Julian Nida-Rümelin, 54, Ex-Kulturstaatsminister, heute Professor für Philosophie
Das ist München für den Besucher eines New Yorker Reisebüros. Für den Berliner kommen das Ärgernis FC Bayern, die schwarze Dauerregentschaft von Strauß, Stoiber oder Seehofer, die teuren Läden an der Maximilianstraße, der schmucke Englische Garten und das schöne Nymphenburger Schloss hinzu. Manche lästern, zu Recht, über die schlecht geparkten teuren Sportwagen an der Maximilianstraße (meist mit Starnberger Kennzeichen), andere über die maßlosen Immobilienpreise. All diese Assoziationen haben zweifellos etwas mit München zu tun. Und dennoch reizen sie mich von jeher zum Widerspruch.
München war lange klein, aber nie Dorf.
Meine Berliner Freunde irritiere ich gelegentlich mit der Nachricht, dass der Ausländeranteil in München fast doppelt so hoch ist wie der in Berlin, dass München die Großstadt ist mit dem höchsten Ausländeranteil in Deutschland. Dass man diesen hohen Ausländeranteil nicht so deutlich merkt wie in vielen Berliner Stadtvierteln, hängt mit einer gelungenen Integrationspolitik der sozialdemokratisch geführten Stadt zusammen.
München ist multikulturell, die Stadt mit dem höchsten Single-Anteil und einer großen Vielfalt von Lebensformen. München ist nicht das traditionelle, konservative Millionendorf.
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