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16.04.2008
 

Atomium wird 50

Alte Kugeln im neuen Glanz

Ein Wahrzeichen mit wechselvoller Geschichte feiert Geburtstag: Das Atomium in Brüssel, neben dem Männeken Pis das berühmteste Symbol der belgischen Hauptstadt, wird 50 Jahre alt. Dabei sollte das Bauwerk eigentlich schon wenige Monate nach seiner Entstehung abgerissen werden.

Brüssel - Wenn es um den Wettbewerb um das beliebteste Wahrzeichen Brüssels geht, stellt ein 165-milliardenfach vergrößertes Eisenkristall das berühmte Männeken Pis in den Schatten: Das Atomium, ein Gebilde aus neun Kugeln mit jeweils 18 Metern Durchmesser, prangt inzwischen sogar auf Euromünzen. Dabei sollte das Bauwerk eigentlich nur wenige Monate überleben.

Ursprünglich diente das Atomium als Wahrzeichen der ersten Weltausstellung der Nachkriegszeit, die vom 17. April bis zum 19. Oktober 1958 in der belgischen Hauptstadt ausgerichtet wurde. Der Architekt André Waterkeyn entwarf das Symbol für die Expo in Belgien. Die luftige Konstruktion symbolisierte die Kristallstruktur des Eisens, dessen Verarbeitung eine Säule der belgischen Volkswirtschaft darstellte. Den Abriss des Ausstellungsgebäudes verhinderten die anhaltenden Besucherströme, die es auch in den Jahren nach der Weltausstellung in die begehbaren Kugeln zog.

In den folgenden Jahrzehnten war das beliebte Kugelgebilde allerdings auch ein Symbol für den fortschreitenden Verfall: Die Alu-Haut der Kugeln verwitterte zusehends, bei Regen tropfte es durch Fugen hinein, im Inneren bildeten sich Stockflecken. Der Blick aus dem Fenster der Panoramakugel an der Spitze des Atomiums war zunehmend getrübt.

Im Jahr 2004 startete eine umfassende Sanierung, die insgesamt 27,5 Millionen Euro verschlang und maßgeblich vom Land Belgien und der Stadt Brüssel finanziert wurde. Die schäbigen gewölbten Platten wurden vom Stahlgerippe der Kugeln entfernt und durch Inox-Platten ersetzt. Der nichtrostende Stahl glänzt beständiger als Aluminium, trotzt dem belgischen Wetter und macht die Reinigung von Hand überflüssig. Vor der Sanierung wurden die Kugeln orange angestrahlt, jetzt leuchten sie wieder selbst - so wie während der Weltausstellung vor 50 Jahren. Zwei Jahre lang dauerte die Neugestaltung, die auch mit deutscher Beteiligung erfolgte: Der Lichtdesigner Ingo Maurer entwarf die Beleuchtungselemente.

Aktionen zum Geburtstag

Für das Jubiläum der ersten großen Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, die weit mehr als 40 Millionen Besucher zählte, bietet Belgien bis in den Oktober eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen. Dazu gehört ein "Pavillon des zeitweiligen Glücks", dessen tragende Konstruktion aus 33.000 leeren Bierkästen besteht und in dem Filme die Geschichte der Weltausstellungen seit der ersten Expo 1851 in London bis Shanghai 2010 erzählen.

Für Donnerstagabend ist ein großes Feuerwerk geplant, es folgen Konzerte, Kino-Vorführungen und ein Tanzabend rund ums Atomium. Für die Älteren wird schon nachmittags ein Tanztee angeboten - speziell für diejenigen, die sich schon 1958 auf der die Weltausstellung begleitenden Kirmes amüsiert hätten, heißt es im Programm.

Wer seine Expo-Tour an seinem 50. Geburtstag antritt, kann Pavillon und Atomium kostenlos besichtigen. Belgiens Cartoonisten haben eine besondere Grafiksammlung zum Thema Atomium zusammengestellt. Zu Füßen des Atomiums wird im Sommer ein Open Air-Kino aufgebaut, in dem einstige Kassenschlager wie der im Expo-Jahr 1958 erschienene Hitchcock-Klassiker "Vertigo" gezeigt werden.

reh/AFP

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