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17.06.2002
 

Hongkong

Blick aus dem Tiefseehafen

Seit mehr als einem Jahrhundert durchqueren die Boote der Star Ferry Company den Tiefseehafen von Hongkong. Die Reise dauert nicht einmal acht Minuten, ermöglicht aber vor allem für Neuankömmlinge einen unvergesslichen Blick auf die Stadt.

Annäherung an das Meer von Wolkenkratzern
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Annäherung an das Meer von Wolkenkratzern

Wer sich nicht den Hals verrenken will, sollte seine erste Fahrt von der Halbinsel Kowloon beim Ableger Tsim Sha Tsui mit Ziel "Central" starten. Um die schwankende, betagte Doppeldecker-Dieselfähre - früher saßen oben an der frischen Luft die Briten und unten die chinesischen Arbeiter - kurven Frachter und Schnellboote, manchmal gleitet ein Ozeanriese der großen Kreuzfahrtunternehmen vorbei, selten geworden sind die traditionellen Dschunken.

Direkt am Ufer reihen sich dicht an dicht die Wolkenkratzer von Hongkong Island aneinander. Ihre Antennenspitzen scheinen fast den Gipfel des 550 Meter hohen Peak zu erreichen. Auf dem Hausberg der ehemaligen Kronkolonie Hongkong wohnen die wirklich Wichtigen und Reichen. Das Konglomerat der Büro- und Bankenriesen drumherum verdeutlicht, wofür Hongkong steht: Geschäfte machen. So simpel ist der Daseinszweck stets gewesen, schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Briten über diese Felseninsel China mit Opium und anderen Handelsgütern versorgten.

Der Büroturm Central Plaza ist das höchste Gebäude der Stadt
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Der Büroturm Central Plaza ist das höchste Gebäude der Stadt

Die strategisch günstige Lage am Südchinesischen Meer ließ die Engländer 1841 zugreifen und den Steinhaufen unter dem Wendekreis des Krebses "auf ewig" zum britischen Stützpunkt erklären. Seit fünf Jahren nun ist es mit dieser Ewigkeit vorbei. Hongkong gehört wieder zum "Reich der Mitte" China.

Die Masse und die Dichte der Hochhäuser faszinieren den Betrachter von der Wasserseite, architektonische Glanzstücke leuchten hingegen nur wenige auf. Und sämtliche entstammen der jungen Vergangenheit, als sich auch unter Hongkonger Potentaten die Erkenntnis durchsetzte, dass neben Nützlichkeitserwägungen und Kostenbewusstsein auch Ästhetik einen Wert haben könnte - und sei es nur, um im Häusermeer mit einem markanten Gebäude die eigene Wichtigkeit zu betonen.

Einer der auffallendsten Türme ist der Bank of China Tower des Sino-Amerikaners I.M. Pei, dem auch die Glaspyramide des Louvre in Paris zu verdanken ist. 70 Stockwerke stapeln sich 368 Meter hoch. Der prismatisch wirkende Bau mit einer Fassade aus metallicblauem Glas ist in der Stadt jedoch nicht sehr beliebt: Seine spitzen Ecken und schiefen Ebenen verstoßen aus Sicht der abergläubischen Hongkong-Chinesen gegen die Prinzipien der Geomantik - sie sorgen für schlechtes "Feng Shui".

Die Peak Tram transportiert Einheimische und Touristen auf den Victoria Peak
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Die Peak Tram transportiert Einheimische und Touristen auf den Victoria Peak

Besser hat es der Brite Sir Norman Foster mit dem Konkurrenzgebäude der Hongkong & Shanghai Bank getroffen. Der geradlinige Kasten ist in seinen Feng-Shui-Schwingungen unauffällig, im Inneren wirkt er fast wie eine europäische Kathedrale. Eine computergesteuerte "Lichtschaufel" an der Südfassade lenkt Tageslicht in das riesige Atrium.

Höchstes Gebäude der Stadt ist mit 374 Metern und 78 Etagen der Büroturm Central Plaza. Nachts signalisiert der Farbenwechsel auf der illuminierten Spitze die Uhrzeit. Nach Einbruch der Dunkelheit ist die Hochhauskulisse sowieso doppelt so schön mit ihren tausend Lichtern und Leuchtreklamen.

Das Gefühl der offenen Weite des 800 Meter breiten Hafenbeckens ist ein Luxus, den auch der Besucher bald zu schätzen lernt: Gerade einmal sieben bis neun Quadratmeter stehen jedem Einwohner Hongkongs statistisch zur Verfügung. Was das bedeutet, merkt man, wenn man am Fährpier in Central aussteigt und hineinmarschiert in die Häuserschluchten rund um die Queen's Road. Vor allem zur Rushhour ist auf Bürgersteigen und Straßen kaum ein Durchkommen, jede Ecke ist zugebaut.

Lichter und leerer wird es erst wieder, wenn man den Peak besteigt. Von seiner Spitze, zu der schnell, günstig und spektakulär auch eine altertümliche Tram fährt, schaut man auf das Häusermeer von Hongkong Island. Auch das nicht minder eng besiedelte Kowloon ist gut zu sehen und das dazwischen liegende grüne Wasser des Victoria Harbour, auf dessen Wellen die Boote der Star Ferry seit 100 Jahren unentwegt dem anderen Ufer entgegenschaukeln.

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