Vulkaninsel in Vanuatu Kokelnde Krater, brodelnde Lavaseen

Michael Martin

Die Insel Ambrym im Südpazifik besteht größtenteils aus aktiven Vulkanen. Der Fotograf Michael Martin besteigt einige von ihnen - mit Gasmasken und Mut.

Zur Person
  • Elfriede Martin
    Michael Martin, 1963 geboren, ist Diplom-Geograf und renommierter Wüstenfotograf. Der Münchner hat seit seinem 17. Lebensjahr 150 Wüstenreisen unternommen und darüber mehr als 20 Bücher veröffentlicht, darunter auch "Die Wüsten der Erde" und "Planet Wüste". Martins neues Projekt: ein Porträt des Planeten Erde.
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Kochbananen, Maniok und frisch gefangener Thunfisch in Kokosmilch stehen bereit. "Welcome to our home", sagt Sessy, die Gastgeberin. Ihr Zuhause liegt in einer abgeschiedenen Gegend: Sie wohnt mit Ehemann John und vier kleinen Töchtern auf der Vulkaninsel Ambrym im Südpazifik.

John hat uns vom Flugplatz abgeholt, einer holprigen Graspiste. Meine Frau Elly, der französische Vulkanologe Yashmin Chebli und ich waren mit einer Cessna aus Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus, gekommen. Das Ziel: die Vulkankrater von Ambrym.

Die 43 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Insel gehört zum Archipel von Vanuatu und liegt 2000 Kilometer östlich von Australien im Südpazifik. Aufgrund einer komplexen tektonischen Situation - hier treffen eine divergente und eine konvergente Plattengrenze zusammen - kommt es in diesem Gebiet zu den unterschiedlichsten Formen von Vulkanismus.

Die Insel Ambrym ist ein Schildvulkan mit einer zwölf Kilometer großen Caldera, also einer kesselförmigen Struktur, die auf einen Ausbruch des Vulkans vor 1900 Jahren zurückgeht. In der Caldera sind die Krater Benbow und Marum mit ihren Lavaseen entstanden. Weltweit gibt es nicht einmal zehn solche Naturphänomene.

Am nächsten Morgen kommt die männliche Verwandtschaft von John in den Garten. Sie helfen uns, Zelte, Vorräte, Seile und Kameras vier Stunden durch den dichten Regenwald 800 Höhenmeter zum Basislager in der Caldera zu tragen. James geht mit der Machete voran und schlägt den Weg frei. Solange wir den erstarrten Lavaflüssen folgen, ist der Aufstieg angenehm. Bald aber führt der schmale Pfad durch Morast und über Wurzeln extrem steil nach oben.

Gegen Mittag erreichen wir erschöpft den Rand der Caldera und schlagen zwischen Bäumen und Büschen das Lager auf. John zieht mit Kanistern zu einer Quelle los, um Wasser zu holen, zwei Männer entfachen ein Feuer, um zu kochen. Einer der mitgelaufenen Dorfhunde spürt im Buschwerk ein Wildschwein auf, hält es am Hinterlauf fest, bis einer der Träger das Tier mit einer Machete erlegt - eine willkommene Ergänzung zu Maniok, Kochbananen und Reis.

Fotostrecke

20  Bilder
Vulkaninsel in Vanuatu: Kraterkletterei im Südpazifik

Yashmin, der die Vulkantour organisiert hat, geht mit uns die Ausrüstung für die Nacht durch: Gasmasken, Stirnlampen und Bergschuhe, dazu kommen meine umfangreiche Fotoausrüstung und das Stativ. Um 1 Uhr nachts brechen wir zusammen mit den Trägern James und David auf. Kaum sind wir aus dem Regenwald getreten, sehen wir Rauchsäulen über den Kratern Benbow und Marum leuchten. Beide liegen im Zentrum der Caldera und sind je zwei Gehstunden entfernt. In der ersten Nacht wollen wir zum Marum-Krater aufsteigen.

Es gibt keinen Pfad, wir halten einfach auf die rot glühenden Wolken zu. Um bei aufziehendem Nebel den Rückweg zu finden, zieht James einen Stock hinter sich her und zeichnet einen drei Kilometer langen Strich in den Lavasand. Nach einer Stunde kommen wir einem vorgelagerten sogenannten Pitkrater näher, aus dem ätzender Rauch aufsteigt, der von heftigem Wind gen Boden gedrückt wird. Wir ziehen unsere Gasmasken über, deren spezielle Filter uns trotz der hohen Konzentration an Schwefeldioxid das Atmen ermöglichen.

Michael Martin

Bald ist der Nebenkrater passiert, und wir steigen ohne Maske zum Rand des Marum-Kraters auf. Der Weg führt mal über steile Aschehänge, mal über erstarrte Lava und ist in der mondlosen Nacht trotz unserer LED-Stirnlampen kaum zu erkennen. Nach einer weiteren Stunde steigt die Spannung, als wir uns dem Kraterrand nähern. Wird der Lavasee zu sehen sein oder verhindert Dampf die Sicht?

Die letzten Meter beschleunige ich meine Schritte und stehe schließlich um 3.30 Uhr am Kraterrand. Die Sicht ist frei auf den 80 Meter großen Lavasee, der in leuchtendem Orange und mit lautem Fauchen unter mir brodelt. Aus einer Magmakammer in 24 Kilometer Tiefe dringt flüssiges Gestein an die Oberfläche. Eine permanente Ausgasung führt zu immerwährender Konvektion, sodass pausenlos meterhohe Lavablasen und Fontänen entstehen. So muss die Hölle aussehen.

Zum Fotografieren muss ich bis an den Abbruch treten, um den ganzen See sehen zu können. Mich trennen nur Zentimeter vom Abgrund, nichts für schwache Nerven.

Zum Abschluss: Wildschweinbraten

Wir versuchen, so viel wie möglich zu fotografieren und zu filmen, denn um 4.30 Uhr setzt die Dämmerung ein, welche die Kontraste abschwächt. Später lässt das Dämmerungslicht die Umrisse des Kraters aber besser erkennen. Bei Sonnenaufgang schieße ich mein letztes Foto, und wir beginnen den zweistündigen Abstieg zum Basislager. Dort empfängt uns John zum Frühstück mit Kaffee und Omelettes.

Gestärkt bereiten wir die nächste Tour vor, vom Basislager zum Benbow-Krater. Zusätzlich führen wir nun Seile und Helme mit, denn er ist schwerer zugänglich als der Marum-Krater. Nach einer Stunde Marsch durch die Caldera müssen wir uns 150 Höhenmeter tief abseilen, bevor wir den inneren Krater erreichen können.

Der Lavasee des Benbow ist kleiner, brodelt aber nur 150 Meter unter dem Kraterrand. So spüren wir die Hitze, die von ihm aufsteigt. Leider verdeckt ein vorgelagerter Absatz den Blick auf den ganzen See.

Mit meiner Drohne kann ich dennoch schöne Fotos erhaschen. Nach einem kräftezehrenden Aufstieg und dem Rückmarsch durch die Caldera entlang des von James im Sand gezogenen Strichs kehren wir vor Mitternacht ins Basislager zurück. Dort erwartet uns John mit dem geräucherten Wildschwein.

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4 Leserkommentare
fatherted98 20.08.2018
Semmelbroesel 20.08.2018
amon.tuul 20.08.2018
redneck 21.08.2018

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