Mountainbiken in Utah Schussfahrt mit Traumblick

Irrwitzige Felsen, haarsträubende Strecken: Für Mountainbiker ist der US-Bundesstaat Utah ein echtes Pilgerziel. Ein Shuttlebus bringt sie auf über 3000 Höhenmeter - dann geht es für 50 Kilometer lang bergab, bergab, bergab.

N. Eisele-Hein

"Kompletter Downhill-Wahnsinn", "50 Kilometer purer Flow": Auf der Internetseite singletracks.com wird kaum eine Radtour so euphorisch gelobt wie The Whole Enchilada in Utah. Sie wurde erst Mitte 2007 in Moab freigegeben, einer Region, die als eine der Geburtsstätten des Mountainbike-Sports gilt - hier herrschte schon vorher kein Mangel an Trails der Extraklasse.

Bereits 1969 wurde hier die Schwerkraft neu definiert. Damals, als die Mountainbike-Bewegung noch nicht mal in den Anfängen steckte, wurde mit dem Slickrock-Parcours eine haarsträubende Strecke zur Pilgerstätte für Sportler. Slickrock steht für versteinerte Sanddünen, deren Oberfläche im Verlauf von Jahrmillionen erodiert ist. Auf diesem Schmirgelpapier haftet der Reifengummi wie Marmelade an den Fingern.

Der gewaltige Strom des Colorado zersägt Utah regelrecht von Nordosten nach Südwesten und ist für einen Großteil der phantastischen Canyons rings um Moab verantwortlich. Er hat die Kleinstadt zu einem florierenden Epizentrum des Outdoor-Booms gemacht: In den überhängenden Granitwällen tummeln sich Extremkletterer, auf den furchteinflößenden Schaumkronen des Colorado River tänzeln Kajaks, auf steinernen Kamelbuckeln tummeln sich die Biker.

Flussläufe sorgen für Kühlung der Waden

Nicht nur der Whole-Enchilada-Trail, auch Routen mit Namen wie Burro Pass, Hazard County, Kokopelli und Porcupine Rim, alle miteinander verknüpft, lassen Bikerherzen schneller schlagen. Sie alle starten in den Monti-La-Sal-Mountains auf 3500 Meter Höhe - fast auf Großglockner-Niveau.

Jeden Morgen stehen die Shuttlebusse vor dem Poison-Spider-Bikeshop bereit und karren die Biker direkt ins Abenteuer auf knapp 3100 Meter hinauf. Die ersten Höhenmeter schrauben sich steil und schwierig in die Höhe. Selbst beim Schieben hämmert der Puls in der dünnen Höhenluft im Stakkato gegen die Schläfen. Nach 400 Metern bergauf liegen 50 Kilometer feinste Downhill-Pisten vor ihnen. Oben haben die Biker ein seliges breites Grinsen im Gesicht, dann verschwinden sie johlend in einer Staubwolke.

Vor der Kulisse der häufig verschneiten La-Sal-Berge führen endlose Kehren durch ausgedehnte Espenwälder. Zahlreiche Flussläufe sorgen für Kühlung der Waden und die passende Kriegsbemalung aus Schlammspritzern. Der Kokopelli-Trail führt auf schmalen Schotterpisten und steilen Felspassagen zielstrebig zur markanten Abrisskante des Wilson-Mesa-Plateaus.

Von hier blickt man auf das etliche hundert Meter tiefer gelegene Castle Valley. Immer haarscharf am Abgrund der Porcupine Rim entlang führt ein Mix aus Sand und Slickrocks zum Ende des Grats. Enge Haarnadelkurven fräsen sich ab Kilometer 45 zum großen Finale durch eine steile Felswand zurück zum Highway.

Zum Glück sprudelt nach zwei Kilometern Richtung Moab links aus einer Felsnische frisches Quellwasser. Dort liegen Biker mit hochgelagerten Beinen und füllen literweise Wasser in ihre ausgepumpten, aber glücklichen Körper.

