können Urlauber sogar im Winter im Meer baden. Die größte Attraktion ist der fast zehn Kilometer lange Sandstrand Campo de Baixo an der Südküste. Um den Hauptort Vila Baleira haben sich rund ein Dutzend Hotels angesiedelt. Das Haus, in dem Christoph Columbus einst den Entschluss gefasst haben soll, nach Amerika zu segeln, lockt nur wenige Besucher an. Die Stammgäste hoffen, dass das noch lange so bleibt.

Entzückende Kanareninsel

Nur die zwei Kilometer breite Meerenge El Rio trennt sie von ihrer großen Schwester Lanzarote: La Graciosa, die kleinste bewohnte kanarische Insel. Im Halbrund des Hafens dümpeln ein paar Fischerboote, weißgetünchte Häuser verteilen sich locker drumherum. Gerade 700 Spanier leben im Fischerörtchen Caleta del Sebo und in der winzigen Siedlung Pedro Barba. Bis auf ein paar Landrover gibt es keine Autos.

Die wenigen Urlauber wohnen in der einen erstaunlich komfortablen Apartmentanlage. Abwechslung schafft die einstündige Wanderung quer über die Insel: über Dünen, vorbei an den Vulkankegeln zum strahlend weißen Sandstrand Playa de las Conchas. Dort wäre es vielleicht sogar Robinson zu einsam.

Kommissar Maigrets Rückzugsort

Krimi-Fans wissen: Einer der schönsten Kommissar-Maigret-Bände spielt auf dem Dorfplatz von Porquerolles. Spätestens, wenn der Polizist im Inselrestaurant Arche de Noé genüsslich seine Bouillabaisse verzehrt, beschließt der Leser, selbst einmal an die Côte d'Azur zu reisen. So charmant beschreibt Georges Simenon in "Mein Freund Maigret" das gemächliche Inselleben. Simenon verfasste sein Buch 1949, heute ist Porquerolles fast noch verschlafener als damals.

In den siebziger Jahren wurde die Insel Teil des Nationalparks Port-Cros, seitdem darf außer den 350 Einwohnern niemand mehr dort Auto fahren. Und so erkundet der Gast das Acht-Kilometer-Eiland eben mit dem Fahrrad. Da ist der Dorfplatz mit der postkartenschönen Dorfbäckerei und mit dem Restaurant, das immer noch existiert. Und da gibt es drei Strände. Auf dem Badetuch an der silbrig schimmernden Plage d'Argent ist es dann Ehrensache, den Krimi aus dem Picknickkorb zu ziehen.

In der Blauen Lagune

Ihr wahrer Schatz liegt unter Wasser: Cominos Top-Attraktion ist seine traumhaft schöne Blaue Lagune. Taucher lieben die türkisblaue Bucht mit dem Boden aus gelbem Sand. Sonst locken auf der Drei-Quadratkilometer-Insel nur die Ruhe und das Rauschen des Meeres.

Wie ein kleines Kind liegt Comino geschützt zwischen den beiden größeren Inseln Malta und Gozo. Der Name Comino leitet sich vom Kümmel ab, der früher hier wuchs - heute duftet es auf dem rund 20 Meter hohen Felsplateau vor allem nach Thymian, Rosmarin und Oleander. Außer dem mittelalterlichen Wehrturm und einer kleinen Kapelle gibt es auf der Insel lediglich ein Gebäude: das Hotel Comino mit seiner eigenen Sandbucht und einigen Bungalows. Von dort blickt man verträumt aufs Meer und die Nachbarinsel Gozo.

Nackt, wie Gott sie schuf

Es ist einer der entlegensten Plätze Europas: Mit dem zwölf Kilometer langen Großen Strand von Ulcinj, den alle nur Copacabana nennen, endet Montenegro und beginnt Albanien. Kurz bevor der Grenzfluss Bojana ins Meer mündet, teilt er sich und bildet die Insel Ada Bojana. Dort gibt es bereits seit Titos Zeiten ein FKK-Camp.

Vorbei sind die Zeiten, als Urlauber mit einem umgebauten Militärgeländewagen auf das Inselchen im Flussdelta übersetzen mussten. Heute geht man einfach über eine Brücke. Urig bleibt die paradiesisch einsame FKK-Insel trotzdem. Einfache Bungalows stehen mitten auf der grünen Wiese. Am Strand herrscht striktes Badehosenverbot, die Bademeister sind da streng wie eh und je. Die Hose anbehalten darf, wer am Westufer des Flusses Bojana bleibt und dort zum Beispiel eines der exzellenten Fischrestaurants ansteuert.

Hans-Werner Rodrian/srt/dkr

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Alles wunderbar
abominog 11.05.2013
Also ich würde gerne diese Inseln mal erkunden, die Gastfreundschaft der Einwohner kennenlernen und meine Devisen dort unters Volk bringen. Problem: Devisenmangel. Hier in Quetschland hast du entweder Zeit ohne Ende und kein Geld, oder du hast Geld ohne Ende, aber keine Zeit. So sind diese herrlichen Inseln dazu verdammt, auf typisch deutsche Durchschnittsurlauber leider verzichten zu müssen. Naja, ist eventuell in vielen Fällen sicher nicht verkehrt und ausserdem gibt es hier bei uns in der Nordsee ja auch ein paar Inseln. Dort weht zwar oft ein ziemlicher rauher Wind, aber jede hat so ihren eigenen Charme...
2.
Leser161 11.05.2013
Zitat von sysopEuropas südlichste Insel
Gavdos ist sicher sehr hübsch, aber Madeira liegt 2° südlicher.
3. Comino
gunnar boehme 11.05.2013
Comino ist tatsächlich ein wunderbarer weltabgelegener Ort, jedenfalls in den Wintermonaten. Dann sind die Hotels (das Hotel und die Bungalowanlage befinden sich an zwei nördlich gelegenen Buchten der Insel, mit dem Blick auf Gozo) geschlossen, und außer dem Polizisten in St.Marija Bay und einer Farmerfamilie lebt niemand mehr auf der Insel. Bei schönem Wetter kann man die Insel ungestört erwandern und einige Hinterlassenschaften der früheren Besiedelung entdecken. In den Sommermonaten hingegen ist gerade die Blue Lagoon ein ziemlich betriebsamer Ort und an den Wochenenden hört man den Beat der Discoschiffe noch auf halb Gozo. Trotzdem, auch wenn man die totale Einsamkeit dort nicht findet, bleibt Comino auch im Sommer ein zauberhafter Ort, der einen Besuch wert ist. Jeder, der Gozo besucht, entdeckt schon auf der Fährfahrt den Wunsch, einmal dorthin zu fahren, und wer klug ist, wird sich diesen Wunsch erfüllen.
4.
totalmayhem 11.05.2013
Zitat von Leser161Gavdos ist sicher sehr hübsch, aber Madeira liegt 2° südlicher.
Und Tristan da Cunha wollen wir an dieser Stelle nicht vergessen, sind nochmal ein paar tausend Kilometer weiter nach Sueden. Gehoert schiesslich auch zum Gebiert der EU. Gehoert aber geografisch ebenso wenig zu Europa wie Madeira.
5. Vorschlag
michaelkaloff 11.05.2013
Palagruza mitten in der Adria hat mir gefehlt, ebenso wie unsere heimischen Geheimtipps ausserhalb der Saison. Als da wären: Juist, Spiekeroog, Neuwerk, Helgoland und die Halligen. In der Ostsee besondets Poel und die Greifswalder Oie.
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