Usbekistan Entlang der alten Seidenstraße

Die Nähe zu Afghanistan und die islamische Prägung Usbekistans könnten manchen Besucher abschrecken. Das befürchten die einen. Die anderen hoffen auf einen Werbeeffekt für das Land, das im Krieg gegen das Taliban-Regime die militärische Basis des Westens wurde.


Die Menschen in der früheren Sowjetrepublik haben den Ruf, gastfreundlich und tolerant zu sein
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Die Menschen in der früheren Sowjetrepublik haben den Ruf, gastfreundlich und tolerant zu sein

Samarkand - Usbeken sind gastfreundliche und tolerante Menschen. Das behauptet Reiseführerin Tatjana Hegay. Ihr und ihrer Familie wurde die Gastfreundschaft vor vielen Jahren selbst zuteil. Tanja, wie sie genannt werden möchte, gehört zur koreanischen Minderheit im Land, die von Stalin in zwei Schüben 1937 und 1948 aus dem Fernen Osten des sowjetischen Riesenreiches nach Zentralasien verschleppt wurde. Dort sollte sie den Reis- und Baumwollanbau voranbringen. Hart sei das Leben gewesen, sagt die Frau, die heute in der Hauptstadt Taschkent lebt, aber Diskriminierung habe es nicht gegeben.

Auch die Russen, deren 1868 begründete Herrschaft über Usbekistan 1991 endete, wurden vom nationalen Aufbruch nach der Unabhängigkeit nicht hinaus geekelt. Die Quote der Rückkehrer nach Russland ist geringer als in anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, und noch immer ist Russisch Verkehrs-, wenn auch nicht mehr Amtssprache.

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Die Einwohner Usbekistans bilden ein buntes Völkergemisch: Der Besucher blickt in Gesichter, in denen sich von europäisch über türkisch bis mongolisch die ganze ethnische Bandbreite des asiatischen Kontinents widerspiegelt und mit ihr das unentwirrbare Wanderwesen der Weltgeschichte.

Nur seinesgleichen erblickt der Besucher eher selten: 270.000 Gäste, davon 11.000 Deutsche, reisten im vergangenen Jahr ein - viel zu wenig, finden die einheimischen Tourismusvertreter. Bis 2005 soll die Zahl bis auf 500.000 gesteigert werden, schließlich zählt das an Baudenkmälern reiche Usbekistan nach einer Untersuchung zu den Ländern mit dem weltweit größten touristischen Nachholbedarf.

Der 11. September hat diese Hoffnungen nur vorübergehend gedämpft. Er verwandelte das Land vom exotischen Reiseziel zur militärischen Plattform des Westens im Kampf gegen das afghanische Taliban-Regime. Urlauber blieben zwar erst einmal fern. Mittelfristig könnten sich die Schlagzeilen der vergangenen Monate aber günstig auswirken. "Jeder weiß jetzt, wo Usbekistan liegt", sagt Stefan Athmann, deutscher Verkaufsdirektor des Hotels Intercontinental in Taschkent.

Das Mausoleum Gur-Emir in Samarkand
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Das Mausoleum Gur-Emir in Samarkand

Ein wenig zusätzliche Aufklärung wird aber schon nötig sein. Veranstalter beeilen sich, auf den großen Standortvorteil Usbekistans hinzuweisen: Die wichtigsten Touristenattraktionen, die Städte Samarkand, Buchara und Chiwa, lagen an der Großen Seidenstraße, entlang derer sich in Antike und Mittelalter der wirtschaftliche und kulturelle Austausch zwischen China und Europa vollzog.

Der Wohlstand aus dem Handel ließ in Samarkand, Buchara und Chiwa Bauwerke entstehen, die in der orientalischen Welt ihresgleichen suchen. Hier finden sich mehr türkisblaue Melonenkuppeln und mit Keramik verzierte Portale als das westliche Auge unterscheiden kann.

Nicht zuletzt der Größenwahn der Herrscher spielte bei dieser Bauwut eine Rolle. Er trieb vor allem den Eroberer Timur Lenk um, der ein Reich von Konstantinopel bis Indien zusammenraffte. Die Eliten der eroberten Länder wurden ins Stammland gebracht, wo sie Timurs Ruf als Bauherr mehren sollte.

