Weltreise in Rekordzeit "Besser einen kleinen Teil eines Landes sehen als gar keinen"

Taylor Demonbreun will als jüngste und schnellste Frau der Welt alle Länder der Erde bereisen. Dafür braucht die 23-Jährige viel Organisationstalent - und starke Nerven.

Taylor Demonbreun

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Taylor Demonbreun ist aufgekratzt. Sie hat nur ein paar Stunden geschlafen, der Jetlag hat sie bis tief in die Nacht wach gehalten. Trotz der Müdigkeit erzählt die 23-jährige US-Amerikanerin begeistert von ihrem Trip durch Asien: Der sei "awesome" gewesen und "amazing", wie US-Touristen eben so schwärmen. Die Chinesische Mauer! Wow, die sei toll - und habe schon so lange auf ihrer "Bucketlist" gestanden.

Genauso wie Singapur. "Singapur war absolut großartig, eine der einzigartigsten Städte, die ich je gesehen habe", sagt sie. "Es ist supercool, wie sie dort Technologie und Architektur vermischen."

Demonbreun ist gerade von einer sechswöchigen Reise zurückgekommen, in der sie jedes einzelne Land in Asien bereist hat. Dabei hat sie "so viel gesehen", "so viele kulturelle Eindrücke gewonnen" und "so viele großartige Bekanntschaften" gemacht, auch das, na klar: "amazing".

Wenn Taylor Demonbreun aus dem Flugzeug steigt, erwarten sie keine entspannten Stunden mit einem fesselnden Roman an irgendeinem einsamen Strand. Auch keine tagelangen Wandertouren durch schwer zu erreichende Gebirgslandschaften oder ausschweifende Partynächte mit obligatorischem Katerfrühstück am Tag danach.

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Weltrekordversuch: In 15 Monaten um die Welt

Wenn die junge Frau mit den aschblonden Haaren aus dem Flugzeug steigt, ist alles bis auf die letzte Minute durchgeplant. Jede kleine Abweichung, jede Verspätung, jeder verpasste Zug könnte alles durcheinanderbringen - und das wiederum könnte sie den Weltrekord kosten.

Demonbreun will ins Guinness-Buch der Rekorde. Sie will der Mensch sein, der am schnellsten alle Länder der Welt bereist hat - und noch dazu will sie die Jüngste sein, die das schafft. Anfang Juni 2017 startete sie ihren Trip, direkt nach ihrem Wirtschaftsstudium. 100 Länder hat sie bereits bereist, mindestens 93 Stempel im Pass fehlen noch.

Die aktuelle Rekordhalterin heißt Cassie de Pecol: Die 27-Jährige besuchte als erste und schnellste Frau der Welt alle Länder in 18 Monaten. Demonbreun will das unterbieten. Sie will die Weltreise in nur 15 Monaten schaffen, an ihrem 24. Geburtstag im Oktober will sie in jedem Staat der Erde gewesen sein.

Hauptsache, ein Stempel im Pass

Das erfordert einen straffen Zeitplan. "Ich versuche, mindestens einen Tag in einem Land zu bleiben", sagt sie. "Maximal kann ich zwei bis drei Tage bleiben, dabei versuche ich, so viel wie möglich zu sehen." Klingt eher nach Stress als nach Urlaub. Aber die 23-Jährige mag diese Art des Reisens: "Es ist besser, einen kleinen Teil eines Landes zu sehen, als gar keinen", sagt sie.

Da kann es schon einmal vorkommen, dass Demonbreun schnell aus dem Zug springt, zur Hauptsehenswürdigkeit sprintet, ein Foto macht, und wieder zurück zum Zug rennt. "In Monaco habe ich weniger als eine Stunde verbracht", sagt sie. "Aber es war den Stress total wert."

Was naiv klingt, ist gut durchdacht: Demonbreun will ihre Reise "öffentlich machen", wie sie sagt. Da Weltenbummler heutzutage längst keine Seltenheit mehr sind, braucht sie den Rekord, um auf sich und ihre Botschaft aufmerksam zu machen: "Ich will Menschen inspirieren, die noch nie zuvor gereist sind", sagt sie. "Zeigen, wie einfach es ist." Vor allem jungen Frauen, die sich das nicht zutrauen, wolle sie als Vorbild dienen. "Gerade sie können und sollten so viel von der Welt sehen wie möglich."

