Wolkenkratzer-Hotels in Dubai: Job mit Weitblick

Von Helge Sobik

Sie arbeiten ganz oben in Dubais Wolkenkratzern - als die höchsten Butler, Bademeister, Barkeeper des Emirats. Der eine liebt den schnellen Panorama-Fahrstuhl, der andere die Aussicht bei Nacht. Und Banos Mohanty erfreut sich am "Wow" in den Gesichtern seiner Gäste.

Dubais höchste Tourismus-Jobs: Cocktails schütteln, Helikopter empfangen Fotos
Helge Sobik

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Vor ein paar Monaten noch hat er am Strand von Mombasa auf seine jüngeren Geschwister aufgepasst. Sein Ozean ist kleiner geworden seitdem, er kann ihn in nur vier oder fünf Schwimmzügen einmal bis zum gegenüberliegenden Rand durchqueren. Und es ist nötiger als zu Hause in Kenia, ab und zu hineinzusteigen und sich zu erfrischen, weil die Luft heißer ist - über 45 Grad im Sommer.

Faiz Bakabe mag seinen neuen Ozean - weil er hier einen gut bezahlten Job gefunden hat, weil Liegen am Ufer stehen, weil eine Bar mit Kühlschrank nur ein paar Schritte entfernt ist. Und weil der schlanke junge Mann aus Kenia jetzt fast im Himmel arbeiten kann. Er ist der höchste Bademeister Dubais.

Sein neuer Ozean ist der Pool auf dem Dach im 42. Stock des Four-Points-Hotels an der Sheikh Zayed Road: in einer Stadt, wo alles noch immer und allen Krisen zum Trotz größer, höher, besonderer sein muss. Wo Wolkenkratzer ins Firmament stechen, Urlauber Quartiere hoch oben suchen, zeitweilige Höhenflüge an der Tagesordnung sind.

Bakabe hat Glück gehabt, auch wegen des konkurrenzlosen Blicks über das Sicherheitsgeländer hinweg bis zum ein paar Kilometer entfernten Persischen Golf. Und weil hier oben immer ein leichter Wind weht. Ein Lüftchen, das Krishna Dhungel nicht spürt, obwohl er nur ein paar Schritte weiter arbeitet.

Der sportliche Typ ist Höhe gewohnt, stammt aus Nepal, sieht die benachbarten Wolkenkratzer nur durchs Panoramafenster und über Kraftmaschinen hinweg. Seine frische Brise ist künstlich, immer ein paar Grad zu kühl und kommt aus dem Gebläse der Klimaanlage. Dhungel ist der höchste Fitnesstrainer der Stadt.

Kochen in luftiger Höhe

Am liebsten ist Dhungel abends im Dienst, wenn rundherum überall die Lichter angeknipst sind und 150 Meter tiefer die Autos wie winzige, auf Rollen montierte und an einer Schnur gezogene LED-Lampen über den Asphalt surren. Es ist ein Szenario wie aus einem Science-Fiction-Film, wie nicht ganz von dieser Welt.

Denn bis vor zwei, drei Jahren hat sich diese Skyline noch fast täglich signifikant verändert - inzwischen tut sie es nur noch im Quartalsrhythmus: Beton und Glas streben weiterhin dem Himmel entgegen. Neue Türme verstellen den Blick auf alte. Dubais Wachstum, auch das Richtung Himmel, hat sich in der Wirtschaftskrise verlangsamt. Zum Erliegen gekommen ist es nicht. Und das Leben findet immer noch auf der Überholspur statt, ist noch immer schnell, voller Dynamik, irgendwie getrieben.

Emil Minev hatte einen dieser Jobs in großer Höhe. Dann hatte er genug davon. Nicht dass es ihn gestört oder gar gelangweilt hätte. Nicht dass ihm dabei schwindelig wurde oder seine Flusskrebs-Cannelloni und sein Mascarpone-Lobster in 250 Meter Höhe schlechter gerieten als in einem Erdgeschoss-Restaurant. Aber der bulgarische Küchenchef wollte Bodenhaftung zurückgewinnen und befand, dass es mal wieder Zeit für einen Wechsel war.