Bizarre Westernkulisse

Aber völlig egal, in welche Himmelsrichtung man sein Mountainbike lenkt, sofort lässt die Phantasie Westernmelodien in Endlosschleife im Gehirn dudeln. Die unzähligen Biketrails rings um Moab führen allesamt durch eine bizarre Cowboyfilm-Kulisse. Nirgends lässt sich der Jahresurlaub schöner abstrampeln. Der Colorado hat ganze Arbeit geleistet, sich mehrere hundert Meter tief durch die Felsen gewühlt und dabei zahlreiche Sandsteinbögen und großartige Felsformationen hinterlassen.

Auf dem Poison Spider Loop wartet ein wenige Meter breiter, aber zu beiden Seiten jäh abfallender Steinbogen auf die Befahrung - nichts für schwache Nerven. Konditionsstarken Bikern offenbart der White Rim Trail einen echten Leckerbissen: zum Teil haarsträubend exponiert, immer an der weißen Kante des Colorado Canyons entlang. Profis fahren die 85 Meilen an einem Tag. Organisiert und mit einem Begleitfahrzeug wird daraus ein Viertagesausflug für jedermann mit einer Überdosis an Lagerfeuerromantik.

Nach getaner Arbeit treffen sich Biker, Kletterer und Kajaker bei Milt's Stop&Eat. Dort werden seit 1954 Burger von Hand mit den Wunschzutaten belegt und frisch zubereitet. Der absolute Favorit ist der Double-Chili-Cheeseburger. Der passt zwar kaum zwischen die Zähne, aber nach Moabs verschärften Traumtrails kommt eine solche Kalorienbombe gerade recht!

Norbert Eisele-Hein/SRT/sto



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Markus M. 27.09.2012
1.
Für alle Nicht-Mountainbiker ist der Bericht ja "ganz nett geschrieben". Alle anderen sind meiner Meinung nach hier besser aufgehoben: MTB-News.de (http://www.mtb-news.de) Dort gibt es z.B. einen "echten" Tourbericht unter: Reisebericht – Moab, Utah: Slickrock Trail und Whole Enchilada Trail (http://www.mtb-news.de/news/2012/06/28/reisebericht-moab-utah-slickrock-trail-und-whole-enchilada-trail/)
bgötz 27.09.2012
2. Tolle Leistung!?
Zitat von sysopN. Eisele-Hein Irrwitzige Felsen, haarsträubende Strecken: Für Mountainbiker ist der US-Bundesstaat Utah ein echtes Pilgerziel. Ein Shuttlebus bringt sie auf über 3000 Höhenmeter - dann geht es für 50 Kilometer lang bergab, bergab, bergab. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/utah-mountainbiken-auf-dem-whole-enchilada-trail-a-856793.html
Diese Landschaft ist berauschend schön. Aber: Was ist das für eine sportliche Leistung, sich per Bus (!) rauf fahren zu lassen? Das ist was für Weicheier und Schlappies. Ich möchte einen Berg nur dann runter sausen, wenn ich ihn vorher mit der Kraft meiner Beine selbst bezwungen habe.
m++ 27.09.2012
3. Danke...
...habe selber viele Jahre in Utah gelebt, und war wirklich nur wegen den einzigartigen Mountainbiketrails überhaupt bereit gewesen dorthin zu gehen. Der Bericht weckt viele schöne Erinnerungen. Übrigens gibt es ebenso schöne Strecken auf der anderen Seite, in Fruita, Colorado. Für Freunde des Hochalpinen, kann ich die Wasatch Mountains mit ihren vielen super Singletracks nur empfehlen.
Bosley86 27.09.2012
4. Sandsteinbögen
Die Arches in der Gegend um Moab sind nicht durch den Colorado enstanden sondern durch Erosion.
Ingmar E. 27.09.2012
5.
Zitat von bgötzDiese Landschaft ist berauschend schön. Aber: Was ist das für eine sportliche Leistung, sich per Bus (!) rauf fahren zu lassen? Das ist was für Weicheier und Schlappies. Ich möchte einen Berg nur dann runter sausen, wenn ich ihn vorher mit der Kraft meiner Beine selbst bezwungen habe.
Ganz meine Meinung. Was für Pussies. Der dickste Mauntenbaiker hat den größten Vorteil, weil am schnellsten bergab :D. In den Alpen kommt man mit dem Rad in vergleichbare Höhen, da fährt aber kein Shuttle-Bus, und die Leute schieben da auch nicht die letzten hundert hm, sondern die werden gefahren, teils mit ordentlich Gepäck.
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