Mit Kindern auf Weltreise: Boutiquebummel mit Babychino

Von Alexandra Frank

Bei einer Weltreise mit der Familie hocken Eltern und Kinder die ganze Zeit aufeinander. Sich zu trennen, wenn auch nur für ein paar Stunden, ist eine hervorragende Idee. Ein Mädchentag in der australischen Provinz.

Familie auf Weltreise: Provinzpause ohne Ehemann Fotos
Alexandra Frank

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Vor ein paar Tagen hat mein Mann uns verlassen. Er setzte das Baby in den Kinderwagen, stellte das Kind neben das Auto, beförderte mich zur Tür hinaus - und rauschte mit dem Wohnmobil davon.

Wir blieben allein zurück. Ausgesetzt in Central Tilba, einem 80-Seelen-Ort 360 Kilometer südlich von Sydney.

"Gut", sage ich zu meiner Tochter, "dann machen wir halt einen Mädchentag."

"Au ja", jubelt sie. "Mädchentag!"

Das Baby, angespornt von seiner Schwester, klatscht in die Hände.

Zu Hause in Hamburg machen wir ab und zu ein Mädchenwochenende, wenn mein Mann mit seinen Freunden unterwegs ist. Es gibt auch das Pendant dazu. Das heißt: Papa-Kind-Tag. Seit wir zu viert um die Welt reisen, gibt es eigentlich keine Mädchentage und keine Vater-Kind-Tage. Alle Tage sind Familientage.

Um nicht immer aufeinander zu hocken, schaffen wir Ausnahmen. Wenn einer von uns mal das Bedürfnis auf eine Pause hat, trennen wir uns. Einer hütet die Kinder, der andere macht das, was wir früher zu zweit gemacht hätten. Ich war Kayakfahren, mein Mann reiten. Er geht ab und zu joggen. Ich bummele durch Geschäfte.

Als ich nach zwei Monaten gemeinsamer Reise das erste Mal ein paar freie Stunden für mich hatte, fand ich das zunächst herrlich. Nach einer halben Stunde fing ich an, an meine Familie zu denken. Nach einer Stunde habe ich sie vermisst. "Eine derartige Reise", sagte ich abends zu meinem Mann, "schmiedet noch viel mehr zusammen."

Nun also wieder ein Mädchentag. Von allen kleinen Orten im Süden des Bundesstaats New South Wales, an denen uns mein Mann hätte aussetzen können, hätten wir dafür keinen besseren finden können als Central Tilba.

Babychino und Mädchen-Boutiquen

Central Tilba hat Cafés, in denen Babychino serviert wird. Babychino ist das, was in Neuseeland Fluffy und in Hamburg Kinder-Cappuccino heißt: Warme, geschäumte Milch in einer Tasse, mit Kakao bestreut und hier vor Ort mit einem Marshmallow serviert.

Central Tilba hat Schmuckgeschäfte, Boutiquen, Souvenirläden. Auch ein Internetcafé, das gleichzeitig die Post ist. Innen lächelt Queen Elizabeth von der Wand. Central Tilba hat einen Spielplatz und knarzende Schaukelpferde. Und Central Tilba ist laut Tourismusinformation "sehr alt, hat eine lange Geschichte."

Der Ort ist 175 Jahre alt. Aus europäischer Sicht kann von einer "langen Geschichte" keine Rede sein. Aber Central Tilba ist hübsch. Eine ehemalige Goldgräberstadt mit bunten Holzhäusern am Fuße einer 806 Meter hohen Anhöhe namens Mount Dromedary. Wir trinken Kaffee und Babychino, wippen auf Holzpferdchen, bummeln durch die Läden.

Um fünf Uhr werden, wie an allen Orten in der Provinz, die wir in Australien besucht haben, die Bürgersteige hochgeklappt. Alle Läden machen dicht, alle Cafés schließen. Es gibt einen Pub mit einer Spielecke für Kinder. Wir kehren ein.

Ich erkenne die Gäste wieder: die Cafébesitzerin, den Ladeninhaber, den Mann aus der Post. Es gibt eine Jukebox und Fotos an den Wänden von Einwohnern mit Riesenkürbissen, dicken Fischen, großen Trucks. Ich erkenne die Leute auf den Bildern. Es sind die Cafébesitzerin, der Ladeninhaber, der Mann aus der Post.

In dem Moment klingelt mein Handy. Mein Mann ist zurück. Er kommt uns auf der Straße entgegen, in der Hand seinen E-Book-Reader, den er auf dem letzten Campingplatz vergessen hatte. Was er erst eine Fahrstunde später bemerkte. Weil wir den Kindern keine weiteren zwei Stunden Fahrt zumuten wollten, ist er alleine zurück gefahren. Er sieht erschöpft aus von der Fahrerei mit dem Wohnwagen.

Kängurus zwischen den Zelten

"Und?", fragt meine Tochter, als wir wieder zu viert im Wagen sitzen, "wie war dein Jungstag?"

"Tja", antwortet mein Mann, "so hatte ich ihn mir nicht vorgestellt."

Auf unserer Reise waren viele Tage nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Und das ist gut so. Oft strandet man irgendwo, wo einfach nichts los ist. Vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist.

Manchmal landen wir in Provinznestern, deren größte Attraktion der Spielplatz ist. Manchmal an überfüllten, überteuerten Campingplätzen, auf denen wir uns zähneknirschend niederlassen. Und manchmal finden wir gerade dort, wo wir ohne Kinder niemals angehalten hätten, die schönsten Orte dieser Reise. Wo wir nur deshalb stoppen, weil das Baby gerade weint oder das Kind nörgelt.

