VIP-Villa "Sunnylands": Luxus-Unterschlupf für Präsidenten

Aus Rancho Mirage, Kalifornien, berichtet

Reagan war Stammgast. Nixon fand hier nach dem Watergate-Skandal Zuflucht. Und Sinatra feierte im "Sunnylands" seine Hochzeitsparty: Die Luxusvilla in Kalifornien war ein Unterschlupf für die Schönen und Mächtigen der USA. Jetzt können erstmals Touristen das Anwesen besichtigen.

Luxus-Refugium "Sunnyland": Sommerfrische für Stars und Staatsmänner Fotos
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Die Reagans schliefen im selben Zimmer, aber getrennt. Zwei Einzelbetten, dazwischen ein schlichter, hölzerner Nachttisch: Die Bezüge mit dem gelb-grünen Blumenmuster korrespondierten mit den Botanik-Stichen an der Wand und den kitschigen Löwenfuß-Lampen zu beiden Seiten. Durch die weiten Verandatüren konnte das Präsidentenpaar über den Kurzrasen hinaus auf die Hochwüste und dahinter die Zacken der San Jacinto Mountains blicken.

Die Blumenmuster-Bezüge sind bis heute zu bestaunen, sorgsam instandgehalten. Ebenso die Botanik-Stiche und die Löwenfuß-Lampen. Auch der Fernblick ist unverändert: Es ist, als wäre die Zeit stehengeblieben im "Yellow Room", dem Lieblingszimmer von Ronald und Nancy Reagan bei ihren vielen Visiten hier. Nur die gelben Geleebonbons im Glas, koordiniert mit dem Farbmotiv des Zimmers, die sind frisch.

Diese furchtlose Mischung aus Stil und Stilbruch prägt ganz "Sunnylands", den einstigen Sommersitz des Diplomatenehepaars Walter und Lee Annenberg. Die Annenbergs waren legendäre Gastgeber - für Präsidenten, Stars, gekrönte Häupter. Ihr kalifornisches Anwesen, eine 2300-Quadratmeter-Villa im Sechziger-Jahre-Design voller Kunst und Kitsch, diente ihnen als Refugium vor der Welt.

Camp David der Westküste

Walter Annenberg starb 2002 im Alter von 94 Jahren, seine Witwe Lee vor drei Jahren mit 91. Jetzt soll "Sunnylands" an den alten Glanz neu anknüpfen, als künftiger Tagungs- und Gipfelort - ein "Camp David der Westküste", so die Annenberg-Stiftung in hoffnungsvoller Anspielung auf den US-Präsidentenlandsitz.

Ab März wird das architektonische Kleinod mit seinem 80-Hektar-Park außerdem erstmals für Besucher geöffnet - nicht für Übernachtungen, aber immerhin für Besichtigungstouren. "Wir achten penibel darauf, dass alles erhalten bleibt, wie es früher mal war", sagt Mary Perry, die Marketingchefin für "Sunnylands", die den Besucher in einem Golfmobil über das Gelände kutschiert. "Wir wollen diesen Nachlass ehren."

Und was für ein Nachlass: Walter Annenberg hatte den Verlag des Vaters geerbt, zu dem der "Philadelphia Inquirer" gehörte, und ihn in ein Medienimperium verwandelt. Mit der Fernsehzeitschrift "TV Guide" und dem Teenie-Magazin "Seventeen" machte er ein Vermögen. Seine Frau Lee war eine Nichte des Hollywood-Studiochefs Harry Cohn (Columbia Pictures), der sie an Vaters Statt großgezogen hatte.

Da Lee Kalifornien vermisste, kauften sich die Annenbergs 1963 ein Wüstenareal in Rancho Mirage, unweit der VIP-Enklave Palm Springs, und bauten es zur Sommerfrische aus. Das Haupthaus, 1966 fertiggestellt, war vom Stararchitekten A. Quincy Jones entworfen worden - ein lichter Palazzo mit 22 Gästezimmern sowie einer "Master Suite" für Stars und Staatschefs.

Sieben Präsidenten waren hier Gäste

Lange nutzten die Annenbergs "Sunnylands" jedoch kaum: Richard Nixon ernannte Walter Annenberg 1969 zum US-Botschafter in London. Lee Annenberg war später unter Ronald Reagan ein Jahr Protokollchefin des Weißen Hauses - "mein einziger bezahlter Job", sagte sie später.