Usbekistans Nationalheld Timur: Auf dem Denkmal in seiner Heimatstadt Schahr-e Sabs heißt er Amir Temur
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Usbekistans Nationalheld Timur: Auf dem Denkmal in seiner Heimatstadt Schahr-e Sabs heißt er Amir Temur

An diese Kulturleistungen knüpft der junge usbekische Staat an, wenn er dem 1405 gestorbenen Herrscher nun wieder Denkmäler setzt. In Taschkent, der modernen und überraschend gepflegten Metropole, mussten dafür Marx und Engels weichen.

Restauratorenhand hat auch ein Bauwerk Timurs in weiten Teilen wieder auferstehen lassen. Mit der Moschee Bibi-Khanum wollte der Tyrann überbieten, was er bei den Maharadschas in Indien gesehen hatte. Acht Minarette und drei Kuppeln soll die Anlage umfasst haben. Timur unterbrach eigens seine Feldzüge, um das Baugeschehen zu überwachen. Einige Architekten und Handwerker kostete das den Kopf.

Heute ist unklar, ob technische Unzulänglichkeiten oder Erdbeben den allmählichen Einsturz des Gebäudes bewirkten. Im Volksmund ist eine Legende überliefert, die das Unglück der Moschee mit dem Interesse eines Baumeisters an der Lieblingsfrau Timurs in Verbindung bringt. Die Einwohner von Samarkand wissen, was sie ihrem Ruf schuldig sind. Schließlich war es ein König aus dieser Stadt, von dem sich Scheherazade durch ihre Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht freikaufte.

Ein Händler wirbt auf einem Basar für seine Instrumente
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Ein Händler wirbt auf einem Basar für seine Instrumente

Begraben liegt Timur mit Familienangehörigen im Mausoleum Gur-Emir - bezeichnenderweise im einzigen schwarzen unter allerlei weißen Sarkophagen. Von solcher Schlichtheit ist die Kuppel weit entfernt: Der massive Einsatz von Gold, Pappmaché und grünem Onyx lässt eine märchenhafte Wirkung entstehen, die den Erwartungen der weit gereisten Besucher an den Orient Genüge tut. Von außen durchziehen die Kuppel 63 Rippen - für jedes Lebensjahr Mohammeds eine.

Spielt Timur in der Geschichte Samarkands den Bösewicht, kann sein Nachfolger Ulug Bek die entgegengesetzte Rolle für sich in Anspruch nehmen. Der Enkel Timurs fühlte sich mehr als Gelehrter denn als Herrscher, versammelte Dichter um sich und betätigte sich als Astronom, wie seine zum Teil erhaltene Sternenwarte dokumentiert. Ulug Bek legte mit einer Koranschule den Grundstein zum Registan, dem Herzstück der Stadt. An drei Seiten ist der Platz von gleichartigen Gebäuden umstellt, was bei allem Fassadenschmuck die Wirkung von klassizistischem Ebenmaß hervorruft. Die vierte Flanke ist für den staunenden Beobachter frei gehalten.

Während auf dem Registan in Samarkand vor lauter Keramik alles wie in einem Badezimmer glänzt, wirkt das Stadtbild von Buchara rauer. Unglasiert sind die Ziegel der mächtigen Zitadelle oder des Mausoleums der Samaniden, das als ältestes und wertvollstes Gebäude Zentralasiens gilt.

Usbekischer Gemeindeältester: Auf dem Land tragen so genannte Weißbärte noch Turban, Stock und Stulpenstiefel
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Usbekischer Gemeindeältester: Auf dem Land tragen so genannte Weißbärte noch Turban, Stock und Stulpenstiefel

Auf der Busfahrt von Buchara nach Samarkand bekommt der Besucher einen Eindruck vom Landleben in Usbekistan. Er sieht weidende Kamele, Ziegen und Kühe, Esel mit schweren Lasten. Das Land ist in weiten Teilen grüner, als es die Meldungen über das allmähliche Austrocknen des Aralsees im Nordwesten befürchten lassen.

Außerhalb der Städte, in denen westliche Mode dominiert, tragen Männer bestickte Kappen; die Gemeindeältesten, auch "Weißbärte" genannt, sogar noch Turban, Stock und Stulpenstiefel. Frauen hüllen sich in traditionelle, farbenfrohe Gewänder. Ein Schleier wird auf der ganzen Reise nicht gesichtet. Und Passanten, die den Reisebus identifiziert haben, winken den Insassen überschwänglich zu. Tanja hat Recht: Usbeken sind gastfreundliche und tolerante Menschen.

Tobias Wiethoff, gms

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