Der Hafen des Seeörtchens Mallacoota, wo Fischer Pelikane füttern, ist so ein Ort. Der Wald, in dem wir zwei Meter lange Buntwarane beobachten. Die Anlegestelle einer Fähre, die uns auf eine Insel voller Koalas und Wombats bringt.

"Murramarang Nationalpark", lese ich auf einem Schild. Mein Mann setzt den Blinker, wir biegen ab, fahren zum nächstbesten Campingplatz. Wir erkennen die Vorzüge des Ortes sofort. Es gibt Wege durch den Regenwald, die man nach den besten Wanderstöcken absuchen kann. Sandstrand an der Küste, der zum Buddeln einlädt. Einen Campingplatz, wo Kängurus zwischen den Zelten rumhüpfen und Papageien in den Baumkronen krächzen. Die besten Voraussetzungen für einen perfekten Kindertag. Für den perfekten Elterntag auch.

Bis März 2013 ist Alexandra Frank mit ihrer Familie auf Weltreise. Von ihren Erlebnissen berichtet sie bei SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
Sleeper_in_Metropolis 24.02.2013
Ich weiß nie, was ich von der ganzen Weltreise-Aktion halten soll. Zwei kleine Kinder haben&betreuen ist Stress. Eine Weltreise machen ist sicherlich auch nicht nur unstressig. Aber das ganze noch zu kombinieren, und das wiederum auch noch für 5 Monate klingt für mich schon sehr nach Masochismus.
2.
login37 24.02.2013
Zitat von Sleeper_in_MetropolisIch weiß nie, was ich von der ganzen Weltreise-Aktion halten soll. Zwei kleine Kinder haben&betreuen ist Stress. Eine Weltreise machen ist sicherlich auch nicht nur unstressig. Aber das ganze noch zu kombinieren, und das wiederum auch noch für 5 Monate klingt für mich schon sehr nach Masochismus.
Weil Sie offenbar nie etwas in der Art gemacht haben. Es wäre verlogen zu sagen, das bei solchen Reisen mit kleinen Kindern alles nur toll und eitel Sonnenschein ist. Natürlich gibt es auch mal Stress, Ärger, Nervereien. Aber unter dem Strich weniger als zu Hause. Und vor allem haben Sie zusammen als Familie Erlebnisse und Erfahrungen, die sich zu Hause nie sammeln könnten. Das und nicht der neue Flachbildfernseher oder der Besuch bei Hagenbecks Tierpark bereichert das Leben wirklich. Davon kann man ein ganzes Leben lang zehren.
3.
agua 24.02.2013
Hut ab,fuer die ehrliche Berichterstattung,denn somit gebt ihr Raum fuer die Menschen,die eurer Reise kritisch gegenueber stehen.Sicher ist solch eine Reise nicht nur eitel. Sonnenschein,eben weil auch nicht immer alles nach Plan laeuft.Trotzdem habt ihr,und auch die Kinder die Moeglichkeit Erfahrungen zu sammeln und Eindruecke,von denen alle profitieren werden.Erst Recht,wenn ihr wieder in Deutschland seit.
4. Och...
Layer_8 24.02.2013
Zitat von Sleeper_in_MetropolisIch weiß nie, was ich von der ganzen Weltreise-Aktion halten soll. Zwei kleine Kinder haben&betreuen ist Stress. Eine Weltreise machen ist sicherlich auch nicht nur unstressig. Aber das ganze noch zu kombinieren, und das wiederum auch noch für 5 Monate klingt für mich schon sehr nach Masochismus.
...ich war in meinen Sturm und Drangzeiten auch auf längerer Weltreise. Hab da auch Leute mit Kindern getroffen, welche schon länger unterwegs waren, komischerweise hauptsächlich in Indien. Das haben die ziemlich cool gemanaged, zumal gerade die Kids in Indien viele gleichaltrige kennenlernten. Das halbiert wohl den Stress und die Kinder lernen dabei so viel, soviel können die in Deutschland gar nicht lernen. Nur waren diese Leute halt keine deutschen Bedenkenträger, hauptsächlich eher Engländer, Holländer und Amis ;-)
5. Verstehe ich nicht ?
postmaterialist2011 24.02.2013
Und wieso muss es mit zwei Kleinstkindern unbedingt Südamerika, Asien und Australien sein ? Ist in dem Alter Schwäne füttern im Park, ein halber Samstag in der Hüpfburg , ein Schneemann oder Iglu im Garten bauen, oder ein langer Tag mit dem Schlauchboot am örtlichen See nicht genauso aufregend für die Kinder und viel entspannender für die Eltern ? Nach meiner Meinung geht es hier mehr um die Selbstverwirklichung der Eltern, als um einen sinnvollen Trip für die ganze Familie.
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"4 um die Welt"
  • Alexandra Frank
    Die Journalistin Alexandra Frank, 36, ist fünf Monate lang mit Mann, 38, Tochter, 4, und Baby auf Weltreise. Die Route führt von Argentinien über Chile, Neuseeland, Australien bis nach Singapur. Anfang März endet der Trip in der Heimatstadt Hamburg. In ihrem Blog "4 um die Welt" berichtet sie von den Abenteuern ihrer Familie.

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