Tolkien-Verfilmungen: Ein Hobbit verändert Neuseeland

Von Alva Gehrmann

Kiwis, Schafe - und die Orks: Neuseelands Image hat sich durch die "Herr der Ringe"-Filme nachhaltig verändert. Jetzt hat Regisseur Jackson auch Tolkiens "Der kleine Hobbit" umgesetzt. Das Land fiebert der Premiere entgegen - manche aber finden den Hype eher albern.

Tolkien-Drehorte in Neuseeland: Der Hobbit-Sturz Fotos
AP

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"Willst du dich auch mal den Berg herunterstürzen?", fragt Nathan Clear. Er zeigt auf einen Hang, an dem sich hochgewachsene Pinien gen Himmel recken. Ihr kräftiges Wurzelwerk schlängelt sich bis zum Wanderweg hinab.

Warum sollte man das freiwillig tun? "Na, das ist genau die Stelle, an der auch Frodo Beutlin und seine Hobbit-Freunde am Anfang des ersten 'Herr der Ringe'-Films runterpurzeln", sagt der Guide von Wellington Rover Tours begeistert und beteuert: "Viele machen das." Tatsächlich ist, wenn man genauer hinsieht, der Erdhang an dieser Stelle stärker abgetragen als andernorts.

Hier, am Mount Victoria in Wellington, gehen sonst eher die Einheimischen spazieren, fahren Moutainbike und genießen die Ruhe fernab der belebten neuseeländischen Hauptstadt. Regelmäßig streunen aber auch "Herr der Ringe"-Fans durch die Wälder, um einige Drehorte des Tolkien-Epos zu entdecken - oder eben auf den selben Pfaden zu stürzen wie einst Hollywood-Star Elijah Wood, der den Hobbit Frodo spielte.

Der Guide zeigt Fotos von der entsprechenden Filmsequenz. "Den eigentlichen Sturz übernahmen allerdings Stuntmänner", erzählt Clear. Da es im Naturpark keine Hinweisschilder gibt, muss man schon eine Tour buchen oder Tipps bekommen, um die Drehorte zu finden.

Kiwis, Schafe - und die Orks

Peter Jackson kennt den dichten Wald sehr gut, als Junge spielte er hier oft mit seinen Freunden. Der 50 Jahre alte Regisseur, Drehbuchautor und Produzent wuchs in Pukerua Bay auf, einem Küstenort in der Nähe von Wellington. Im Oktober 1999 begannen Jackson und sein Team mit der Verfilmung von "Herr der Ringe".

Für den Neuseeländer bot seine Heimat die perfekte Kulisse - nicht nur die umliegenden Wälder, sondern auch die dramatischen Gebirge auf der Südinsel und die hügeligen Wiesen der Nordinsel. Die aufwendige "Herr der Ringe"-Trilogie veränderte das Image des Landes. Vermutlich für immer.

Dachten früher viele bei Neuseeland wohl vor allem an Kiwis, die Maori-Kultur und an unzählige Schafe, hat sich der Inselstaat elf Jahre nach der ersten Filmpremiere längst zur "Mittelerde" transformiert. So heißt die Welt, die der Brite J.R.R. Tolkien einst in seinem Roman "Der Herr der Ringe" und dem Vorläufer "Der kleine Hobbit" schuf.

Auch Letzteren hat Jackson nun in Neuseeland als aufwendigen Dreiteiler verfilmt, zurzeit sind die ersten beiden Filme in der Postproduktion. Der erste Teil, "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise", startet am 13. Dezember in den deutschen Kinos, die Weltpremiere findet schon am 28. November in Wellington statt.

Seit anderthalb Jahren hält Peter Jackson via Facebook und viertelstündigen Produktionsvideos die Spannung aufrecht. Während die Fans, die Medien, die Stadt Wellington und die Tourismusbranche längst im Hobbit-Fieber sind, kann Damien Wilkins mit dem ganzen Hype nicht viel anfangen. Immer wieder sprechen den Wellingtoner Schriftsteller Menschen aus aller Welt auf das bevorstehende Großereignis an.

"Ich fühle mich dann richtig schlecht, dass mir die Filme nichts bedeuten, schließlich sind sie für einige die einzige Verbindung zu meinem Heimatland", sagt Wilkins beim Treffen im hübschen Café Olive in der Cuba Street. "Vielleicht ist es ähnlich wie bei den Schweden, die werden sicherlich auch ständig auf Ikea angesprochen."