Dank dieser Society-Connections las sich das Gästebuch der Annenbergs bald wie ein "Who's Who" der US-Gesellschaft. Sieben Präsidenten weilten auf "Sunnylands": Dwight Eisenhower, Richard Nixon, Gerald Ford, Ronald Reagan, George Bush, Bill Clinton und George W. Bush. Bush Senior stellte nachts gerne eine Angelrute ans Fenster, für frühmorgendliche Ausflüge.

Reagan feierte auf "Sunnylands" 18-mal Silvester, am liebsten mit Golfspielen. Nixon verfasste hier 1974 seine Regierungsansprache und verkroch sich im selben Jahr nach seinem Watergate-Rücktritt vor Reportern. "Wenn es dir schlecht geht", schrieb er ins Gästebuch, "merkst du, wer deine wahren Freunde sind."

Sie waren nicht die einzigen, die hier Zuflucht suchten. Queen Elizabeth II. war Stammgast - "Sunnylands" ist das einzige US-Privathaus, das sie je beehrte. Als Prinz Charles 1981 zu Besuch kam, löste Lee Annenberg einen Proteststurm aus: Sie machte einen Knicks - eine für Amerikaner unannehmbare Reverenz.

Hochzeitsparty für Sinatra

Die Annenbergs bewirteten Regierungschefs (Maggie Thatcher, Japans Ministerpräsident Toshiki Kaifu), Hochadel (Fürstin Gracia Patricia von Monaco), Hollywood-Legenden (Bing Crosby, Bob Hope, Gregory Peck, James Stewart) und Silicon-Valley-Stars (Bill Gates). Frank Sinatra heiratete hier 1976 seine vierte und letzte Ehefrau, das Model Barbara Marx.

Sie alle fanden eine Idylle hinter den rosa Mauern von "Sunnylands", die das Licht der Wüstensonne reflektieren. Doch keiner durfte unangemeldet vorbeischauen: "Selbst wir mussten auf eine Einladung warten", sagte Diane Deshong, Tochter von Lee Annenberg aus einer früheren Ehe, der "Washington Post".

Trotzdem behandelten sie alle gleich - als Freunde. Ob bei rauschenden Cocktail-Partys, eleganten Dinners, privaten Filmvorführungen oder intimen Spielabenden. Am Rande des Wohnzimmers steht ein lackierter Backgammon-Tisch, es war das Lieblingsspiel der Annenbergs. So, verriet Walter Annenberg der Queen, "leben ganz normale Amerikaner".

Das war natürlich ein Understatement. 1988 verkaufte Annenberg seinen Konzern für drei Milliarden Dollar an Rupert Murdoch - damals der lukrativste Medien-Deal der Geschichte. Seinen immensen Reichtum nutzte er, um teure Kunst und Antiquitäten zu sammeln.

Meisterwerke an der Wand

Überall finden sich unschätzbare Gemälde und Skulpturen: Insgesamt 52 Stücke von Meistern wie Vincent van Gogh, Claude Monet, Edgar Degas, Paul Cézanne und Paul Gauguin.

Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass es digitale Reproduktionen sind. Die Originale stifteten die Annenbergs 1987 ans New Yorker Metropolitan Museum, wo die Sammlung heute einen nach ihnen benannten Flügel füllt. Damaliger Schätzwert: eine Milliarde Dollar.

Daneben sammelten die Annenbergs alles, was sich sammeln ließ. Zum Beispiel mehr als 3000 Briefe aus dem Weißen Haus, 3400 kostbare Bücher, Meissen-Porzellan und Steuben-Glas.

Ein Kuriosum von "Sunnylands" ist, dass es nicht nur solche Schätze birgt, sondern noch viel mehr privaten Schnickschnack. Im "Room of Memories" finden sich Reisesouvenirs, Briefbeschwerer, bestickte Kissen mit den Initialien "W.A." und Dutzende Fotos, deren billige Supermarktrahmem in krassem Kontrast stehen zu den prominenten Gesichtern darauf.

