34 Länder, 30 Monate, 55.000 Kilometer Von München nach Wladiwostok - und zurück

Ihr erstes gemeinsames Zuhause? Sieben Quadratmeter im Unimog. Jennifer und Peter Glas kennen sich erst seit vier Monaten - und brechen auf zu einem Langstreckenabenteuer.

Jen Glas

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Als der Moment da ist, von dem sie nicht wussten, wann genau er kommen wird, sitzen Jennifer und Peter Glas an einem einsamen Strand bei Khao Lak. Sie sitzen vor ihrem Unimog auf Campingstühlen, unter ihren Füßen sonnenwarmer, thailändischer Sand. Die beiden sind glücklich.

Seit zwei Jahren reisen sie mit ihrem Overlander durch die Welt. Sie haben Südeuropa gesehen, die Türkei und Iran. Sie waren auf der Arabischen Halbinsel, in Indien und Nepal, haben Myanmar, Laos und Kambodscha kennengelernt. Die Reisekasse würde noch weitere Abenteuer zulassen, und doch hat sich in den vergangenen Wochen dieses Gefühl angeschlichen: Alles ist gut, so wie es ist. Wir müssen nicht mehr weiter.

Den Rückweg nach Deutschland genau dann zu planen, wenn es am schönsten ist - es fühlt sich sehr richtig an. Die beiden beschließen: Sie werden noch weiter bis Singapur fahren und den Unimog, der sie so weit gebracht hat, nach Wladiwostok verschiffen. Sie selbst werden an die russische Pazifikküste fliegen und ihren Overlander dann gen Westen wenden, um langsam dorthin zurückzufahren, wo ihre Reise an einem Dienstag im Mai 2013 begonnen hat: nach München.

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Für Entdecker: Weltreise im Unimog

Peter Glas war 40 Jahre alt und Jennifer 35, als die beiden in ihrem Unimog aus einer Hofeinfahrt im Osten der Stadt rollen. Sie haben ihre Jobs als Personalleiter und Kreativdirektorin gekündigt und ihre Wohnungen aufgegeben. Es fühlt sich ein bisschen unheimlich an, als sie mit 80 km/h die Salzburger Autobahn Richtung Brenner rollen.

Eine genaue Vorstellung davon, wie lange sie unterwegs sein werden? Hat das Paar nicht. Ihre Vereinbarung lautet: open end. Und es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn sie statt nach insgesamt 30 Monaten bereits nach wenigen Wochen wieder zurück an der Isar gewesen wären. Mit dem Eingeständnis, dass das Ganze eine Schnapsidee war: Viereinhalb Monate nachdem man sich überhaupt erst kennengelernt hat, zu einem solchen Abenteuer aufzubrechen.

"Roadtrip - eine Liebesgeschichte" heißt das kürzlich erschienene, 272 Seiten starke Buch, in dem die Glasens abwechselnd von ihrem Trip erzählen, der sie durch insgesamt 34 Länder führte. Von all den Abenteuern unterwegs und den vielen großherzigen Menschen, die sie treffen. Doch bei allem Reiseglück verschweigen die Weltreisenden auch die unbehaglicheren Begegnungen nicht. Und dass die große Leichtigkeit des Unterwegsseins durchaus Nerven kostet. Da sind aufreibende Grenzkontrollen, gescheiterte Visa-Anträge und viele, viele Stunden, in denen der Unimog gewartet und reiseflott gehalten werden muss.

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Jennifer und Peter Glas:
Roadtrip - Eine Liebesgeschichte

Eine abenteuerliche Hochzeitsreise im Van über den Balkan, Iran, Indien und Südostasien bis nach Wladiwostok

Reisedepeschen Verlag; 272 Seiten; 35,00 Euro (gebunden)

In Oman schenkt Jennifer Peter zum Geburtstag die dringend nötige Weltreisenden-Wellness: "Drei Tage ohne Entscheidungen, drei Tage ohne Schwitzen, drei Tage ohne Fahren - drei Tage in einem Hotel." Auch diese Ehrlichkeit macht das üppig bebilderte Buch zu einer sehr sympathischen, großes Fernweh weckenden Lektüre.

Die Reiseroute von Jennifer und Peter Glas
Johannes Klaus

Die Reiseroute von Jennifer und Peter Glas

Für alle, die selbst mit dem Gedanken spielen, zu einem Overlander-Abenteuer aufzubrechen, geben die Glasens im hinteren Teil des Buches jede Menge praktische Tipps. Sie verraten die Koordinaten all ihrer Lieblingsstellplätze. Und geben Einblick in die Finanzierung: Rund 60.000 Euro haben sie während des Roadtrips ausgegeben. Die höchsten Kostenfaktoren: der Diesel, die Verschiffungen und die Flüge. Den Unimog konnten sie nach der Reise ungefähr zum Kaufpreis wiederverkaufen: für 35.000 Euro.

Was neben all den Eindrücken und Erinnerungen von der Reise bleibt? "Wir haben gemeinsam in der Mitte unseres Lebens Zeit bewusst gelebt, sie wertschätzend und intensiv gestaltet, voller Dankbarkeit und Freude. Vielleicht ist dies das schönste Geschenk, das wir uns je gemacht haben", schreiben die Reisenden am Ende des Buches.

Den Beschluss, den sie damals am Strand in Thailand mit sonnenwarmem Sand unter den Füßen gefasst haben, haben die beiden nie bereut. Denn auch das war für sie eine sehr schöne Erfahrung: dass die Vorfreude auf die Heimat am Ende ihrer Reise genauso groß war wie die Vorfreude auf das Fremde zu Beginn.

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