Whitsunday Islands Von Riffen, Seglern und ursprünglicher Natur

Auch wenn die Korallen sterben, das Great Barrier Reef im Nordosten Australiens ist bei den Whitsunday Islands noch immer die größte Touristenattraktion. Für sport- und naturbegeisterte Urlauber hat die Inselgruppe aber auch ansonsten einiges zu bieten.


Nur noch eine Stunde bis Sonnenuntergang, doch die Hitze will nicht weichen. Das Thermometer zeigt 34 Grad im Schatten an, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 90 Prozent. Der Schweiß rinnt in Strömen, und die Wanderer, die sich den steilen Trampelpfad bergauf kämpfen, müssen kurz verschnaufen.

Grüne Hügel im tiefblauen Wasser: Kurz vor Sonnenuntergang lohnt sich ein Blick vom Passage Peak auf die umliegenden Inseln ganz besonders
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Grüne Hügel im tiefblauen Wasser: Kurz vor Sonnenuntergang lohnt sich ein Blick vom Passage Peak auf die umliegenden Inseln ganz besonders

Zwar erhebt sich der Passage Peak nicht einmal 400 Meter über dem Meer, doch der Anstieg zum höchsten Punkt auf Hamilton Island ist kein Spaziergang. Dann aber lichten sich die Eukalypten und Nadelbäume und geben den Blick frei auf eine der bezauberndsten Landschaften an der Ostküste Australiens.

Grün überwuchert ragen die Hügel der Whitsunday Islands aus dem tief blauen Wasser. 74 Inseln gehören zu dem tropischen Archipel, das der britische Seefahrer James Cook am Pfingstsonntag 1770 entdeckte und das heute ein populäres Ziel für Segler ist. Hamilton Island bietet dabei die umfassendste touristische Infrastruktur - von Golfbuggys für Inselrundfahrten bis hin zum Tontaubenschießen.

Viele der anderen Inseln sind vom Gipfel des Passage Peak aus gut zu sehen. In den Fluten spiegelt sich an diesem Abend die sinkende Sonne, und alle Mühen des Aufstiegs sind mit einem Mal vergessen. Der Blick fällt hinunter in die Catseye Bay, wo Jono jeden Tag aus Spaß etwas tut, was man im Meer gar nicht muss: Er füttert bei Ebbe die Fische. Der braun gebrannte Australier nimmt dabei für umgerechnet 20 Mark auch Touristen mit.

Catseye Bay: Segeln vor den Bausünden aus den Neunzigern
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Catseye Bay: Segeln vor den Bausünden aus den Neunzigern

Jono ist einer der wenigen Menschen auf der Insel, die schon die touristischen Anfänge auf Hamilton Island miterlebt haben. Mitte der achtziger Jahre wurden erste Unterkünfte gebaut, Anfang der Neunziger kamen an der Catseye Bay zwei 14-stöckige Bettenburgen dazu. Heute versuchen die Architekten mit ihren Neubauten das Landschaftsbild eines tropisch grünen Ferienparadieses weniger zu stören - durchaus mit Erfolg.

Vom Passage Peak aus stören die Bausünden weniger den Blick: nach Norden hin das satte Grün der anderen Inseln und nach Osten, so weit das Auge reicht, nur Wasser. Dort draußen, mit dem Schiff in gut einer Stunde erreichbar, wartet ein Weltwunder darauf, entdeckt zu werden: das Great Barrier Reef. Das sensible Ökosystem der Korallenbänke wird durch den Tourismus zwar erheblich gestört, Einrichtungen wie die Ausflugsplattform "Reef World" am Hardy-Riff wollen jedoch dazu beitragen, dass die schnorchelnden Urlauber nur an einzelnen Stellen Meeresflora und -fauna nahe kommen.

Helikopter-Flüge über das Riff können für rund 110 Mark pro Person von "Reef World" aus gebucht werden. Die wenige Meter unter dem Wasser liegenden Korallenbänke aus der Luft zu sehen, ist ein Erlebnis, das auch Pilot Simon Brough "immer wieder faszinierend" findet. Brough absolviert die Route bis zu zehnmal am Tag und zeigt den Passagieren besonders gern das herzförmige "Heart Reef".

Zwischen Küste und Riff: Die Whitsunday Islands liegen im tropischen Teil Queenslands
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Zwischen Küste und Riff: Die Whitsunday Islands liegen im tropischen Teil Queenslands

Für Segler sind die Gewässer ein wahres Eldorado. Mehr als 150 Charteryachten stehen auch Anfängern zur Verfügung, ein Segelschein ist bei der Anmietung keine Voraussetzung. Das Revier gilt als eher einfach und ist vor allem bei den Bewohnern der Metropolen Sydney und Melbourne beliebt.

Eine Tagestour mit einem Skipper ist von Hamilton Island aus für rund 100 Mark zu haben. Sie führt unter anderem zum sechs Kilometer langen Whitehaven Beach, der als einer der schönsten Strände der Welt gilt. Fast schneeweiß ist der heiße, leider auch bei Sandflöhen beliebte Strand. Der von üppiger Vegetation gesäumte Whitehaven Beach befindet sich auf der größten Insel, die dem Archipel auch den Namen gab: Whitsunday Island ist unbewohnt und steht unter Naturschutz.

Ganz im Norden der Inselgruppe, vom Passage Peak aus nicht mehr zu sehen, liegt Hayman Island. Das Resort dort gehört zu den "Leading Hotels of the World" und bietet eine Menge Luxus. Hayman Island zieht wegen seiner Abgeschiedenheit gelegentlich auch Popstars und Superreiche an, die es nach Ruhe gelüstet.

Entspannende Stunden: Der von Palmen gesäumte Pool des "Beach Club" auf Hamilton Island geht fast in den Strand über
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Entspannende Stunden: Der von Palmen gesäumte Pool des "Beach Club" auf Hamilton Island geht fast in den Strand über

Doch auch Hamilton Island kann da mithalten: Ex-Beatle George Harrison besitzt eine Villa, die er einmal im Jahr aufsucht, in der Regel nach dem Formel-Eins-Grand-Prix von Australien. "Auch Tom Cruise und Nicole Kidman waren neulich für ein paar Ferientage hier", weiß Skipper Peter Granger seinen Yacht-Passagieren zu berichten.

Auf dem Passage Peak wird es kühler, die Sonne steht schon knapp über dem Horizont, und es wird Zeit für den Abstieg. Der Weg hinab ist weit weniger Schweiß treibend als der Weg hinauf - und birgt eine weitere Überraschung: Aus dem Dickicht taucht plötzlich ein halbes dutzend Wallabys auf.

Die kleinen Kängurus sind ebenso verdutzt wie die Wanderer, und es dauert ein paar Sekunden, ehe sie Reißaus nehmen. Nicht nur Segler und Taucher, auch andere Naturfreunde können auf den Whitsunday Islands auf ihre Kosten kommen.

Christian Röwekamp



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