Pächtige Bauten am Ufer der Vecht: Reiche Kaufleute aus Amsterdam haben in der Vergangenheit ihre Landsitze gegründet
Loosdrecht - Der Handel mit Indien und Ostasien hatte viele niederländische Kaufleute reich gemacht: Die Schiffe der 1602 gegründeten Vereinigten Ostindischen Handelskompanie segelten bis nach Indonesien, China und Japan. Wer etwas auf sich hielt, baute zu jener Zeit ein Sommerhaus inmitten ausgedehnter Parkanlagen an den Ufern der Vecht, eines 40 Kilometer langen Seitenarm des Rheins vor den Toren Amsterdams.
Die Idylle an der Vecht ist noch heute ungetrübt. Der schmale Flusslauf, an dessen Windungen kleine Orte liegen, konnte seinen Charme bewahren. Und das, obwohl im dicht besiedelten Städtedreieck Amsterdam-Utrecht-Hilversum nur wenige hundert Meter entfernt der Verkehr auf der Autobahn vorüber braust. Nebenan herrscht auf dem Amsterdam-Rijnkanaal rege Berufsschifffahrt.
"Unsere Vecht ist die Loire der Niederlande", sagt Dean van Koningsveld vom Touristenbüro in Loosdrecht. Und mit einem Lachen fügt sie hinzu: "Natürlich ist hier alles viel kleiner, wie meistens in den Niederlanden". Dafür aber ist die Vecht noch fast unentdeckt.
Ein beschaulicher Seitenarm des Rheins: die Vecht
Breukelen ist eine Kleinstadt, deren Name von "Broek" herstammt, was eine morastige Bruchlandschaft bezeichnet. In der Stadt, die dem New Yorker Stadtteil Brooklyn seinen Namen gab, führen schmale Gassen mit holprigem Kopfsteinpflaster weg vom Fluss, an dem sich auch wohlhabende Zeitgenossen in den Backsteinhäusern angesiedelt haben. Ein Grundstück mit direktem Zugang zur Vecht und dem Anlegesteg für das eigene Boot gilt auch heute noch als Statussymbol.
Nur wenige Kilometer weiter liegen die beiden wohl schönsten Herrenhäuser am Vechtufer: Sterreschans als schlichter Bau, umgeben von großzügigen Parkanlagen mit alten, knorrigen Bäumen, und das Haus Rupelmonde, erbaut 1650. Wie bei vielen Landhäusern an der Vecht finden sich auch hier kunstvoll verzierte Gartenpavillons, in denen die Damen des Hauses einst Gäste zur Teestunde stilvoll empfingen.
Bootssteg inklusive - viele Menschen leben in der Vecht-Region direkt am Wasser
An der kleinen Vechtschleuse von Mijnden, dem direkten Übergang zu den Loosdrechter Seen, stauen sich die Boote am Wochenende manchmal bis zu zwei Stunden. "Das ist kein Wunder", sagt Kapitän Hans Majoor: Die "Loosdrechtse Plaatsen" mit ihren 1100 Hektar Fläche seien bei Wassersportlern äußerst beliebt. Etwa 4000 Segelschiffe und Motorboote sind hier zugelassen, darunter auch etliche Yachten von Freizeitkapitänen aus Deutschland. Majoor steuert hin und wieder das Partyschiff "Wilhelm Jansz Blaen" durch das Seglerparadies bis nach Breukelen oder Loenen an der Vecht. Das ist ein beliebter Spaß für Hochzeitsgesellschaften, Vereine und Gruppen - ein paar Stunden lang können sie ausgelassen eine Party auf dem Wasser feiern.
Wen es nicht auf schwankende Planken zieht, schwingt sich aufs Fahrrad und fährt über das stille Loenen, Vreeland und Nigtevecht in Richtung Weesp, wo neben der kurvenreichen Uferstraße beiderseits der Vecht ungezählte Hausboote vertäut sind. 36 bis 65 Kilometer lang führen die Fahrrad-Rundtouren durch das Plaatsengebiet.
Paradies für Freizeitkapitäne. Die Schleuse von Muiden verbindet die Vecht mit dem Ijsselmeer
Noch mehr als das Bauwerk bewundern manche Besucher hier den Rosengarten, das französische Parterre und den römischen Garten. Den alte Baumbestand in dem Landschaftspark ließen die adligen Auftraggeber aus den Wäldern im Osten von Utrecht seinerzeit eigens herankarren. Weil mehrere Häuser in Utrecht dem aufwendigen Transport im Wege standen, wurden sie der Überlieferung zufolge kurzerhand abgerissen - und später wieder aufgebaut.
Informationen: Niederländisches Büro für Tourismus, Postfach 27 05 80, 50511 Köln, Tel.: 01805/34 33 22, Fax: 0221/92 57 17 37
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH