Von Sebastian Poliwoda
Das Eisenberg's, ein Laden wie die Stadt. Laut, schnell, eng. Aber entspannt. Eisenberg's wird dieses Jahr 80. Für New York, wo alles dreimal schneller geht, ein Datum, wie wenn in Deutschland ein Restaurant 240 Jahre auf der Pfanne hat.
Das Telefon klingelt. "Two eggs, bacon, with grits. Two time. Chicken all the way." Bestellungen zum Mitnehmen werden in den schummrigen Raum geplärrt, auf eine braune Papiertüte geschrieben und zu den Jungs weitergereicht.
Victor stülpt einen Gummihandschuh über die linke Hand, macht gymnastische Fingerübungen, und los geht's. Bread Roll, ein Brötchen groß wie ein Frühstücksteller, aus dem Toaster angeln, aufs Anrichtebrett, Butter drauf, faustgroße Kugel Hühnersalat drauf, ausstreichen, noch mal ausstreichen, irgendwie in Form bringen, Tomatenscheiben drauf, Gurken drauf, zuklappen, Serviette drum, rein in die Papiertüte, vor an die Kasse, fertig. Das Ganze in 2,18 Minuten.
Ein Stück altes New York
Vielleicht lieben es die New Yorker, weil das Eisenberg's sich 80 Jahre treu geblieben ist. Früher war rechts ein Zigarrenladen und links ein Bonbongeschäft. Heute klemmen ein steriler Jamba-Juice-Laden und eine 08/15-Klamottenklitsche das Eisenberg's ein. Doch es lebt weiter, wo die Tage für den Jumbo-Juice-Laden schon jetzt gezählt sind.
Vielleicht lieben es die Prominenten, weil es nicht auffällt. Geduckt im Schatten des Flat-Iron, des Bügeleisenhochhauses, Ecke Broadway und Fifth Avenue. Vielleicht kommen deshalb Schauspieler, Filmproduzenten, Oscar-Gewinner und Immobilienmogule. Vielleicht, weil sie hier niemand anquatscht, sondern mit ihnen redet - wenn sie wollen.
Richardo fischt Tomaten aus einer Metallschale und häckselt sie auf Fingernagelgröße. Tacktacktack. Elf Tomaten in handgestoppten 4.42 Minuten - rekordverdächtig. "Ich hab mir in drei Jahren nur zweimal in den Finger geschnitten", sagt er, zieht die Augenbraue hoch und grinst.
Salami, Käse, Matzo Balls
24 silberne, verschraubte Hocker mit verschlissenen roten Sitzflächen stehen am Granittresen. Dahinter das Chaos: zwischen drei massiven, meterlangen Anrichtebrettern, wo die Jungs zaubern, klemmen sich Stahlschränke mit Gemüse und Salaten, Toaster, Kuchenplatten, Wasserspender, wuchtige Metallschalen voller Bacon - der ist so knusprig, dass er beim Reinbeißen in 20 Teile bricht.
Da thronen neben einer Hügellandschaft aus Salami und Käse ganze Eimer voller Teebeutel, Gurken und Matzo Balls: faustgroße Hefeklöße, in Hühnersuppe serviert, mit denen man auch kegeln könnte.
Eine klassenlose Futtergesellschaft sitzt auf den Hockern an der Theke: Ein Mann im Nadelstreifenanzug und gewienerten Schuhen liest das Wall Street Journal, rechts von ihm sitzt einer mit Nietenjacke und tätowierten Fingergelenken, links eine Koreanerin im kleinen Schwarzen und Plateauschuhen. Daneben ein blonder Surfer mit tiefbraunen Unterarmen und Wolle-Petry-Freundschaftsband.
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