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Vietcong-Tunnel in Cu Chi: Kriechen im Spinnennetz

Die unterirdischen Geheimgänge von Cu Chi leisteten den Partisanen im Vietnam-Krieg einst gute Dienste. Ihre Gegner fanden meist nicht einmal den Eingang zu den Labyrinthen - den zahlreichen Touristen geht es heutzutage nicht anders.

Vietnam: Die Tunnel von Cu Chi Fotos
REUTERS/ Argentine Presidency

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Touristen lugen hinter Büsche, biegen Äste zur Seite, prüfen sorgfältig das Gras. Wo ist bloß das Loch? Die Besucher aus China, Südkorea, Japan, Kanada und Deutschland sind auch nicht klüger als die US-Soldaten im Vietnam-Krieg. Die kleinen versteckten Eingänge zu dem riesigen unterirdischen Labyrinth sind gut getarnt. Ein junger Vietnamese im olivgrünen Anzug kratzt Laub beiseite, hebt einen kleinen Deckel hoch, springt blitzschnell in ein Loch. Sein Kopf ist noch sichtbar. Kurz darauf ist der Mann verschwunden.

An Cu Chi, 65 Kilometer nördlich von Saigon, das offiziell längst Ho-Chi-Minh-Stadt heißt, haben sich US-Truppen und ihre Verbündeten aus Südvietnam einst die Zähne ausgebissen. Die Vietcong ließen sich aus ihrem unterirdischen "Spinnennetz" nicht vertreiben, nutzten es als Versteck, Festung und Stützpunkt für blitzartige Guerilla-Attacken.

Heute ist der Besuch in Cu Chi eine Mischung aus preiswertem Abenteuer, Spannung, Erinnerung und Geschichtsunterricht. Manches mag auf einige Besucher makaber wirken: die kostenpflichtigen Schießübungen mit Kriegswaffen, Touristen, die sich mit Maschinenpistole und Granate auf dem Panzer fotografieren lassen - oder der alte sozialistische Propagandafilm über die guten, heroischen Patrioten der Region. Doch davon abgesehen ist Cu Chi ein Muss, zumal der sechsstündige Ausflug von Saigon mit Bus, Führer und Eintritt schon für weniger als 15 Euro angeboten wird.

"Mein Vater hat beim Tunnelausbau in den neunziger Jahren geholfen", erzählt Ngo Quang Minh. Der 68-Jährige ist seit einigen Jahren Reiseführer in Cu Chi. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass es im Land wirtschaftlich aufwärts geht. Früher hatte er im Reisfeld für gut einen US-Dollar am Tag gearbeitet. Heute nehmen er und seine Kollegen täglich allein 10 bis 20 US-Dollar Trinkgeld ein.

Drei Etagen unter der Erde

Ngo Quang Minh zeigt nun seiner Gruppe getarnte Fallen, die im Krieg ihre Opfer grausam verstümmelten. Wohl ist dem 68-Jährigen nicht dabei. Auch er hat wie fast alle Vietnamesen Angehörige im Krieg verloren.

In kleinen spartanischen Küchen wird den Gästen echte Soldatenkost serviert. Souvenirstände und Shops zwischen Bambusstauden und Palmen bieten Postkarten, Poster, Dolche, Gewürze, Gläser mit Mixturen und Schlangen, Munition, die rote Vietcong-Fahne, T-Shirts und Kappen mit Tunnel- und Kampf-Motiven an.

Ein Abstieg in die Tunnel ist auch möglich, jedoch haben dazu nur die Schlankeren und Kleinen der ausländischen Besucher eine Chance, sich durch eine Öffnung des Tunnelkomplexes zu zwängen. Das Riesenlabyrinth mit teilweise drei Etagen unter der Erde wurde für Vietnamesen gebaut, nicht für kompakte US-Soldaten oder träge Touristen mit Bierbäuchen. Doch manche Abschnitte des 200 Kilometer langen Tunnelsystems sind für die Kriech- und Watschelübungen der Touristen erweitert worden.

Für Cristina Fernandez de Kirchner, Staatspräsidentin Argentiniens, war es leicht, in einen der verdeckelten Eingänge zu klettern. Sie ist rank und schlank. Die Fotos gingen Anfang 2013 um die Welt. Während des Vietnam-Krieges konnten Soldaten der US-Armee einige Eingänge und Abschnitte erobern. Sie scheiterten aber an den Dimensionen des riesigen "Spinnennetzes" und den Finten des gegnerischen Vietcong.

Bernd Kubisch/dpa/dkr

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