Rundfahrt dauert eine Stunde

Die Villa liegt inmitten eines Parks mit elf Frischwasserseen, 6000 Olivenbäumen, 53.000 verschiedenen Wüstenpflanzen, einem 18-Loch-Golfkurs, einem Tennisplatz - und einem pinken Mausoleum für die Ex-Besitzer. Die Rundfahrt im Golfwagen dauert eine Stunde.

"Wir hätten 'Sunnylands' als eine Art Museum oder Mausoleum eröffnen können", sagte Annenbergs Tochter Wallis, die Präsidentin der Stiftung, der "New York Times". "Aber das wäre eine schlimme Verschwendung gewesen."

Die Renovierung von "Sunnylands" und der Bau eines Besucherzentrums kosteten 65 Millionen Dollar. Künftig soll es Touristen zum Staunen bringen - und Staatsmänner zum Denken. "Sunnylands" wird als Tagungsort vermarktet: Drei hochkarätige Gipfeltreffen sind bereits fürs Frühjahr anberaumt, darunter eines zu den US-mexikanischen Beziehungen.

Doch der wahre Reiz bleibt die Mischung aus privatem Sammelwahn und politischer Extravaganz. So ist eine ganze Wand tapeziert mit Weihnachtskarten, säuberlich handsigniert. Absenderin: die britische Königinmutter.


"Sunnylands"

37977 Bob Hope Drive
Rancho Mirage, CA 92270, USA
Geöffnet Donnerstag bis Sonntag, 9 bis 16 Uhr

Tickets: sunnylands.org

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Schönheit
pepito_sbazzeguti 01.03.2012
"Die Luxusvilla in Kalifornien war ein Unterschlupf für die Schönen und Mächtigen der USA." Wenn es um Schönheit geht, dann waren Mr. Nixon und Mr. Reagan dort sicher an der richtigen Adresse. Danke für diesen Morgenwitz, Herr Pitzke.
2.
alex_spiegelt 01.03.2012
Hier bewundert der Spiegel, in welchem edelen Stil US-Präsidenten zu Gast übernachten können - in Deutschland wird der Präsident vom gleichen Spiegel aus dem Amt gejagt, wenn er mal eine Übernachtung ohne Bezahlung annimmt.
3. ???
mercedestown 01.03.2012
Zitat von sysopReagan war Stammgast. Nixon fand hier nach dem Watergate-Skandal Zuflucht. Und Sinatra feierte im "Sunnylands" seine Hochzeitsparty: Die Luxusvilla in Kalifornien war ein Unterschlupf für die Schönen und Mächtigen der USA. Jetzt können erstmals Touristen das Anwesen besichtigen. VIP-Villa "Sunnylands": Luxus-Unterschlupf für Präsidenten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,818352,00.html)
Was fuer eine Scheinheiligkeit. Zitat "Trotzdem behandelten sie alle gleich - als Freunde" Bei Wulf wird so lange jeder Stein umgedreht und attakiert, bis er mit dem Ruecken zur Wand steht. Und hier bewundert Spiegel-Online das luxurioese Ambiente in welchem sich Praesidenten und Stars die Klinke in die Hand gaben. Vieleicht sollten sie mal fragen, ob fuer die Uebernachtungen auch bezahlt wurde!!
4. Verwechslung
mb52 01.03.2012
Zitat von alex_spiegeltHier bewundert der Spiegel, in welchem edelen Stil US-Präsidenten zu Gast übernachten können - in Deutschland wird der Präsident vom gleichen Spiegel aus dem Amt gejagt, wenn er mal eine Übernachtung ohne Bezahlung annimmt.
Sie bringen die Fakten ganz schön durcheinander: 1. der Spiegel hat niemanden aus dem Amt gejagt 2. es gab noch viel mehr und viel schwerwiegendere Vorwürfe, als nur eine Übernachtung ohne Bezahlung 3. an Punkt 2. anknüpfend: Sagen Ihnen die Begriffe Anstand und Ehre etwas? Nach der derzeitigen Lage der Dinge ist zu befürchten, dass Sie Ihren Schützling bis an sein Lebensende aushalten können, auf dass es ihm gut gehe.
5.
rasch63500 01.03.2012
erstaunlich: in Amerika stört sich keiner daran, dass Präsidenten bei Privatleuten, die noch dazu sehr einflussreich sind, Urlaub machen - hier werden sie deshalb gezwungen, zurückzutreten!
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