USA per Wohnmobil: König der Schotterpiste

2. Teil: Martyrium auf der Schotterstraße

USA: Per Wohnmobil durch den Südwesten
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Eine mehr als 160 Kilometer lange gekrümmte Falte in der Erdkruste erinnerte erste Siedler an ein gewaltiges Riff - sie ist das Herz des Capitol Reef Nationalparks, wo der nächste Stopp ansteht. Die Felswölbung ist entlang einer Schotterstraße zu sehen, die für Wohnmobil-Besatzungen eher einer Marterstrecke gleicht: Schranktüren rappeln auf. Kochtöpfe werden zu Projektilen.

Bleibt man auf dem Highway 24 durch den Park, bekommt man zwar einen flüchtigen, aber immer noch beachtlichen Eindruck: Die asphaltierte Hauptstraße folgt dem Fremont River durch die "Waterpocket Fold". Die Fahrbahn ist eingezwängt zwischen Bergrücken.

Wo das Tal am breitesten ist, legten Mormonen um das Jahr 1880 Obstgärten an und gründeten das Dörfchen Fruita. Einige Farmgebäude sind noch erhalten, und von den Obstbäumen darf gepflückt werden.

"Hoodoos" genannte spitze Säulen aus Stein, durch Erosion geformt und zu Ketten zusammengepresst, verhexen den Betrachter im Bryce Canyon Nationalpark. Zu Sonnenauf- und -untergang versammeln sich Schaulustige an den Aussichtspunkten, wenn das Meer von Totempfählen erglüht. Wer das Auto länger stehen lässt, kann den Scharen auf einem Wanderweg entkommen und den "Hoodoos"-Zauber aus der Nähe erleben, bevor es weiter geht zum nächsten Naturwunder: Der Zion Nationalpark mit seinen Sandsteinklippen liegt nur eine Autostunde westlich.

Die berühmteste Western-Kulisse der Welt

Eine halbe Tagesreise weiter südlich schließt sich der Grand Canyon an, wohl der berühmteste Nationalpark des "Grand Circle". Wer nicht knapp zwei Kilometer tief in die Schlucht hinabsteigen möchte, kann an vielen Aussichtspunkten und auf kurzen Wanderwegen einen Blick auf zwei Milliarden Jahre geologische Erdgeschichte erhaschen, die der Colorado River freigelegt hat, indem er Schicht um Schicht durchschnitt, während sich das Colorado Plateau anhob.

Auch das Monument Valley an der Grenze von Utah und Arizona hat wohl jeder schon einmal gesehen - zumindest im Fernsehen. In den dreißiger Jahren entdeckte der Regisseur John Ford die Felsformationen als Kulisse für Cowboyfilme. Wind und Regen haben eine Gruppe von bis zu 300 Meter hohen, markant verwitterten Tafelbergen aus den umgebenden weicheren Gesteinsschichten herausgeschält. Dunkle Wolken ballen sich über dem Land der Navajo-Indianer zusammen, und die Grenze von Himmel und Erde verschwimmt. Ein weiterer Sandsturm übt sich gerade als Bildhauer.

An der Abbruchkante zum Tal liegt ein einfacher Campingplatz - eine staubige Fläche mit zwei Chemietoiletten, Mülltonnen und ein paar Picknicktischen. Doch das ist kein Problem, wenn man die eigene Infrastruktur dabei hat: Zelte flattern in den Sturmböen, streunende Hunde suchen Deckung unter dem Wohnmobil. Drinnen summt gerade der Teekessel. Ein Erdnussbutter-Sandwich dazu? Die großen Seitenfenster werden zum bequemen Logenplatz für ein dramatisches Naturschauspiel.

Die letzte Station auf dem Rückweg nach Denver liegt schon wieder in Colorado. Im Mesa Verde Nationalpark ist kein Naturwunder, sondern menschliches Kulturerbe geschützt. Auf dem mit knorrigen Kiefern dicht bewaldeten Tafelberg sind mehr als 4000 archäologischen Stätten verstreut: Es sind Ruinen von Häusern und Dörfern, die von den "Ancestral Pueblo"-Indianern errichtet wurden. Verschachtelte Alkovenbauten wie der um das Jahr 1200 konstruierte "Cliff Palace" mit seinen 220 Zimmern gehören wohl zu den bekanntesten.

Um sich hier als "King of the Road" zu fühlen, genügt aber schon ein einziges Zimmer - eines auf Rädern.

Heike Schmidt, dpa

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  • Datum: Montag 31.05.2010 | 14:30 Uhr
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