ThemaBaltikum-ReisenRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.12.2008
 

Kulturhauptstadt Vilnius

Tausend Jahre Geschichte als Lasershow

Als erste Metropole einer ehemaligen Sowjetrepublik trägt Vilnius den Titel "Kulturhauptstadt Europas". 2009 wird die litauische Hauptstadt sich ihrer Vergangenheit stellen, die Gegenwart feiern - und startet mit einer gigantischen Licht- und Laser-Show ins Neue Jahr.

Vilnius - Das Jahr 2009 ist für Litauen und seine Hauptstadt Vilnius in zweifacher Hinsicht herausragend: Das größte Land des Baltikums feiert die erste schriftliche Erwähnung des Namens Litauen in den Quedlinburger Annalen vor 1000 Jahren. Und erstmals trägt mit Vilnius die Metropole einer ehemaligen Sowjetrepublik den Titel "Kulturhauptstadt Europas". Land und Stadt wollen sich mit Authentizität und Offenheit präsentieren - und freuen sich auf möglichst viele Kulturreisende.

"Es ist wichtig, Europa und die Welt an unsere Vergangenheit zu erinnern. Und es ist nicht weniger wichtig, unsere Gegenwart zu präsentieren, so dass alle an Litauen interessierten Europäer uns in ihrer Nachbarschaft wieder entdecken", unterstreicht Staatspräsident Valdas Adamkus die Bedeutung des Jahres. Litauen war immer ein europäisches Land, wenn auch aufgrund der Sowjet-Okkupation fast 50 Jahre lang hinter dem Eisernen Vorhang.

Mit gewaltlosem Widerstand hat die litauische Bevölkerung aber am Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre den sowjetischen Machthabern und Truppen getrotzt - noch heute wird von der "Singenden Revolution" gesprochen. Und wurde vor nicht einmal 20 Jahren Weihnachten nur hinter zugezogenen Vorhängen gefeiert, so finden sich heute Weihnachtsutensilien aller Art in den aus dem Boden sprießenden Supermärkten und riesigen Einkaufszentren.

Die Leichtigkeit der Vilniusser Barockschule

Viele, wenn auch nicht alle Wunden der Sowjetzeit in Architektur und Infrastruktur sind in der Altstadt von Vilnius geheilt. Seit 1994 gehört sie zum Unesco-Weltkulturerbe. Viele der unter dem kommunistischen Regime zweckentfremdeten katholischen Kirchen erfüllen jetzt wieder ihre ursprüngliche Bestimmung - zum Beispiel die Bernhardinerkirche, die gemeinsam mit der aus 33 Ziegelarten erbauten Annenkirche das eindrucksvolle Gotische Ensemble bildet.

Über knapp 70 restaurierte Stufen lässt sich der Bernhardiner-Glockenturm komfortabel erklimmen. Von oben bietet sich ein Blick über eine erstaunliche Vielzahl von Kirchturmspitzen.

Rund 30 Gebetshäuser im Stadtinneren - vorwiegend katholische, aber auch orthodoxe und eine Synagoge - tragen wesentlich zum Flair der 544.000-Einwohner-Stadt bei. Künstler des italienischen, süddeutschen und österreichisch-habsburgischen Barock prägten hier einst gemeinsam mit regionalen Meistern die Vilniusser Barockschule.

Deren Leichtigkeit vereint sich mit dem Grazilen der Gotik zu einer wohltuenden Architektur-Symphonie, vollendet mit Schmuckstücken des Klassizismus wie dem Alten Rathaus und der Weißen Kathedrale.

Der "Licht-Architekt" Gert Hof visualisiert in der Neujahrsnacht mit einer 20 Minuten langen Licht- und Laser-Show die tausendjährige Geschichte Litauens. Rund 120 Kulturhauptstadt-Projekte mit etwa 900 Veranstaltungen unter dem Motto "Culture live" sollen den Bogen zwischen nationaler und internationaler, zwischen traditioneller und moderner Kultur spannen. Er reicht vom "Ersten Internationalen Vilniusser Opernfestival" über eine Ausstellung mit den Hauptwerken des georgischen Malers Nikolos Pirosmanaschwili bis zu einer Modegala auf dem zum "längsten Catwalk Europas" umfunktionierten Gedimino prospektas, der Verbindungsstraße zwischen Kathedrale und Parlament.

Eintritt frei

Formate wie die "Kulturnacht", das "Straßenmusikfest" und das Rock- und Alternativmusik-Festival "Be2gether" an der weißrussischen Grenze sollen über 2009 hinaus zur Tradition werden. Bei zwei Dritteln des Kulturangebots ist der Eintritt frei. Bis zu 30 Millionen Euro stehen für das Kulturhauptstadt-Programm sowie 55 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung. Der Umbau des einstigen Revolutionsmuseums zur Nationalgalerie, die Umgestaltung einer früheren Druckerei zu einem Kulturzentrum sowie der Wiederaufbau des ehemaligen Palastes der Großfürsten von Litauen sind für Vilnius' Bürgermeister Juozas Imbrasas die vorrangigsten Bauprojekte.

Nicht nur für Imbrasas ist der Staatsfeiertag am 6. Juli das bedeutsamste Millenniumsdatum: Neben der Eröffnung des Palastes als Symbol litauischer staatlicher Souveränität findet an diesem Tag auch das große Sänger- und Tanzfestivals vom 1. bis 6. Juli seinen Abschluss. Dabei ist auch ein Chor von 30.000 Stimmen zu hören. Am Abend des Nationalfeiertages werden auf Initiative der Gesellschaft zur Verschönerung Litauens außerdem auf 1000 registrierten Burgbergen im Land 1000 Feuer entzündet.

Litauen ist kein aufdringliches Land, Vilnius keine aufdringliche Stadt - beide wollen entdeckt werden. Das geht zu Fuß, per Bus - und mit dem Ballon. "Vilnius ist eine der wenigen Städte, wo eine Ballonfahrt über das Stadtzentrum erlaubt ist", sagt Aurimas Vengrys, ein örtlicher Ballon-Pilot.

Judith Lewonig, dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
alles aus der Rubrik Städtereisen
alles zum Thema Baltikum-Reisen

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP