Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sämen-Nationalpark in Äthiopien: Wandern auf dem Dach Afrikas

Wandern in Äthiopien: Tiefe Schluchten, grüne Ebenen Fotos
S. v. Aretin

Im Sämen-Nationalpark im Norden Äthiopiens drängen sich mehr als ein Dutzend Viertausender. Wer hier wandert, erlebt tiefe Schluchten, schroffe Felsen und grüne Hochebenen. Ein Weltkulturerbe mit spektakulären Aussichten.

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Drei Lager lernen wir auf unserer Tour kennen - mal mit Dusche, mal ohne, aber immer mit Rundhütten zum Kochen und flachen Wiesen zum Zelten. Vier Tage sind wir zum Wandern in den Sämen-Bergen unterwegs. Der Nationalpark im Norden von Äthiopien ist einer der ältesten und kleinsten in Afrika, und er gehört zu jenen mit den wenigsten Besuchern. Hier ist es einsam, die Natur spektakulär.

Das schönste der Lager ist Gich. Es liegt über dem gleichnamigen Dorf auf einer gewaltigen Hochebene. Die weichen Wiesenmatten auf 3500 Meter Höhe teilen wir uns mit feingliedrigen Pferden, die oberhalb der Hütten grasen, und einigen Kindern, die mit einem jungen Franzosen Frisbee spielen.

Vor uns liegt unser erster Viertausender, der Inatye, mit einem prachtvollen Blick über den gesamten Nationalpark. Hinter uns der erste volle Wandertag: Sechs Stunden sind wir über schmale Pfade durch moosbehangene Wälder und kniehohe Gräser gelaufen. Am Ende kam das Anstrengendste, ein letzter Anstieg über die Hauptstraße von Gich. Die steile, mit Felsbrocken befestigte Schneise haben wir in großen Schritten erklommen. Oben genießen wir erschöpft die Landschaft, im Liegen, ausgestreckt vor unseren Zelten.

Das Dach Afrikas nennen die Äthiopier den Simien Mountains National Park (SMNP), auf Deutsch Sämen-Nationalpark. Auf nur 220 Quadratkilometern drängen sich hier mehr als ein Dutzend Viertausender. Der mit 4624 Metern höchste ist der Ras Daschen. Mehr als tausend Meter tief bricht der Vulkanstein in steile, schattige Schluchten ab. Und die grünen, sonnigen Hochebenen werden noch auf über 3000 Metern bewohnt und bewirtschaftet.

Mit Kindern und Reitmuli

Um die Dörfer mit den schilfgedeckten Rundhütten erstrecken sich Gärten mit Teff, einer Hirseart, die in Äthiopien als besonders widerstandsfähiges Getreide kultiviert wird. Im Frühling, von September bis Oktober, leuchten Gärten und Weiden in frischem Hellgrün. Im Nordosten schließt eine spektakuläre Bergkette rund um den Ras Daschen das Panorama ab.

Wir sind als einigermaßen geübte Bergsteiger mit unseren beiden Kindern unterwegs, 7 und 13 Jahre alt. Zur Verstärkung haben wir uns ein Reitmuli geliehen. Auch unser Gepäck - Zelte, Kochutensilien, Lebensmittel - wird von einer kleinen Karawane von Lager zu Lager gebracht. Teddy, unser junger Guide aus dem Städtchen Debark am Fuß der Berge, nimmt die Kinder an die Hand, wenn es steil wird.

Der 21-Jährige läuft neben uns, wenn wir müde sind und nur noch auf den Weg schauen, und deutet auf die Dscheladas, eine mit Pavianen verwandte Affenart, die nur hier auf der Hochebene vorkommt. Auch ein Scout mit einem altertümlichen Gewehr begleitet uns. Er sagt, er habe es immer schon gehabt. Wofür er es braucht, bleibt unklar, aber der Schutz ist staatlich vorgeschrieben.