Um effektiv reisen zu können, hat Demonbreun sich die Welt in fünf Regionen eingeteilt: Lateinamerika und die Karibik, Afrika, Osteuropa, Asien-Pazifik und den Mittleren Osten, Westeuropa und der Rest. Nach und nach will sie die einzelnen Länder innerhalb der Gebiete besuchen, auf ihrer Webseite kann man den Trip verfolgen.

Australien und Neuseeland fehlen noch, genauso wie Kanada, der afrikanische Kontinent und einige Länder des Mittleren und Nahen Ostens, darunter auch Krisengebiete wie Syrien oder Jemen. "Da mache ich mir die meisten Sorgen", sagt Demonbreun. "Dort herrscht immerhin Krieg."

Aber sie hat einen Plan: "Ich werde von Oman nach Jemen einreisen und versuchen, in einen Ort gleich hinter der Grenze zu kommen", sagt sie. Sie wisse noch nicht, ob sie dort übernachten werde. In jedem Fall wolle sie versuchen, Einheimische kennen zu lernen. "Ich will den Leuten zu Hause erzählen, wie es den Menschen dort wirklich geht. Sie können ja schließlich nichts für die Situation in ihrem Land", sagt Demonbreun.

Reisen als Vollzeitjob

Zuerst mal gilt es sowieso, andere Länder abzuhaken: Libyen, Turkmenistan, Sudan, Irak, Pakistan und "noch zwei weitere Länder, an die ich mich gerade nicht erinnere", stehen in den kommenden zwei Wochen auf dem Programm der jungen Amerikanerin. "Wenn Turkmenistan mir endlich mein Visum ausstellt", sagt sie.

Wenn sie zu Hause ist, muss sie planen, Visa organisieren, Impfungen bekommen, Flüge buchen, Sponsoren auftreiben. "Es ist ein Vollzeitjob", sagt Demonbreun. "Aber das Planen macht mir sowieso am meisten Spaß." Ihre Weltreise finanziert sie von ihren Ersparnissen - und sie ruft Hotels an und fragt, ob sie kostenfrei dort übernachten darf. Meistens darf sie, es geht immerhin um einen Weltrekord.

"Ich bin total low budget unterwegs", sagt sie. "Aber wenn ich älter bin und mehr Geld habe, will ich die Länder besuchen, die mir am besten gefallen haben." Dann könne sie ja immer noch länger an einem Ort bleiben. Doch jetzt wolle sie erst mal alles sehen - und zwar so schnell wie möglich.

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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
sven2016 27.04.2018
1.
Der Travellers Century Club verlangt als Aufnahmebedingung, dass msn mindestens 100 "Länder" bereist hat. Da er auch ethnisch und geografisch unabhängige Gebiete zählt, gibt es 321 Gebiete statt 193 Ländern. Erfreulicherweise wird dort aber nicht nach Zeitrekorden gewertet. Dass die Dame nach ihren Kurzaufenthalten den Menschen zuhause erklären will wie Leute anderswo leben, ist etwas anmaßend. Aber viel Erfolg. Der Nächste will dann die Welt in 12 Monaten abarbeiten.
eunegin 27.04.2018
2. und am Ende: nichts gesehen
Nach dem Abi war ich 1 Jahre mit dem Rucksack unterwegs. Anfangs flott, doch merkt man schnell, dass man nichts sieht, wenn man alles sehen will und gar die Orte verwechselt. Das gebremste Reisen und eben nicht nur Abhaken von Ländern/Orten hat mir viel viel gebracht. Tolle Bekanntschaften, Erlebnisse und eben Orte, die ich wirklich gesehen habe und kenne. Diese Dame reist/rast ja auch eher für andere oder zur Selbstbestätigung. Sie tut mir leid; eine vertane Chance.
Polemski 27.04.2018
3. Leider
stimmt der Link zur Website der jungen Frau nicht. Hier ist der richtige: https://www.trekwithtaylor.com/
didlon 27.04.2018
4. Wie traurig.
Außer Amazing, Awesome und OMG nichts gewesen oder verstanden von der Welt. Außerdem eine ökologische Vollkatastrophe – oder fährt sie mit der Bahn um die Welt? Und am besten auch noch andere zum Nachmachen "inspirieren". Viel Spaß beim Selfies machen im Jemen!
fister 27.04.2018
5. Vollzeitumweltverschmutzerin
Toll, da versucht jemand so viel Umweltverschmutzung wie möglich innerhalb kürzester Zeit zu betreiben und dafür gibt es dann noch einen positiven Artikel. Zum schämen.
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