Flugzeuge im Hobbit-Style

Wilkins ist Autor zahlreicher Kurzgeschichten und Romane, außerdem unterrichtet er an der Wellingtoner Victoria University den literarischen Nachwuchs. Der 49-Jährige lebt mit seiner Familie im Viertel Mount Victoria. Regelmäßig begegnen ihm Touristengruppen und Tolkien-Fans, die erfreut aufschreien, wenn sie auf besondere Gewächse hingewiesen werden. Der Neuseeländer findet das amüsant. "Natürlich wissen die Bäume nicht, dass sie in einem berühmten Film mitgespielt haben, sie sehen einfach aus wie Bäume."

Wilkins empfinde sich schon fast als unpatriotisch, sagt er, weil er den ersten "Herr der Ringe"-Teil langweilig fand. Aber er bewundert die Arbeit, die Peter Jackson und sein Team machen. Gemeinsam bauten sie im Wellingtoner Viertel Miramar eine Filmindustrie auf, die zahlreiche internationale Produktionen wie "Spartacus" und "Avatar" anlockte. Regisseur James Cameron ist im Frühjahr nach Neuseeland gezogen, er produziert hier auch die "Avatar"-Fortsetzungen.

Die Hauptstadt wird deshalb schon längst "Wellywood" genannt. Es gab Überlegungen, am Weg von der Innenstadt nach Miramar auf der anderen Seite des Meeres ein "Wellywood"-Schild zu errichten - dort, wo momentan "All Blacks" steht, der Name des Rugby-Nationalteams. Doch die meisten Bürger und auch die Filmbranche waren dagegen. Man wolle sich nicht mit anderen vergleichen, sondern etwas Eigenes darstellen.

Selbst wenn jetzt schon viele Medien über die bevorstehende Hobbit-Premiere berichten, der große Hype kommt erst noch. Ab November zum Beispiel werden zwei Maschinen von Air New Zealand durch ein neues Styling zu fliegenden Werbeplakaten, und die Sicherheitsvideos flackern im Hobbit-Stil über den Bildschirm. Sogar der Hauptstadtflughafen wird zur Premiere umgestaltet.

Gollum in der Weta Cave

In der vergangenen Dekade ist allein die Zahl der internationalen Ankünfte am Flughafen von Wellington um 50 Prozent angestiegen, nun hofft die Tourismusbranche auf noch mehr. Bereits jetzt gibt es rund 30 Touren, die zu den wichtigsten "Herr der Ringe"-Schauplätzen führen. Auch Nathan Clear und seine Kollegen von Wellington Rover Tours verzeichnen seit Monaten ein größeres Interesse. Sie führen auch entlang der Studios in Miramar, die mitten im Wohnviertel liegen. Vor dem Haupteingang der Stone Street Studios sieht man lediglich einen Teil des Außensets, den Green Screen und ein paar Baumstümpfe.

Nebenan werden gerade Rolltore hochzogen, und man kann einen Blick auf eine Box erhaschen: War das ein Schwert? Doch dann fährt Clear auch schon weiter zur Weta Cave. In der "Höhle" befand sich eines der ersten Studios von Peter Jackson, heute ist der Ort eine Mischung aus Mini-Museum und Souvenirshop. 100.000 Besucher kommen jedes Jahr, ein fies lächelnder Gollum wartet schon auf sie.

Hat Damien Wilkins Angst, dass seine Stadt bald von noch mehr Hobbit-Fans bevölkert wird? "Nicht wirklich. Es ist ein bisschen albern, aber natürlich okay." Ein Freund von ihm war mal Statist in einem der Filme, dabei musste er fünf Stunden kopfüber in einer Pfütze liegen. "Er hat es geliebt", sagt der Autor und spaziert nun entlang der Cuba Street. Hier ist auch das Restaurant "Matterhorn", wo Elijah Wood angeblich am liebsten Eier mit Muffins und Speck essen soll.

Sir Ian McKellen sammelt für Christchurch

Die internationalen Stars fühlen sich wohl in Wellington, schließlich sind die Neuseeländer sehr entspannt im Umgang mit Prominenten und lassen sie weitgehend in Ruhe. Sir Ian McKellen, der den Gandalf spielt, fühlt sich dem Lande schon so verbunden, dass er sich in den Drehpausen ehrenamtlich engagierte. So tourte er durchs Land und performte mit Elben-Schwert auf der Bühne, um Geld für ein Theater in Christchurch zu sammeln, das vor anderthalb Jahren durch das Erdbeben zerstört wurde.

