Von Sören Meschede, Madrid
Das Sahnehäubchen für die touristische Neuausrichtung
Der Ausbau geht weiter. Laut Plan soll der historische Stadtkern in ein "Mega-Museum" verwandelt werden. In den nächsten Jahren will sich Málaga mit 13 neuen Dauerausstellungen selbst beschenken. Dazu kommen der Ausbau des Flughafens und die Verbesserung der Infrastruktur. Geht alles nach Plan, wird sich das Entlein in zehn Jahren endgültig in einen Schwan verwandelt haben. Der Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2016" wäre das Sahnehäubchen, mit dem die Stadt ihre ohnehin notwendige touristische Neuausrichtung gebührend feiern könnte. Mit welchem Konzept man in den Titelkampf gehen will, darüber hat man sich in Málaga noch wenig konkrete Gedanken gemacht. "Wir werden unsere kulturellen Leitthemen von den großen Fragestellungen ableiten, die über kurz oder lang in Europa wichtig werden", meint Diego Máldonado blumig.
Im lediglich zwei Autostunden entfernten Córdoba ist das Vorbereitungskomitee schon etwas weiter mit der Planung. Hier hat man vor wenigen Wochen als erste spanische Stadt offiziell die Kandidatur bekannt gegeben. Zwar putzt sich auch Córdoba fein heraus. Die römische Brücke, die sich über den Fluss Guadalquivir spannt, wird gerade komplett restauriert, genauso wie Teile der Moschee. Aber neben den Bauvorhaben setzt das Vorbereitungskomitee bereits jetzt auf kontinuierliche Kulturarbeit mit Blick auf 2016. "Bevor wir ein Gebäude bauen, wollen wir etwas haben, womit wir es füllen können", bringt Manuel Pérez Pérez die Philosophie der Stadt auf den Punkt.
"Dieses Mal wollen wir alles richtig machen"
Der Stadt bleibt auch gar nichts anderes übrig. Von den Milliarden, die Málaga gerade in Museen und Infrastruktur pumpt, kann man hier nur träumen. Córdoba will seine Millionen vor allem in ein Kultur-Konzept investieren, das auf "Zusammenkunft und Dialog" basiert, so Pérez. Das Festival für Gitarrenmusik, Poesie-Zusammenkünfte, ein europäisches Festival für Straßenkunst und ein internationales Festival für animierten Film gibt es schon. Weiteres soll hinzukommen. Lissabon ist ein erster Schritt im Kulturaustausch mit den Hauptstädten Europas. Weitere sollen im nächsten Jahr folgen. Berlin ist im Gespräch.
Diese kleineren Veranstaltungen sollen nach Pérez Vorstellung das Rückgrat der Bewerbung bilden: "Auch wenn es sicherlich wichtig sein wird, das eine oder andere Großereignis an Land zu ziehen, ist es doch entscheidend, dass wir Aktivitäten in unsere Agenda bringen, die primär mit unserer eigenen Tradition in Einklang stehen." Das klingt bescheiden, aber schon jetzt gibt Córdoba 1,3 Millionen Euro jährlich aus, um sich für den Wettbewerb gründlich vorzubereiten. "Wir wollten schon einmal Kulturhauptstadt werden. Doch damals, 1992, hat es nicht geklappt", erinnert sich Manuel Pérez Pérez. "Dieses Mal wollen wir eben alles richtig machen." Kulturschaffende wie Fernando Vacas wird dieser Kampfeswille freuen.
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