Er verließ das Emirates-Towers-Hotel, für dessen Feinschmecker-Restaurant Vu's im 50. Stock er die Sterne auf die Teller gezaubert hatte, und heuerte auf den Malediven an. Inzwischen kocht er auf einem Eiland, zu dessen Territorium immerhin der höchste Punkt der Inselnation gehört: 2,30 Meter über dem Meeresspiegel. Minev sagte "Adieu" - nach knapp drei Jahren in Dubai. Ohne Groll und voller Ambitionen. Vielleicht kommt er wieder. Eines Tages. Wenn er Lust darauf verspüren sollte, noch mal ganz oben mitzuspielen. Rein räumlich.

Besser als Bungee-Jumping

Mahjoub Kammoun hat den Spaß daran noch nicht verloren. Er trifft diejenigen, die ganz oben stehen: auf der Hubschrauber-Plattform des Burj al-Arab zum Beispiel, die auf etwa 200 Meter Höhe aus der futuristischen Konstruktion herausragt. Leute wie Bill Clinton und André Agassi, wie Robby Williams und Madonna. Der Tunesier ist Chef der 180 Butler des goldstrotzenden Ultra-Luxushotels.

Das Wahrzeichen der Stadt aus Beton, Stahl und Teflon mit der markanten Form eines geblähten Segels wurde vor etwas mehr als einem Jahrzehnt auf einer der künstlichen Inseln unmittelbar vor Dubais berühmtem Jumeirah-Strand errichtet. Was Kammoun besonders viel Spaß macht? Im Panorama-Fahrstuhl an der Fassade mit sieben Metern pro Sekunde rauf und runter zu rauschen: "Das ist besser als Bungee-Jumping - und völlig ungefährlich."

Es sind ähnliche Gründe, die Banos Mohanty aus Mumbai an seiner Tätigkeit so viel Spaß haben lassen. Der Inder ist der höchste Barkeeper der Stadt. Und ein sehr guter obendrein - einer, der die Gäste fragt, welche Zutaten sie gerne trinken und ihnen dann aus dem Stegreif einen persönlichen Cocktail mit Aussicht erfindet: im Neo's hinter den zentimeterdicken Panoramascheiben im 63. Stock des Hotels The Address Downtown gleich gegenüber des höchsten Wolkenkratzers der Welt. Der Nachbar Burj Chalifa bringt es auf gut die dreifache Zahl an Stockwerken.

Wenn Mohanty zur Arbeit kommt, schaut er immer als Erstes aus den Fenstern, was sich am Boden in den letzten zehn Stunden getan hat. Und aus demselben Grund schaut er hinauf. Seine Lieblings-Blickrichtung? "In die Gesichter der Gäste", sagt er. "Dort kannst du ihr Wow sehen, ihre Begeisterung über die Location."

Die Krise hat Dubai die Großmannssucht und die unüberlegte Eile ausgetrieben, nicht aber das Bauen an sich, nicht die Sehnsucht nach Höhe, nicht den Himmel als Ziel allen Strebens.

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insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1    
1. Stunde der Besserwisser
du-bye 01.11.2012
Neos ist of ther 63. Etage, Atmosphere auf der 122. in 442m Hoehe (http://www.atmosphereburjkhalifa.com/). Wenn schon Superlativ, dann bitte korrekt.
2.
Peter Werner 01.11.2012
Schön zu sehen, wie das Geld von der Tankstelle verwendet wird.
3. luxusdiener
r.wawer 01.11.2012
ein glück geht es nicht ums geld
4.
dr.ponnonner 02.11.2012
Zitat von sysopSie arbeiten ganz oben in Dubais Wolkenkratzern - als die höchsten Butler, Bademeister, Barkeeper des Emirats. Der eine liebt den schnellen Panorama-Fahrstuhl, der andere die Aussicht bei Nacht. Und Banos Mohanty erfreut sich am "Wow" in den Gesichtern seiner Gäste. Wolkenkratzer-Hotels in Dubai: Die höchsten Tourismus-Jobs - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/wolkenkratzer-hotels-in-dubai-die-hoechsten-tourismus-jobs-a-864037.html)
Er hat noch bessere Aussichten, wenn er sich 2012 als US President bewirbt.
5. Reich
horstmoik 02.11.2012
zu sein muss wohl langweilig sein! Das was die da hin bauen mag vielleicht teuer sein und bautechnisch anspruchsvoll, aber architektonisch und geschmacklich enttäuschend! BTW: Irgendwie erinnert mich das an Coruscant ...
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