London mit Kindern: Stadt der Saurier, Zauberer und Piraten

2. Teil: Perfekte Ausrede für kulturfaule Eltern

London: Großstadt-Urlaub mit Kindern
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Städtetrips mit Kindern haben einen großen Vorteil: Man kann sich die Gemäldegalerie XY sparen und stattdessen Kaffee trinken gehen und das Ganze auf die Kinder schieben ("Ich würde ja gerne noch, aber mit denen...") Falls die Kinder noch klein sind, empfiehlt sich zum Kaffeetrinken Kensington Gardens, denn dort gibt's den Diana Memorial Playground mit Piratenschiff und Matsch-Bach. Das Ganze ist eingezäunt, und am Eingang wacht freundliches Personal darüber, dass keine Hunde oder bösen Jungs reinkommen.

Eltern können unbesorgt Cappuccino und Muffins konsumieren oder sich schon mal bei der benachbarten Orangerie anstellen, wo man den gepflegtesten Afternoon Tea überhaupt einnehmen kann. Vor zehn Jahren wäre das mit Kindern noch schwierig gewesen, damals führten manche Londoner Restaurants Schilder wie "Kinder nicht erwünscht".

Mittlerweile können die Kleinen selbst in der Orangerie mit Dreirädern um die Tische kurven. Ein anderer guter Ort zum Ausspannen ist Hampstead Heath. Das altmodische Café am Sportplatz ist unschlagbar gut und billig. Hundert Meter weiter ist ein großer neuer Spielplatz, und in den drei Naturseen kann man schwimmen gehen.

In der Nähe von Kensington Gardens liegt das eine Londoner Museum, das bei allen Kindern ein garantierter Erfolg ist - das Natural History Museum mit seinem Diplodocus-Skelett in der Eingangshalle und einem beweglichen, knurrenden und sogar vorzeitlich stinkenden T-Rex im linken Seitenflügel. Weitere Highlights sind die Spinnensammlung und ein nachgestelltes Erdbeben. Der Eintritt ist gratis, aber Vorsicht: Man zahlt schnell 20 Pfund für Plastiksaurier und ferngesteuerte Skorpione, wenn die Kleinen den Shop entdecken.

Krebse suchen in der Großstadt

"Heute aber wieder an den Strand!" - auf eine solche Forderung muss sich der Erziehungsberechtigte auch in London gefasst machen. Bei Ebbe gibt die Themse am Südufer - Höhe Tate Modern - kleine Sandstrände mit Muscheln und Felsblöcken frei. Die Kinder können dort nach Krebsen suchen, während man selbst den Ausblick auf St. Paul's und die Penthouse-Paläste und Business-Burgen der City genießt. Wenn man das hinterher zu Hause erzählt, sind einem bewundernde Blicke sicher ("Ihr seid ja so relaxt mit den Kindern...").

Ein weiteres Museum, das in Betracht kommen könnte, ist das London Transport Museum in Covent Garden mit lauter alten roten Bussen. Nichts geht aber über eine Tour im Doppeldeckerbus. Hier bloß keine teure Touristenkutsche nehmen, sondern eine ganz normale Linie. Die besten Plätze sind oben in der ersten Reihe - da kann man sogar auf die tieffliegenden City-Tauben herabschauen. Die Fahrgeschwindigkeit ist nicht höher als zur Droschkenzeit, weil die Busse die meiste Zeit im Stau stehen.

Vieles in London ist immer noch haarsträubend teuer, ein Besuch bei Madame Tussauds kostet rund 100 Euro für eine vierköpfige Familie. Hier kommt noch hinzu, dass man erst mal ein oder zwei Stunden anstehen muss. Manche der Wachsdoubles haben so wenig Ähnlichkeit mit den Originalen, dass dies schon wieder Unterhaltungswert hat. Bei Prinz William etwa kann das Urteil nur lauten: Einschmelzen und neu kneten!

Leider finden es nahezu alle Kinder und Teenies toll, sich mit David Beckham, Brad Pitt oder Cameron Diaz fotografieren zu lassen. Man kann die Figuren auch umarmen, boxen, küssen - Tuchfühlung ist erlaubt. Aber Achtung: Das Gedränge nutzen Taschendiebe aus, die im Handumdrehen Rucksäcke aufschneiden und Handtaschen leerräumen.

Hunde und Stoffhasen

Für Sportinteressierte bieten die Fußballclubs Arsenal und Chelsea Stadien-Touren an. Wer Tickets für die Spiele sucht, muss rechtzeitig im Internet buchen. Ein gutes Museum hat Wimbledon (Church Road), auch deutsche Tennisstars wie Boris Becker und Steffi Graf werden dort gewürdigt. Wer eine wirklich exzentrische englische Sportart erleben will, der besuche das Walthamstow Stadium, die größte Hunderennbahn des Landes. Absolut kurios, wie die Greyhounds unter dem Jubel Tausender Zuschauer einem kleinen Stoffhasen nachsetzen, der sirrend auf einer Schiene vorbeisaust.

Kleine Mädchen gehen vielleicht lieber ins Königinnenschloss. Nun sehen die Londoner Paläste zwar nicht aus wie bei Disney: Kensington Palace ist ein von außen unscheinbarer Backsteinbau, und der massige graue Klotz namens Buckingham Palace könnte auch nicht als Kulisse für Schneewittchen herhalten. Von innen aber entspricht "Buck House" - wie der Palast hier genannt wird - durchaus den Kleinmädchenträumen: Der goldene Thron unter einem purpurnen Baldachin, die schweren Leuchter, die nicht enden wollende Festtafel - all das sieht genauso aus wie in einem Märchenfilm.

Der Palast kann allerdings nur besichtigt werden, wenn die Königin im August und September ihren achtwöchigen Sommerurlaub nimmt. Außerhalb dieser Zeit muss man nach Kensington Palace, wo sich nach Dianas Tod die Blumen häuften und wo heute noch ihre Kleider hängen.

Die Bronzestatue von König Wilhelm III. von Oranien vor dem Eingang war übrigens die Inspiration für Piratenkapitän Hook aus "Peter Pan". Apropos Inspiration: Für das "schönste Ferienerlebnis" dürfte man jetzt schon genug Stoff zusammenhaben. Wenn die anderen am ersten Schultag von Minigolfspielen und Ponyreiten erzählen, dürfte sich das neben den Erlebnissen in London ziemlich uncool ausnehmen.

Christoph Driessen, dpa

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  • Datum: Sonntag 23.08.2009 | 08:16 Uhr
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