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30.01.2007
 

Abu Dhabi

Shoppingmalls ersetzen Beduinenzelte

Mit gigantischen Prachtbauten will Abu Dhabi zum Tourismusmagneten Dubai aufschließen. Das Emirat baut nicht nur Spa-Resorts, Golfplätze und Yachthäfen, sondern auch ein gigantisches Kunstmusum – entworfen von Stararchitekt Frank Gehry.

Abu Dhabi City - Abu Dhabi ist eine Herausforderung an das Vorstellungsvermögen. Es gibt immer wieder Augenblicke, in denen sich europäische Besucher des Emirates am Persischen Golf fragen: "Kann das jetzt sein?" Die Antwort lautet meistens: "Nein, eigentlich nicht."

Wenn bei der Stadtrundfahrt das "Emirates Palace Hotel" auftaucht, ist es zum ersten Mal so weit: Der Gebäudekomplex mit 114 Kuppeln erscheint wie ein Sultanspalast und sieht schon von weitem einfach riesig aus. Die Palmen und Fontänen davor lassen an Versailles denken: So hätte der "Sonnenkönig" wohl in Arabien gebaut. Die Farben der Fassade geben die verschiedenen Töne des Wüstensandes wieder. Es gibt 92 Luxus-Suiten und 302 Deluxe-Zimmer, insgesamt rund 7000 Türen sowie 1000 Kristallleuchter. Der hoteleigene Privatstrand ist 1,3 Kilometer lang - und um das Sieben-Sterne-Hotel, das im Februar 2005 eröffnet hat, zu Fuß zu umrunden, braucht man fast eine halbe Stunde.

Mit seiner überraschend grünen Parklandschaft hat das Grundstück eine Fläche von einer Million Quadratmeter. Nachts strahlt das Gebäude mit Tausenden von Glühbirnen in die Dunkelheit. Wenn Scheich Khalifa bin Zayed andere Staatsoberhäupter einlädt, trifft er sie hier. Für Besucher ist das Hotel dann gesperrt. Ansonsten können Touristen sich im "Palace" einen Arabischen Kaffee gönnen - und natürlich auch übernachten, das nötige "Kleingeld" vorausgesetzt.

Vom Hüttendorf zur Prunk-Metropole

Die Frage "Kann das jetzt sein?" stellt sich wenig später erneut, und zwar vor merkwürdigen Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven aus den fünfziger Jahren. Sie zeigen Abu Dhabi City, wie sie früher ausgesehen hat - oder besser die Stelle, an der die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sich heute ausbreitet. Ein einsamer Reiter auf einem Kamel ist dort zu sehen, verloren in der Wüste. Ein anderes Bild zeigt ärmliche Kinder vor einem Beduinenzelt, eine Szene wie aus einem Spendenaufruf von "Brot für die Welt".

Abu Dhabi vor 50 Jahren - ein trostloses Fleckchen Erde, ein paar Hütten und viel Sand. Die historischen Aufnahmen sind heute Teil der Ausstellung im "Heritage Village", einer Art Museumsdorf, in dem Touristen, aber auch Bewohner des Emirates der Vergangenheit nachspüren können. So also sah es am Persischen Golf aus, bevor im Jahr 1958 das Öl entdeckt wurde. Damals gab es hier noch keine Kanalisation und keine Häuser mit Strom, kein Krankenhaus, nicht einmal einen Arzt. Die meisten Einheimischen lebten mehr schlecht als recht als Fischer oder Perlentaucher.

Ganz anders ist es heute: Die Hauptstadt der erst 1971 gegründeten Vereinigten Arabischen Emirate ist eine moderne, ständig wachsende Metropole. In der wohl reichsten Stadt der Golfregion leben 800.000 Menschen. Die Skyline voller Hochhäuser mit verglasten Fronten lässt eher an Chicago denken denn an die Arabische Halbinsel. Die sechs Kilometer lange Promenade heißt Corniche - wie an der Côte d'Azur.

Autokennzeichen dienen als Statussymbol

Die Hauptstraßen sind mindestens dreispurig, und wie es scheint, hat fast jeder Emirati einen Geländewagen. Autos sind Prestigeobjekt und Alltagstransportmittel schon für kurze Strecken. Wer Eindruck schinden will, hat nicht nur viel PS, sondern auch ein Nummernschild mit möglichst wenigen Ziffern. Hin und wieder werden sie bei Auktionen versteigert: Zweistellige sollen dann locker 100.000 Euro bringen - so viel kostet in den Emiraten sonst ein gutes Rennkamel. Kann das jetzt sein? "Doch, doch", wird dem staunenden Besucher versichert: Ein Kennzeichen-Fetischist soll für die "Acht" am Nummernschild sogar schon einmal eine Million US-Dollar bezahlt haben.