Schon jetzt ist klar, wo McKellen und viele seiner Kollegen am 28. November sein werden: auf dem roten Teppich vor dem Kino Embassy. Peter Jackson und sein Special-Effects-Kollege Richard Taylor wurden längst zum "Sir" ernannt, und sie sind in Neuseeland die Könige des Films. Bereits 2003, bei der Premiere des letzten "Herr der Ringe"-Teils, säumten 120.000 Zuschauer den roten Teppich vor dem Kino. Dieses Jahr erwartet die Stadt noch mehr Gäste.

Wem der Trubel doch zu viel werden sollte, der kann ja zum Mount Victoria gehen. Da herrscht an diesem Tag garantiert Ruhe.

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1. Gesellschaft
stefan kaitschick 08.10.2012
Zitat von sysopAPKiwis, Schafe - und die Orks: Neuseelands Image hat sich durch die "Herr der Ringe"-Filme nachhaltig verändert. Jetzt hat Regisseur Jackson auch Tolkiens "Der kleine Hobbit" umgesetzt. Das Land fiebert der Premiere entgegen - manche aber finden den Hype eher albern. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/wie-der-hobbit-neuseeland-veraenderte-a-859690.html
Damien Wilkins ist anscheinend nicht der einzige, der HDR albern findet. Er hat zumindest in dem Beschrifter von Bild 10, der dort einen älteren Herren als "Gandolf" identifiziert, Gesellschaft.
2. Gandalf
Sherlock70 08.10.2012
Zitat von stefan kaitschickDamien Wilkins ist anscheinend nicht der einzige, der HDR albern findet. Er hat zumindest in dem Beschrifter von Bild 10, der dort einen älteren Herren als "Gandolf" identifiziert, Gesellschaft.
Och, so lange dort nicht Ganondorf (die japanische Version des Namens - bekannt durch Zelda) steht, ist doch alles halb so wild.
3. Eine Hobbit-Verfilmung
blaudistel 08.10.2012
Zitat von sysopAPKiwis, Schafe - und die Orks: Neuseelands Image hat sich durch die "Herr der Ringe"-Filme nachhaltig verändert. Jetzt hat Regisseur Jackson auch Tolkiens "Der kleine Hobbit" umgesetzt. Das Land fiebert der Premiere entgegen - manche aber finden den Hype eher albern. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/wie-der-hobbit-neuseeland-veraenderte-a-859690.html
in der Frodo, Galadriel und Legolas mitspielen die kann mir gestohlen bleiben.
4.
tubaner 08.10.2012
Zitat von sysopAPKiwis, Schafe - und die Orks: Neuseelands Image hat sich durch die "Herr der Ringe"-Filme nachhaltig verändert. Jetzt hat Regisseur Jackson auch Tolkiens "Der kleine Hobbit" umgesetzt. Das Land fiebert der Premiere entgegen - manche aber finden den Hype eher albern. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/wie-der-hobbit-neuseeland-veraenderte-a-859690.html
Ja, das ist schon ein bisschen albern um die halbe Welt zu fliegen um ein paar Drehorte aus HdR zu sehen. Andererseits finde ich es nicht weniger albern, wenn man zum Nordkap fährt, nur weil es der (vermeintlich) nördlichste Punkt Europas ist. Oder wenn man für einen Casino-Besuch nach Las Vegas fliegt. Oder wenn Neuseeländer nach München fliegen, um auf der Wies’n ein paar überteuerte Maß Bier zu trinken. Mir würde das alles nicht liegen. Aber jeder soll nach seiner Façon seine Freizeit verbringen.
5. Vielleicht nützt es
tropen-inseln 08.10.2012
Neu-Seeland wurde von den Weißen extrem abgeholzt und für immer in seinem Charakter verändert, für die Schafzucht vor allem (vor allem deshalb gibt es die süßen grünen Hobbit-Hügel). Nachdem übrigens die Maoris zuvor auch schon kräftig Hand anlegten, und u.a. den Riesen-Vogel Moa in kürzester Zeit ausrotteten. So weit zum Thema Natur-Idylle Neu-Seeland. Gleichzeitig ist das Land immer noch von grandioser Schönheit und man kann nur hoffen dass der Tourismus ein wenig dazu beiträgt Schutzgebiete zu finanzieren.
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