Von Tomas Niederberghaus
Doch inzwischen passt sich das kostspielige Haus in vornehmer Lage dem Wunsch der Gäste mit viel Geld an. Wie in anderen Hotels dieser Güte gibt es auch hier keine Kleiderordnung mehr. Es kann vorkommen, dass man einen Mann sieht, der in Boxershorts, mit weißen Söckchen und Sandalen aus einem der mit antikem Mobiliar und Seidentapeten ausgestatteten Zimmer kommt, der in diesem wenig anmutigen Outfit über die Perserteppiche des Foyers zur Terrasse läuft, um dort an einem Tisch - weißes Tuch, Silberbesteck - zu frühstücken.
Wahrscheinlich ein Amerikaner. Ein guter Concierge hat ein offenes Ohr. Er weiß Gästen zuzuhören und nimmt sich für ihre Bedürfnisse Zeit. Wer Fausto Allegri einmal dabei beobachtet hat, wie er sein Gegenüber fixiert, wie seine gekräuselte Stirn ein Indiz dafür ist, dass er die Wünsche seiner Gäste speichert, wer einmal gehört hat, wie er eine Bitte mit einem "Selbstverständlich, Sir" beantwortet, der kann sich gut vorstellen, dass Liza Minnelli ihn einst bat, ihr ein paar Strümpfe zu besorgen. Burt Lancaster fragte ihn nach einem Sonnenhut. Nur als ein Casanova vor wenigen Jahren vor ihm stand und nach Blumen fragte, perlte Schweiß auf Fausto Allegris Stirn.
"Fausto, kannst du ein paar Rosen besorgen?", fragte der Herr. "Wie viele, Sir? Sind 50 in Ordnung?", entgegnete Fausto. "Nein, mehr." "100?" "Fausto, nicht so bescheiden." "200?" "Bitte, Fausto, was sind 200 Rosen?" "Möchten Sie 500?" "Hör zu, Fausto, ich brauche 2000, und ich brauche sie ohne Stiel, und dann benötige ich noch einen Helikopter." (Fausto Allegri reißt beim Erzählen noch einmal so erstaunt die Augen auf, wie er es damals, als der Casanova vor ihm stand, getan haben muss. Ein Kellner hat mitbekommen, worum es geht und bittet den Gast, gut zuzuhören, denn dieses sei "das Coolste", was es in der Geschichte des Hotels "Splendido" gegeben habe.)
"2000", stammelte Fausto, "ohne Stiel. Mit Helikopter. In Ordnung, Sir. Morgen früh um elf Uhr." Er habe sämtliche Rosen der Märkte und Geschäfte an der ligurischen Küste aufgekauft. Er habe nach vielen Telefonaten einen Helikopter bekommen. Am nächsten Tag habe der Casanova um Punkt elf Uhr seine Freundin gebeten, ein paar Bahnen zu schwimmen. Kaum war sie ins Becken gestiegen, sei der Hubschrauber erschienen. Fausto sagt: "Er flog sehr tief, und als er über dem Pool war, regneten 2000 rote Rosen auf die Dame herab." Einer der Gäste sei ein wenig konsterniert gewesen. Fausto Allegri sagte ihm nur: "Der Mann ist einfach sehr verliebt."
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