In der Dämmerung funkelt und blinkt die Stadt. Selbst die Minarette der Moscheen sind beleuchtet. Doch genauso hell strahlen die großflächigen Neonreklameschilder über den Türen der Geschäfte: Neben dem Blumenladen ein Supermarkt, neben dem Internet-Café der "University Book Shop". Das klingt nicht gerade nach Orient - schon wegen der englischen Sprache, die in Abu Dhabi aber ganz alltäglich ist. Und als habe irgendjemand das noch übertreffen wollen, liegen sich nur ein Stück weiter die Fast-Food-Restaurants von McDonald's und KFC tatsächlich gegenüber. Kann das jetzt sein?

Metropole am Persischen Golf: Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate
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GMS

Metropole am Persischen Golf: Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate

Abu Dhabi überrascht immer wieder: als Einkaufsoase zum Beispiel. Dass der Nachbar Dubai jährlich im Winter Tausende von Besuchern mit seinem Shopping-Festival anlockt, hat sich herumgesprochen. Auch Abu Dhabi City hat neben seinen Souks und traditionellen Märkten etliche moderne Einkaufszentren wie die "Abu Dhabi Shopping Mall": Männer in bodenlangen Dischdascha-Gewändern schlendern gemächlich an den Schaufenstern vorbei, oft begleitet von ihren Frauen. Viele von ihnen sind unverschleiert. Doch zumindest die traditionsbewussten verbergen einen Teil des Gesichts hinter einem Hidschab.

Geldsorgen sind den Einheimischen fremd. Wer einkauft, will nur das Beste: Pralinen von Leysieffer, Schmuck von Swarovski, Hifi-Hightech von Bang & Olufsen, Anzüge von Pierre Cardin - an renommierter Markenware herrscht kein Mangel. Gut 200 Geschäfte, Kinos und Restaurants erstrecken sich hier über etliche Stockwerke.

Schwarzes Gold reicht bis ins nächste Jahrhundert

Geld spielt in Abu Dhabi keine Rolle, das Emirat besitzt zehn Prozent der weltweiten Ölreserven. Scheich Khalifa bin Zayed muss sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen: Anders als in vielen anderen Förderländern und auch in Dubai, wo bald Schicht im Förderschacht ist, reichen die Vorräte noch gut 120 Jahre. Nötig hätte der Scheich einen Schwenk in der Ökonomie also nicht, aber er will vorsorgen. Es wird kräftig in den Tourismus investiert - in Dimensionen, bei denen die Frage "Kann das jetzt sein?" fast unvermeidlich ist.

Saadiyat Island zum Beispiel, die direkt vor Abu Dhabi City gelegene "Insel des Glücks", soll zum Tourismusziel ausgebaut werden. Drei Yachthäfen sind dort geplant, zwei Golfplätze und 29 Hotels mit mehr als 7000 Zimmern, darunter ein Sieben-Sterne-Haus. Öko-Touristen sollen ebenfalls auf ihre Kosten kommen, etwa bei Exkursionen auf den Spuren der Wildvögel, die in den Mangrovenwäldern der Insel nisten. Die rund 200 Inseln vor der Küste sind touristisch bislang kaum erschlossen - das soll sich nun ändern.

Kunstmuseen und Abenteuer-Wasserparks

Und auch das war vor kurzem noch schwer vorstellbar: Auf Saadiyat Island wird die Guggenheim-Stiftung eine Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst bekommen - größer als die in New York, Venedig oder Bilbao, die größte überhaupt, um genau zu sein. Für den Entwurf des Kunstmuseums zeichnet kein Geringerer als der Stararchitekt Frank Gehry verantwortlich - voraussichtlich 2011 wird es eröffnet. Gleichzeitig soll es auf der kleinen Insel auch einen neuen "Louvre" geben mit Kunstwerken aus dem großen Vorbild in Paris und weiteren Museen der französischen Hauptstadt.

Verteilt auf mehrere Inselchen wird gerade das "Al Gurm Resort" gebaut, das nicht nur über Luxuswohnungen, sondern auch über 161 Suiten, drei Restaurants sowie Swimming-Pools und Spa-Einrichtungen verfügen wird. Ein weiteres Resort mit 230 Zimmern - alle mit Meerblick - soll im traditionellen arabischen Stil entstehen. Auch ein Abenteuer-Wasserpark ist geplant. Insgesamt, so die ehrgeizigen Pläne, soll die Zahl der Besucher von derzeit einer auf drei Millionen im Jahr 2015 steigen, die Zahl der Hotelbetten von 12.000 auf 25.000.

Gebaut wird auch zu Ehren Allahs: Die Minarette der Großen Moschee ragen schon in den Himmel, auch wenn davor noch Gerüste stehen. Etwa 70.000 Gläubige sollen darin einmal Platz finden - die Moschee gehört dann zu den größten der Welt. Baumaterial ist Makrana-Marmor aus Indien, mit dem auch das Taj Mahal errichtet wurde. Wahrscheinlich im Sommer 2007 wird sie fertig und zumindest in Teilen auch für Nicht-Moslems zu besuchen sein. Schon jetzt ist so gut wie sicher, was sie still bei sich denken werden, wenn sie am Grab des Staatsgründers Scheich Zayed vorbei auf die Moschee zugehen: "Kann das jetzt sein?"

Andreas Heimann, gms

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