Von einem Felsvorsprung aus können wir ein wunderbares Naturschauspiel beobachten: In einer der schattigen Schluchten des Gegenhangs stürzt ein Wasserfall Hunderte von Metern in die Tiefe. An dieser Wand, erzählt Teddy, hätten sich vor Kurzem Kletterer bergabgehangelt. Zwei Tage dauerte das Sichten und Sichern der Felsen, am dritten Tag wagten sich die spanischen Pioniere in die Tiefe. Am vierten war der Abstieg noch einmal über eine andere Route möglich. Über eine Leiter erreichten die Kletterer dann wieder das Camp Gich.

Die äthiopischen Guides, drei Jahre lang mit besonderen Kenntnissen über die Berge und in der englischen Sprache ausgebildet, führen Ausländer an die richtigen Orte zum Campen und Klettern. Die Extremsportler mussten ihre Ausrüstung dagegen selbst mitbringen.

Ringen um Nationalparkgebiet

Auch unser Mittagslager befindet sich an einem erfrischenden Wasserfall. Gleich mehrfach ergießen sich kühle Ströme in tiefe Auffangbecken. Wir kraxeln über den schiefergrauen Fels, finden Nischen für einen bequemen Sitzplatz und lassen unsere Füße über dem Abgrund baumeln.

Zeit, nach dem Walia Ibex, dem äthiopischen Steinbock, Ausschau zu halten. Er bleibt jedoch verborgen, überhaupt sind die Tiere nur selten zu sehen. Kurz nachdem die Sämen-Berge 1978 zum Unesco-Welterbe ernannt worden waren, erhielten sie auch schon den Status des gefährdeten Erbes: Zu viele Menschen leben in den Bergen, um die Tierpopulationen dauerhaft wachsen zu lassen.

Seither liefern sich die Unesco und einheimische Politiker ein erbittertes Ringen um jeden Quadratmeter Fläche, um das der Nationalpark erweitert werden soll, und um jedes Dorf, das dadurch seine Lebensgrundlage verlieren und umgesiedelt werden könnte.

Unser eindrücklichstes Tiererlebnis in den Bergen ist daher eng mit den Menschen verbunden. Ein paar Kinder scherzen mit uns an einem der Rastplätze und verlieren dabei ihre eigentliche Aufgabe aus den Augen - das Hüten der Schafherde. Plötzlich sehen wir die Tiere im aufgeregten Zickzack über die Weide stürmen. Wenig später schleppen die Kinder ein verletztes Schaf an. Ein Wolf oder Schakal habe es gerissen, erzählen sie. Wegen der Tollwutgefahr können die Bauern das Fleisch nicht einmal verzehren.

Nachts wird es eiskalt in den Lagern. Auf dem Gras bildet sich Reif, die Milchstraße zieht sich über den Nachthimmel. Am Feuer in der Rundhütte werden jetzt Geschichten erzählt, Träume gesponnen, Zukunftspläne gemacht.

Für die jungen Führer im Nationalpark ist es der Traum von der touristischen Entdeckung. Denn bisher sind die spektakulär schönen Berge fast unbekannt geblieben. Knapp 20.000 ausländische Wanderer kommen derzeit im Jahr in den Nationalpark - nur ein Bruchteil der Besucherzahl anderer afrikanischer Naturdenkmäler.

Weitere Informationen
Anreise
Ein Flug mit Ethiopian Airways von Frankfurt über Addis Abeba nach Gondar kostet je nach Tagesangebot zwischen 500 und 800 Euro.

Reisebüro in Deutschland: AT Reisen, Karl-Liebknecht-Straße 127, 04275 Leipzig, Tel. 0341/5500940, www.at-reisen.de.
Hotels
In Addis Abeba: AG Palace Hotel, 22 Mazorea/Equatorial Guinae St. (hinter der Central Shoa), Fax: 00251/11 6620463, Tel. 00251/11 6620456, www.agpalacehotel.com, Reservierung über www.expedia.de, DZ vor Ort ab 45 Euro.

In Gondar: Landmark Hotel, 00251/581 122929/30, P.O.BOX: 2235, Gondar, www.gonderlandmark.com, DZ ab 40 Euro, neu, schöner Blick, zentrumsnah.

Goha Hotel, Tel. 00251/58 111 06 34, Fax: 00251/581 111920 P.O.Box: 182, Gondar, www.gohahotel.com, DZ ab 40 Euro, etabliertes Hotel etwas außerhalb von Gondar mit herrlicher Aussichtsterrasse und Schwimmbad.
Guide und Touren
Guide in den Simien Bergen: Teddy Ambel, Tel. 00251/936743582, Email: tedyman13@gmail.com.

Reiseveranstalter für Touren durch Äthiopien: Yordanos Tesfaye, Abinas Ethiopia Tour Operator, Addis Ababa, P.O.Box 102116, Tel. 00251/113498444, Fax: 00251/115506006, Mobil: 00251/911232084, www.abinasethiopiatour.com.

Stephanie von Aretin/srt/emt

Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern
Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Warum werden bei allen Reiseberichten niemals Flüge mit der Lufthansa genannt?
wassolls 29.08.2014
Die Lufthansa fliegt auch nach Äthiopien, sogar direkt nach Addis. Geht der Deutschenhass der Medien so weit, daß es rechtsextrem ist, wenn man bemerkt, daß auch eine deutsche Fluglinie ins Ausland fliegt. Bei ALLEN Reiseempfehlungen (nicht nur im Spiegel) wird jeweils aüsschöießlich die nicht-deutsche Fluggesellschaft genannt. Das Ethiopian Airlines nach Äthiopien fliegt ist genauso logisch, wie daß Malaysian Airlines nacxh Kuala Lumpur, Singapore Airlines nach Singapur ,Lan Chile nach Santiago und US Airlines in die USA fliegen. etc.etc. Übrigens ,ich habe 'mal in Äthiopien gelebt . Es ist eines der schönsten und interessantesten Länder der Welt, m.E. das exotischste in Afrika.
2. Mehr davon!
Addis Traveler 29.08.2014
Neben dem UNESCO Weltnaturerbe hat das Land auch UNESCO Weltkulturerbestätten zu bieten: die Felsenkirchen von Lalibela. Daneben noch die Heimat der Königin von Saba aus salomonischer Zeit und viele andere schöne Dinge. Die Kranich Airline gehört auf der Strecke Deutschland-Äthiopien leider zu den teureren Carriern und legt auf dem Rückflug mitten in der Nacht einen 1-stündigen Stop in Saudi-Arabien ein. Dann doch lieber direkt mit Ethiopian oder günstig mit Turkish oder Emirates.
3. Fotots ...
Red_Indian 30.08.2014
Wäre schön gewesen, wenn die Autorin auch noch hätte fotografieren können. Die Fotos sind absolut miserabel.
4. Wandern
bernie_witzbold 30.08.2014
Wie sieht es dort mit Giftschlangen aus und sonstigen gefährlichen Tieren aus?
5. Schlangen und sonstiges
ub24 30.08.2014
Das einzige, was ich da jemals an wilden Tieren gesehen habe, waren Unmengen von Blutbrustpavianen (sehr possierlich und gar nicht aggressiv, eher scheu), ein paar Walia-Steinböcke und diverse Vogelarten. Schlangen gibt es sicherlich auch irgendwelche, aber man sieht sie nie und richtig gefährliches ist da wohl auch nicht bei. Ansonsten leben da natürlich auch noch andere Wildtiere, z.B. der vom Aussterben bedrohte Äthiopische Wolf, aber die sind derart scheu und selten, dass ich sie trotz zahlreicher Touren dort selber noch nie gesehen habe. Insgesamt ist Äthiopien, was gefährliche Tiere betrifft, höchst langweilig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Bevölkerung: 90,076 Mio. Einwohner

Fläche: 1.133.380 km²

Hauptstadt: Addis Abeba

Staatsoberhaupt:
Mulatu Teshome Wirtu

Regierungschef: Hailemariam Desalegn

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Afrika-Reiseseite


Reiseziele

Welche Weltregion interessiert Sie? Wählen Sie einen Kontinent oder ein Land:

Der benötigte Flash Player 8 wurde nicht gefunden. mehr...